Über Wahlkampf während der Arbeitszeit, Baumschnitt mit Kohl, Kandidaten-Vorstellung, Straßenausbaubeiträge ein Wahlkampfthema, Podiums-Diskussion am Montag, den Kirner Monster-Wall…

Frage der Woche: Wie glückt Wahlkampf während der Arbeitszeit? Werden Bürgermeister-Kandidaten von den jeweiligen Arbeitgebern Zeit für Werbung in eigener Sache geschenkt oder Abwesenheiten stillschweigend geduldet? Interessante Betrachtungsweisen, oder nicht? Nehmen wir mal Oliver Kohl genauer unter die Lupe, weil der ja gerade so rührig unterwegs ist. Der VG-Angestellte ist derzeit omnipräsent, egal zu welchen Tages- und Nachtzeiten. Muss der SPD-Kandidat ausstechen, wenn er sich kurz mal eben bei öffentlichkeitswirksamen Anlässen zeigt, etwa, wie zuletzt beim Treff in Kirn-Sulzbach oder bei der Fahrt nach Mainz ins Gesundheitsministerium? Rein beruflich, hatte er da ja so gar nichts verloren. Strenggenommen, konnte seine Teilnahme in beiden konkreten Fällen ja nur von privater Natur gewesen sein? Nahm der Kandidat sich extra Urlaub oder baute er Überstunden ab? Wenn Kohl für sich auf Werbetour geht, klingelt er dann beruflich oder privat, um die Menschen in seinem Sinne zu „verkohlen“, ähm vorzustellen? Kleines, nicht ernst zu nehmendes Wortspiel aus der untersten „Satire-Gag-Schublade“, aber irgendwie doch drollig. Wäre das Thema Wahlkampf und womöglicher Zeitvorteil nicht eine etwas andere Frage an die Kandidaten bei der ersten Podiumsdiskussion am Montag, 23. September. Wie handhaben es die Polizisten? Neugier geweckt?

„Baumschnitt mit Kohl.“ Einen Baumschnittkurs unter fachkundiger Anleitung bietet Bürgermeisterkandidat Oliver Kohl am 28. September an. Heckenschere nicht vergessen! Heuer, sind halt Wahlkampf-Zeiten. Da schrecken ambitionierte Bewerber vor nichts zurück. Ob sich diese Art von Service- und Bürgernähe an der Wahlurne wirklich in Stimmen auszahlt? Sorry, Meldung und Aktion – einzig und allein zum Selbstzweck angelegt – entbehren nicht einem gewissen Fremdschäm-Potenzial. Was kommt als nächstes? Sind ja noch vier Wochen hin bis zur Wahl. Aufgepasst, dem Blog wurde die Liste von weiteren Aktionen aus dem SPD-Wahlkampfbüro exklusiv zugespielt. Bitte schon mal die auf dem Kalender vormerken: „Marmelade einkochen mit Oliver Kohl am 5. Oktober! Stricken mit Oliver Kohl am 12. Oktober und last but not least Spieleabend mit Oliver Kohl am 19. Oktober!“ Ein Tag vor dem Gang zur Urne dürfte dann wohl der Klassiker „Mensch ärgere Dich nicht“ hoch im Kurs stehen. Gute Vorbereitung, um „gute Miene zum bösen Spiel“ zu üben für die „Wahlparty“ am Tag danach.

