Über Zukunftsgespräch, Was wäre, wenn Trägerschaft Krankenhaus wechselte, Mitarbeiter-Vertreter kommt aus den Puschen, Was machen andere Krankenhäuser besser…

„Rettet das Kirner Krankenhaus“ – ein Slogan der sicherlich auch im kommenden Jahr rauf und runtergeleiert werden wird. Diese Woche fand das ersehnte erste Zukunftsgespräch mit allen Verantwortlichen im Rathaus statt. „Hauptsache mal drüber geschwätzt“ – so oder so ähnlich lässt sich die gemeinsame Abschlusserklärung wohl am ehesten charakterisieren. Viel Zählbares kam nicht heraus beim gemeinsamen nervigen Kaffee-Kränzchen. Für diejenigen, die leidenschaftlich für den Erhalt kämpfen, dürfte das Ergebnis recht unbefriedigend ausgefallen sein. Der Träger des Krankenhauses, also die Diakonie, wird bis Ende März 2020 ein Zukunftskonzept vorlegen. Häh? Was in Gottes Namen haben die nur die ganze Zeit gemacht? Däumchen gedreht? Warum erst so spät? Müsste bei einer soliden Planung ein solches Konzept nicht längst griffbereit in der Schublade liegen? Liegt es aber nicht! Der Grund: Die Diakonie plante nicht mit Kirn. Zu uneffektiv! Nach Aufruhr und Protest sowie Veto aus der Landespolitik, wird jetzt die Situation gemeinsam neu bewertet. Aber wie viel Ehrlichkeit steckt hinter den Bemühungen der Diakonie, für einen dauerhaften Erhalt des Standortes die Ärmel hochzukrempeln? Berechtigte Frage, wie mir scheint. Der Optimist in mir hat Hoffnung, der Realist sieht eher schwarz – zumindest auf lange Sicht. Sehen wir im hier und jetzt das Gute, es bewegt wenigstens was.

Was würde eigentlich passieren, wenn die Diakonie die Reißleine zieht und den Büttel hinschmeißt? Gehen dann in Kirn von jetzt auf gleich die Lichter aus? Nicht ganz, wenn man die Aussagen aus Mainz richtig interpretiert. Nur zur Erinnerung, Kirn ist ja mit einem Garantie-Versprechen aus dem Gesundheitsministerium ausgestattet worden. Das ist ja schon mal ein gewaltiges Pfund. Zuschüsse heißt das Zauberwort! Kann man dem Land tauen? Im falle eines falles müsste dann der Kreis einspringen. Aber der hat keinen Bock auf Krankenhaus. Verständlich bei der Finanzlage. Damit die Diakonie bei der Stange bleibt, wäre der vielleicht zu allem bereit. Landrätin Bettina Dickes steckt bei den Verhandlungen in einem gewissen Zwiespalt fest. Sie will das Krankenhaus unter allen Umständen für Kirn erhalten, am liebsten jedoch mit dem bisherigen Träger. Von daher wird sie alles Erdenkliche in die Waagschale werfen, auch Herzblut, um zu einem guten Ende für den Kreis und für Kirn zu kommen. Und das kann aus Kreis-Sicht nur heißen, es bleibt strukturell alles so wie es ist. Das weiß auch die Diakonie. Man darf gespannt sein, welche Zugeständnisse ihr die kirchliche Einrichtung noch abringen wird, sollte die sich überhaupt erweichen lassen, den Fortbestand dauerhaft zu gewährleisten. Vorteil Diakonie!

„Die BI versucht jetzt im kurzfristigen Zeitraum die Mitarbeiterschaft nochmals zu mobilisieren.“, heißt es ausder BI-Schaltzentrale. Aus der Ecke komme bisher viel zu wenig. Hört, hört, sind die etwa eingeschüchtert? Fast könnte man es vermuten. Andersherum wird ein Schuh draus! Warum in Gottes Namen verschafft sich nicht einmal die komplette Belegschaft Gehör? Angeführt von Mitarbeiter-Vertretern, die streitbar vorneweg marschieren. Doch die flüchten sich allem Anschein nach lieber in Alibi-Funktionen. Mit Verlaub, das ist zu wenig an Beitrag. Gerade jetzt erfordert es Haltung. Flagge zeigen und im Dienste der Sache streiten. In der Zeitung wurden explizit die MAV-Sprechstunden mit Monika Ulrich und Frank Folchert erwähnt. Wenn es dort etwas zu bereden gibt, dann doch über die Krankenhaus-Sitzung. Es geht darum Arbeitsplätze am Standort zu erhalten. Man muss ja nicht gleich die große Keule schwingen, aber so gar nichts ist mehr als unangemessen. Also raus aus den Puschen. Wacht auf und kommt endlich aus dem Quark.

Neulich in Rüdesheim am Rhein. Da hat es ein ähnliches Krankenhaus wie Kirn. Klein aber fein, aber auch in einzelnen Abteilungen sehr speziell. Unter dem Dach haben sich über die Jahre hinweg Fußchirurgen etabliert. Fachleute, die bundesweit Aufmerksamkeit erfahren und die sich bei den Fußsprechstunden über rappelvolle Wartezimmer freuen können. Eine Win-win-Situation für den kompletten Standort. Alle Abteilungen profitieren von dem System, angefangen bei der Belegung bis hin zur Röntgenabteilung. Die Auslastung ist enorm. Wäre so ein Modell nicht auch denkbar für Kirn? Es gibt ja noch andere Körperteile als die Füße. Eine fette zusätzliche Nische im Krankenhausalltag zusätzlich zur Wirbelsäulen-Abteilung – das passt? Wie wäre es mit einem Pushen über die Geriatrie? Natürlich müsste man das Krankenhaus auch sonst auf breitere Füße stellen, etwa in der Grundversorgung. Rüdesheim am Rhein verfügt über wesentlich mehr Möglichkeiten bei der Akutversorgung. Dort hat es auch MRT und CT. Nochmals, die Größenverhältnisse insgesamt sind in etwa vergleichbar zu Kirn. Nur hat man dort irgendwann mal den Schuss gehört und dem zwischenzeitlichen Abwärts-Trend, ja den gab es, mit Innovation gestoppt. Leidenschaft und Willen zur Veränderung, mehr brauchte es nicht. Es geht, man muss es nur wollen.