Wir haben wenigstens was!

Ein paar Sätze war Ortsbürgermeister Hans Helmut Döbell die Arztpraxis-Angelegenheit am Schluss seiner Ausführungen anlässlich des Bürgertreffs dann doch noch wert. „Wir haben wenigstens was“ – schwang in seinen Äußerungen, neben stolz über das bisher Erreichte, auch eine gehörige Portion Resignation, angesichts einer aus seiner Sicht zermürbenden never ending story, mit. Die Information schreit geradezu danach hinterfragt zu werden. „Wir haben wenigstens was?“ Ein Satz, den man sich angesichts des Istzustandes regelrecht auf der Zunge zergehen lassen muss.

Mal ehrlich, die Aussage stimmt doch hinten und vorne nicht. Was haben wir Bürger denn? Haben wir einen Arzt, dem wir uneingeschränktes Vertrauen entgegenbringen? Einen, den wir gerne aufsuchen? Einer, der immer freundlich, hilfsbereit und kompetent allen seinen Patienten gegenübertritt? Einen Sympathieträger, ähnlich den smarten Vorbildern in Vorabendserien? Einer der zuhört, der Patienten ernst nimmt, der empathisch nachfühlt, was sie gerade durchmachen. Einen, der wie sein Vorgänger, den Arztberuf lebt und immer für seine Patienten da ist? Einem, dem die Menschen vertrauen und nicht, wie durchaus gängige Praxis, vor dem sie abhauen? Noch immer händeringend gesucht wird derjenige, der wenigstens eine der Fragen mit „Ja“ beantworten kann.

„Wir haben wenigsten was, um die ärztliche Versorgung sicherzustellen, um das uns andere Ortsgemeinden beneiden.“ Hochstetten-Dhaun vorn, sozusagen. Da schwingt unterschwellig sogar Galgenhumor mit. Ungewollte Satire pur, möchte man meinen. Der Blog spart sich an dieser Stelle ein diesbezügliches eigenes Urteil und verweist stattdessen auf gängige Ärzte-Bewertungs-Portale im Internet. Reinklicken lohnt sich. Wenn nur die Hälfte von dem stimmt, was da ehrlich und deutlich niedergeschrieben steht, dann bekommt der Satz „wir haben wenigstens was“ eine ganz andere Bedeutung. Satire pur eben. Nimmt man Volkes Stimme und die vieler Arztkollegen hinzu, dann wird Hochstetten-Dhaun nicht – wie vom Ortsbürgermeister dargelegt – beneidet, vielmehr bemitleidet. Kleiner, aber feiner Unterschied.