VG-Liste SPD

SPD VG-Liste

Zeit, um mal die SPD-Liste für die Verbandsgemeinde genauer unter die Lupe zu nehmen. Ähm, ja. Auf den ersten Blick die üblichen Verdächtigen auf den vorderen Plätzen. Bis auf ein paar wenige Ausnahmen, sind alle schon ein bissel in die Jahre gekommen. Und darin liegt auch schon das Dilemma einer Partei, die sich nicht zuletzt wegen dem Festhalten an alten Zöpfen sehenden Auges mehr und mehr selbst abschafft. Die Lösung ist keineswegs ein Selbstläufer mit einfachen Formeln.

Wahr ist, jeder Partei tut grundsätzlich die Erfahrung und Kompetenz langgedienter und erfolgreicher Politiker ausgesprochen gut. Wahr ist aber auch, dass zu langes Festhalten an altgedienten Recken, zumal, wenn diese auf den vorderen Plätzen zu finden sind, nachhaltige Nachwuchsprobleme auslösen. Merke, Frustration über das eigene Nicht-Vorankommen mündet oft im Rückzug der nächsten Generation. Da mögen sich die Genossen über ihren kommunizierten großen Wurf, von wegen Harmonie, Zusammenhalt und Gemeinschaft, noch so sehr vor Freude auf die Schenkel klopfen, es bleiben diesbezüglich dennoch Fragen offen?

Etwa die nach Judith Schindler und Lena Müller. Kreistag „ja“, aber VG-Rat „nein“? Finde den Fehler? Wie kann es sein, dass die vielfach hochgelobten Kreistags-Kandidatinnen und immer wieder gerne ins Schaufenster gestellte Nachwuchs-Hoffnungen auf der Liste ihrer Heimat-Verbandsgemeinde gar nicht erst auftauchen? Die Wähler werden diesbezüglich im Unklaren gelassen. Müller sitzt für die SPD im Kreistag. Ist es angesichts dieser Konstellation nicht automatisch absolutes Muss auch dem VG-Rat anzugehören? Schindler ist Fraktionssprecherin der SPD im Stadtrat. Sollte für sie nicht die gleiche Notwendigkeit gelten? Abschließende Frage: Warum kneifen die beiden? Gibt es für ihren Verzicht nachvollziehbare Gründe? Erweisen sie ihrer Partei damit nicht einen Bärendienst? Vielleicht klärt die SPD ja mal die Öffentlichkeit auf. Tipp: Die Zeitung wäre eine geeignete Plattform.

Was fällt noch so auf beim Blick auf die VG-Liste? Ah, ja. Die Alpha-Tiere Peter-Wilhelm Dröscher und Hans-Helmut Döbell nehmen die Plätze drei und vier ein, und dies, obwohl sie politisch angeschlagen sind. Dröscher, weil er bei der Beigeordneten-Wahl auch persönlich abgewatscht worden ist und Döbell, weil er durch den vom Steuerzahlerbund gegen ihn geäußerten Vorwurf der familiären Vetternwirtschaft, im Zusammenhang mit der Arztpraxis-Affäre, nachhaltigen politischen Schaden genommen hat. Beide sind das Gegenteil von Aufbruch, weil sie halt ein bissel in die Jahre gekommen sind. Salopp formuliert, hat die SPD wirklich keine anderen Zug-Pferde mehr im Stall, als die zusehends müder und lahmer wirkenden Gäule? Der Wildwest-Vergleich mag vielleicht hart klingen, aber in einer bewusst überspitzten Wahllisten-Bewertung wird halt scharf geschossen und nicht mit Wattebällchen um sich geworfen.

Mal ehrlich, schaden die offenbar „ewigen“ Grand-Seniors einer Partei-Weiterentwicklung nicht mehr als das sie nutzen? Hallo, schon mal was von Staffelübergabe gehört? Fehlt der SPD diesbezüglich ein Problembewusstsein? Wie es ausschaut, wird die auch in den nächsten Jahren nicht erfolgen, weil die vorderen Plätze stets save sind. Verkehrte Welt! Ob auf großer oder kleiner Politikbühne, ehemalige Spitzenpolitiker verpassen regelmäßig den richtigen Absprung für einen sauberen Rückzug. Dröscher hat schon 73 Lenze auf dem Buckel. Muss man in diesem Lebensabschnitt noch auf jeder sich bietenden politischen Bühne mitmischen? Nun, die Frage muss erlaubt sein. Wie überhaupt der Gesamtaltersdurchschnitt der ersten „big five“ Kandidaten ziemlich hoch sein dürfte. Vielleicht macht sich ja mal einer die Mühe diesen auszurechnen.

Apropos scharf geschossen, Oliver Kohl („Super-Oli“) sucht man auf der Liste ebenfalls vergebens. Was ist, wenn er gegen Thomas Jung („Lucky TJ“) das Nachsehen hat, wenn der Cowboy den fliegenden Super-Helden mit seinem Lasso vom Himmel holt? Dann wäre er für seine Partei nicht im Verbandsgemeinde-Rat vertreten. Wieso fährt oder besser fliegt er nicht zweigleisig? Mögliche Erklärungen: Würde er etwa als Nummer eins auf der Liste stehen, könnte man ihm vorwerfen, dass er nur Stimmen für die SPD sammeln möchte. Den Ratssitz hinterher ließe er sausen. Eventuell will die SPD aber auch Selbstbewusstsein und Sicherheit signalisieren, insofern dass nur „Super-Oli“ gewinnen kann. Nächste Interpretation ist das Vorgaukeln von Unabhängigkeit. Möge sich jeder selbst eine Antwort finden.

Fazit: Die SPD-Liste steht nicht unbedingt für Weiterentwicklung, geschweige denn für Mut zum Aufbruch. Sorry, eher lässt sich aus dieser Zusammensetzung Stillstand mit Tendenz zum Rückschritt ablesen. Vielleicht liegt der Blog auch völlig daneben mit seiner ewigen Nörgelei- und Schwarzseherei. Ruhig bleiben SPD, ist ja nur eine Einzelmeinung. Wenn es bei der Stimmabgabe widererwartend besser klappt und die Wählerinnen und Wähler den Istzustand freundlicher bewerten, dann ist das umso besser für die Sozialdemokraten. Dennoch, mehr als acht Sitze sind nicht drin!