Entscheiden die höheren Sympathiewerte von Jung die Bürgermeister-Wahl?

Das Podium: v.l. Thomas Bursian, Tina Kubik, Oliver Kohl, Thomas Jung, Andreas Römer

Klappe – Heimweiler die Zweite! Das öffentliche Schaulaufen der Bürgermeister-Kandidaten hatte nicht unbedingt mehr Schmackes zu bieten, als die Auftaktveranstaltung im Kirner Gesellschaftshaus zwei Wochen zuvor. Oliver Kohl (SPD) sowie die freien Kandidaten Thomas Jung und Andreas Römer stellten sich sowohl den Fragen der FDP-Moderatoren Thomas Bursian und Tina Kubik, als auch denen aus dem Publikum. Vor rund 250 Interessenten entwickelte sich über die Dauer von knapp über zwei Stunden nur vereinzelt ein echter Stresstest für die Bewerber. Römer blies gleich zu Beginn zur Attacke. Seine Seitenhiebe (Thema des Wochenrückblickes) gegen Kohl verpufften jedoch unter dem Raunen der zahlreichen SPD-Anhänger. Zähne wurden danach nicht mehr gezeigt. Von keinem! Im Gegenteil: Der Schalter wurde fortan auf Kuschelkurs umgelegt. „Fair aber nicht hart“ – so oder so ähnlich lässt sich der Talk am ehesten beschreiben.

Alle drei Kandidaten waren darauf aus, Profil zu zeigen und Unterschiede zum Mitbewerber herauszuarbeiten. Das gelang jedoch nur bedingt, weil Unterschiede in den jeweiligen Wahlprogrammen einfach nicht vorhanden sind. Während der Fragerunden wurden sie mit den aktuellen Politikfeldern konfrontiert sowie mit all jenen Themen, die für das Kirner Land von Bedeutung sind: Ehrenamt, Verwaltung, Tourismus, Wirtschaft, Jugend, Bürgerbeteiligung, Nahverkehr, Umwelt und natürlich das wichtige Thema Gesundheitsversorgung. Seltsam, Straßenausbaubeiträge kam erst gar nicht zur Sprache, auch nicht in der abschließenden Publikumsrunde.

Kein Kandidat machte an diesem Abend gegenüber der Konkurrenz den vielleicht entscheidenden Punkt, keinem Kandidaten unterlief ein vielleicht folgenschwerer Fehler, keiner fiel vollends bei der Diskussionsrunde auf den Hosenboden. Vielleicht nicht ganz! Manche Äußerungen von Andreas Römer wurden schon als etwas gewöhnungsbedürftig empfunden und dementsprechend argwöhnisch quittiert. Hat er sich selbst disqualifiziert? Gerechnet wird allgemein mit einem engen Ausgang am Sonntag, 20. Oktober – und mit einer eventuellen Stichwahl zwischen Kohl und Jung zwei Wochen später. Römer hingegen, werden keinerlei Chancen eingeräumt.

Verliert die SPD den Verbandsgemeinde-Bürgermeister-Posten? Jung ist der Kandidat der Herzen. Aber reicht das, um auch auf dem Stuhl Platz nehmen zu können. Der Oberhausener steht einfach für den neuen Typus Politiker. Wie Bürgermeister geht, hat er im kleinen in Oberhausen bewiesen. Parteilos, unabhängig erfolgreich – mit pragmatischen Mitteln will Jung jetzt das große Kirner Land rocken und nach vorne bringen. Ob man ihn auch lässt? Tendenz ja! Merke, Bürgermeisterwahlen sind persönlicher geworden und in der nach oben offenen Beliebtheitsskala, scheint Jung klar vor allen anderen zu rangieren. Das wusste auch ein Fragesteller aus dem Publikum, der Kohl diesbezüglich doch sehr in der Defensive sieht. Wird der freie Volksvertreter also der neue Repräsentant?

Kohl und seine SPD wollen das sicher zu verhindern wissen! Aber schaffen sie es auch? Der Auftritt des Werkleiters war wiederum geprägt von einem für ihn wohl typischen Gleichklang. Er legte einen insgesamt angepassten Auftritt hin. Wem’s gefällt? Das Sinnbild eines Bürokraten braucht das Kirner Land aber nicht. Eher einen quirligen Gestalter, der für Power, Aufbruch und Neuanfang steht. Sorry Herr Kohl, auf der Pro und Contra-Tabelle können Sie dem Tausendsassa Jung nicht ganz das Wasser reichen, und dies, obwohl Ihnen langjähriger Stallgeruch anhaftet. Selbst Ihre Erfahrungen und Ihr politisches Netzwerk ändern an dem Blog-Urteil nichts. Im Gegenteil: Gerade Ihre SPD-Zugehörigkeit und die damit verbundenen Seilschaften schaden in der heutigen Zeit mehr, als dass sie nutzen.

Mehr über das Podium im Wochenrückblick.