Wahlprogramm-Check

Super-Helden unter sich. Wer hat das überzeugendste Wahlprogramm? Wie unterscheiden die sich? Unterscheiden die sich überhaupt?

Zeit, sich mal den Wahlprogrammen von „Thomas Jung („Lucky TJ“) und Oliver Kohl („Super-Oli“) anzunähern. Ihre wichtigsten Eckpunkte haben die beiden aussichtsreichsten Anwärter auf den Chefsessel der Verbandsgemeinde Kirner Land schon über unterschiedliche Kanäle unter das Volk gestreut. Das Wichtigste vorneweg: Differenzen sind absolut keine zu erkennen, auch nicht auf den zweiten Blick. Nicht einmal marginale Unterschiede lassen sich aus ihren jeweiligen gelisteten Aussagen von Homepage und Flyer herausarbeiten. Gut, die vokabulare Verpackung ist typbedingt anders, aber das war es dann auch schon. Blöd für die Wähler, weil alle Inhalte nahezu identisch sind. Da fällt es schwer, sein Pendel in der Wahlkabine ausschlagen zu lassen und sein Kreuzchen nur anhand des Wahlprogramms zu setzen.

Grundsätzlich gilt ja, dass Wahlprogramme in der Öffentlichkeit meist kritisch beäugt werden, von wegen leeren Versprechungen oder Luftschlössern. Von alledem findet sich jedoch nichts. Bescheidenheit in den Zielsetzungen passt eigentlich so gar nicht zu einem Super-Helden-Image. Ihre Inhalte drehen sich um eher bodenständige regionale Themenschwerpunkte und Sachfragenpositionen, die den Menschen hier bei uns unter den Nägeln brennen. Nicht einmal „Lucky TJ“ schießt aus der Hüfte und haut einen raus.

Und das Verrückte daran: Beide lenken ihren Fokus auf die nahezu deckungsgleichen fett gedruckten Leitgedanken. Jung überschreibt seine Liste mit Herzensangelegenheiten, Kohl setzt in seine Menüleiste Standpunkte. Unter dem Strich haben beide die weit gefassten gleichen Ziele auf der Agenda. Schade, konkret wird es eher selten. Auffällig, von beiden kein einziges Wort zu den lästigen Straßenausbaubeiträgen, und dies, obwohl gerade das Reizthema die Parteienlandschaft spaltet wie kein anderes. Schließlich geht es dem Bürger an den Geldbeutel, und das nicht zu knapp. Wie ist die Haltung der Kandidaten? Vieleicht verraten sie diese ja bei der Podiumsdiskussion nächste Woche.

Jung und Kohl werben mit den gleichen Politik-Ansätzen für eine erfolgreiche Amtszeit. Keiner hebt sich ab, keiner besetzt ein Thema mit Alleinstellungsmerkmal. Unterschiede gibt es nur in den Überschriften, Formulierungen und Beschreibungen, nicht aber in den Zielsetzungen. Hier eine zusammengefasste Übersicht in Stichpunkten:

Gesundheit:

  • Notarzt- und Hausarztversorgung sichern, Erhalt des Kirner Krankenhauses, Pflegeangebote stärken.

Arbeitsplätze:

  • Industrie, Handwerk und Dienstleister brauchen schnelles Internet und eine attraktive Infrastruktur. Breitbandausbau, Verkehr, Städtebau, Wirtschaftsförderung.

Freizeit & Tourismus:

  • Attraktive Angebote für sportlich Aktive, Familien und Kulturliebhaber schaffen. Ein klares „Ja“ zum Jahnbad, Vereine unterstützen, Ehrenamt unterstützen, Umwelt und Natur, Hochwasserschutz.

Verwaltung/Fusion:

  • Die muss mit Leben gefüllt und gestaltet. Dabei gilt es optimale Bedingungen in der Verwaltung zu schaffen. Feuerwehren, Schulen, Kindergärten und Ortsgemeinden brauchen jede Unterstützung.

Fazit:

Nun, das Rad gilt es im Kirner Land ja auch nicht neu zu erfinden. Jedoch hat der Wähler den Schwarzen Peter und die Qual der Wahl. In den Sachfragen wollen ja beide ein „Vorwärts“ mit den gleichen Mitteln und Argumenten. Da ist guter Rat teuer. Doch es gibt ja noch die menschlichen Kriterien. Wenn sich schon die Programme nicht unterscheiden, dann doch die „Super-Helden-Typen. „Super-Oli“ hat den roten Sprit der SPD im Tank. Durch sein Parteibuch erfährt er große Unterstützung durch die Genossen vor und nach der Wahl. Das kann ein Vorteil, aber auch ein Nachteil sein. Viele Menschen tendieren mittlerweile lieber zu freien und unabhängigen Kandidaten an der Spitze. Vorteil für Jung? Er gehört zumindest keiner Partei an. Ihm redet keiner rein.

Er ist befreit von Seilschaften, Netzwerken und Zwängen. Er steht nicht für ein „Weiter so“. Im Gegenteil: Jung steht für einen frischen Politikstil. Er wird als locker und zeitgemäß in der Öffentlichkeit wahrgenommen, Kohl eher als steif und konservativ. Der sich verfestigende Eindruck beim Blick in ihre Programme und auf die mitgelieferten Bilder kann aber auch täuschen. Ferner unterscheiden sich beide erheblich in Ausstrahlung und Charaktereigenschaften, ohne jetzt näher in die Details gehen zu wollen. Dafür bleibt später ja noch genügend Zeit. Versprochen!

Man darf auf die erste Podiumsdiskussion am 23. September in Kirn gespannt sein. Eine zweite soll Anfang Oktober in Heimweiler folgen. Für die Moderatoren dürfte es schwer werden, Unterschiede in den Programmen und Ansichten herauszukehren. Eigentlich unmöglich! Vieles wird daher darauf ankommen, welche Präsenz die Kandidaten auf dem Podium ausstrahlen. Wer kommt am natürlichsten und sympathischsten rüber und wer kann am ehesten am Rednerpult überzeugen? Keine Frage, Kleinigkeiten geben den Ausschlag! Die Veranstaltungen werden gewiss erste Gradmesser für den Wahlausgang sein.

Dazu gesellt sich dann ja noch der dritte im Bunde. Andreas Römer ist ja bekanntlich der Überraschungskandidat bei der Wahl. Er kam wie Kai aus der Kiste plötzlich um die Ecke mit seiner Kandidatur. Sein Wahlprogramm kennt der Blog (noch) nicht. Kommt sicher noch. Sobald es da ist, nimmt es der Blog unter die Lupe. Ihm werden zwar nur krasse Außenseiterchancen eingeräumt, aber vielleicht ist er Zünglein an der Waage für eine Stichwahl.