Wer kann Bürgermeister?

Podiumsdiskussion war nicht der ganz große Wurf!

Am 20. Oktober wird ein neuer VG- Bürgermeister gewählt. Um die Bewerber besser kennen zu lernen, lud der Öffentliche Anzeiger zu einer Podiumsdiskussion mit den drei Kandidaten Oliver Kohl, Thomas Jung und Andreas Römer ein. Das Interesse war groß: Mehr als 400 Besucher sahen sich den Schlagabtausch im Gesellschaftshaus an. Das Wichtigste vorneweg: Der Blog kürt Thomas Jung zum Gewinner des Abends! Sein Slogan „frischen Schwung mit Thomas Jung“ bleibt auch nach 2,5 Stunden Politik-Talk glaubhaft und stichhaltig, auch wenn er beim ersten Aufeinandertreffen mit seinen Konkurrenten nicht restlos überzeugen konnte. Das war auch nicht zu erwarten. Insgesamt fehlte bei allen drei Kandidaten noch Herz, Gefühl und Willen, es unbedingt wuppen zu wollen. Diesbezüglich ist noch gewaltig Luft nach oben. So richtig gebrannt hat (noch) keiner. Und brennen muss man, wenn man das Kirner Land nach vorne bringen möchte.

Wesentliche Unterschiede in Zielvorstellungen und Sachfragen, sind nach der ersten Elefantenrunde nur schwer auszumachen. Wenn es um die künftige Gestaltung und Entwicklung der Verbandsgemeinde geht, ist sich das Dreigestirn weitgehend einig. Übereinstimmungen in Sachen Gesundheitsversorgung, Krankenhaus, Migration, Tourismus, Wirtschaft oder Fusion… In der Sache stets konform, waren lediglich in Bewertung, Wortwahl und Herangehensweise leichte Unterschiede auszumachen – Gähn!!! Unter dem Strich, alles bekannte Eckdaten und Positionen, aus den jeweils veröffentlichten Wahlprogrammen, die mal mehr, mal weniger emotional nach und nach brav abgearbeitet wurden. Geschenkt, näher darauf einzugehen. Nachlesen kann man Ansichten, Positionen und Zitate in der Print-Ausgabe der gastgebenden Zeitung am Mittwoch. Ist deren Spielplatz, den Abend aufzudröseln und abschließend zu kommentieren. Bisweilen verlief der recht zäh und emotionslos verlief. Es fehlte durchweg an Brisanz und Konfrontation. Daran änderte auch die mit Spannung erwartete Schlussrunde, mit Fragen aus dem Publikum, nicht viel. Schade! Dazu kam, dass der Moderator, gelinde gesagt, nicht seinen besten Tag erwischte. Es wäre so viel mehr drin gewesen.

Dass es dennoch keine langweilige Veranstaltung wurde, ist einzig und allein den äußeren Eindrücken geschuldet. Wer vermochte vom Auftreten her am ehesten zu überzeugen? Es war wie auf dem Laufsteg. Oben die Kandidaten, unten das beobachtende Volk. Körpersprache, Mimik, Gestik, Schlagkraft, Kenntnisse – das ganze Paket wurde kritisch beäugt. Geht, geht so, geht gar nicht? Schade, dass man am Ausgang keinen Buzzer für seinen persönlichen Favoriten drücken konnte. Der Blog ist sich sicher, Jung hätte die 50-Prozent-Hürde genommen. Warum? Nun, der imaginäre „Applausometer“ registrierte nach seinen Statements zumeist den deutlichsten Ausschlag. Ein Lautstärke-Gradmesser für Zustimmung, Authentizität, Überzeugungskraft und Sympathie? Wahrscheinlich!

Wenn nicht Jung, wer dann? Sorry, lieber Oliver Kohl, Sie werden es nicht! Nicht, wenn es nach dem Blog geht. Ihr Auftritt gemäß der SPD-Wahlkampffibel war zwar eloquent, aber irgendwie auch aalglatt. Ausgestattet mit der größten Fachkompetenz zwar, aber ohne wirkliche Leidenschaft und Volkes-Nähe. Als Verwaltungsmensch konnten Sie vor allem beim Thema Wasser mit Insiderwissen punkten. Daher, „Schuster bleib bei Deinen Leisten“. Bei den Stadtwerken ist Ihr angestammter Spielplatz, auf dem Sie sich am sinnvollsten zum Wohle der Menschen austoben können. Die VG braucht keinen Bürokraten an der Spitze, vielmehr einen Gestalter, noch dazu ohne direkten Stallgeruch und Parteibuch. Fazit: Der Umzug in die Chefetage wird Ihnen erspart bleiben. Man soll ja den Tag nicht vor dem Abend loben, aber die Tendenz pro Jung schien auch im proppenvollen Gesellschaftshaus allgegenwärtig zu sein. Man kann es förmlich spüren: Die Menschen haben große Lust auf den versprochenen frischen Wind und Veränderung aus der „Jung-Windfabrik“, aber so gar keinen Bock mehr auf ein „Weiter so“ mit Oliver Kohl und der damit einhergehenden Parteien-Klüngelei.

Und auch Andreas Römer muss sich nicht mit solchen Umzugs-Gedanken beschäftigen. Er wird weiterhin in der Kriminaldirektion seinen Mann stehen müssen. Dem „Every-Darling-Image“ von Jung hat er nichts entgegenzusetzen. Nicht während der Podiumsdiskussion und auch nichts im weiteren Wahlkampf in der Zukunft. Der Blog attestiert ihm einen Achtungserfolg im politischen Haifischbecken. Respekt, der krasse Außenseiter war bisweilen sogar mutig und forsch. Er hat seine Haut teuer verkauft, und dies, obwohl er logischerweise nicht über das Insiderwissen der anderen beiden Kandidaten verfügen kann. Er wird seine Prozente bekommen. Was Römer fehlt für ernsthafte Ansprüche, sind Bekanntheitsgrad und die politische Biografie. Dennoch, gerade von ihm hätte sich der Blog insgesamt doch mehr Angriffe und Seitenhiebe gewünscht. Gerade er, als Herausforderer, hatte nichts zu verlieren. Vielleicht kommen die bei der nächsten Podiumsdiskussion in Heimweiler. Die FDP lädt am 9. Oktober, um 19 Uhr ins Bürgerhaus ein.

Was sonst noch so alles auffiel, darauf wird der Blog in den Folgetagen sowie im Wochenrückblick eingehen.