Wow, jetzt haben alle drei Kandidaten ihre Comic-Figur verpasst bekommen. Ein Cowboy, ein Superheld und dazu Andi beinhart auf dem Feuerstuhl. Weiter so mit Oliver Kohl oder frischer Schwung mit Thomas Jung? Wer von den beiden Top-Favoriten hat in der Wählergunst die Nase vorn? Wer hat das Momentum auf seiner Seite? „Parteilos, unabhängig, erfolgreich“ – der bundesweite Trend spricht ganz klar für Jung. Der Vorteil seiner politischen Freiheit ist, dass man sich für viele Entscheidungen im Zweifel nicht „seiner“ Fraktion unterwerfen muss, da man persönlich vielleicht ganz anderer Meinung ist. Vielmehr kann man dann genauso agieren, wie man es für richtig hält. Kohl kann das nicht. Ersatzweise hat er einen ganzen Beraterstab an seiner Seite, der ihn bei jeder Gelegenheit ins Schaufenster stellt und puscht. Jung hingegen ist auf sich alleine gestellt. Aber nicht mehr lange. Ihm wird die CDU unter die Arme greifen. Nur eine Frage der Zeit, wann die Pressemeldung kommt. Wetten? Im Netz steht der Cowboy aus Oberhausen, der bekanntlich schneller wählt und schießt als sein Schatten, jedenfalls hoch im Kurs. Aber sowas von. Knapp 60 positive Kommentare der Aufmunterung sowie Wahlversprechen als Reaktion auf seinen erfrischend ansprechenden Flyer. Alles Multiplikatoren, die weiter offen für ihn werben werden. Bei Kohl sind es nur mickrige drei gewesen, die sein Bewerbungskärtchen teilten. Fazit: Klares Übergewicht, im nicht unbedingt repräsentativen Facebook-Wahllokal, für den Sheriff.

Diese Woche stellte der Öffentliche alle drei Bürgermeister-Kandidaten vor. Es hat schwer gemenschelt bei den jeweiligen Homestorys. Verreck, hat da die Zeitung schon intuitiv ein Ranking abgebildet? Tausendsassa Jung widmete die satte 193 Zeilen mit großem Familienfoto. Zweitplatziert, in der Print-Reihenfolge, ist Oliver Kohl mit immerhin noch guten 163 Zeilen, aber mit dem insgesamt doch kleineren Format. Abgeschlagen auf Platz drei ist Andreas Römer. Er bekam nur 138 Zeilen eingeräumt und die schlechtere Platzierung oben auf der zweiten Kirner Seite. Irgendwie schon eine Ungleichbehandlung. Sei’s drum, merkt eh kaum einer. Natürlich waren alle drei bemüht, sich und ihr Engagement ins rechte Licht zu rücken, wohlwissend, dass der gemeine Wähler sein Kreuzchen meist personenbezogen setzt. Heile Welt, privat und beruflich – das kommt bei einer bestimmten Klientel an. Keine Frage, der Sympathie-Faktor wird diese Wahl entscheiden, nicht zuletzt auch deshalb, weil die Wahlaussagen bei allen nahezu identische Schwerpunkte setzen. Da fällt es schwer sich die einfache Frage zu stellen: Wer will was und will ich das auch? Wem traue ich Bürgermeister zu? Wird es in erster Linie eine Wahl des Bauchgefühls? Möglich! Und auf der Suche nach diesem wird es am Montag eng werden im Gesellschaftshaus. Also rechtzeitig da sein. Die Neugier auf die Kandidaten ist gefühlt riesig. Hoffentlich haben die Moderatoren gescheite Fragen auf ihrem Zettel stehen. Gesucht wird der Unterschied. Spannend wird es ohnehin erst im offenen Dialog werden. Wer konnte unter dem Strich am ehesten überzeugen? Der Blog wird unmittelbar danach seine Eindrücke auf dieser Plattform abbilden.

Straßenausbaubeiträge – um das Reiz-Thema ist es ruhig geworden. Viel zu ruhig. Noch vor kurzem sind die in erhebliche Kritik geraten, weil die Beitragsbelastungen für die betroffenen Grundstückseigentümer im Einzelfall doch sehr hoch sind und bis in den vier- oder sogar fünfstelligen Bereich reichen können. Ein Thema für die Podiumsdiskussion und den Wahlkampf? Mit Sicherheit! Während die SPD in Rheinland-Pfalz vehement auf eine Beibehaltung der ursprünglichen Regelungen pocht, plädieren andere Parteien, unter anderem auch die CDU, offen für eine Abschaffung. Wie sind die Positionen der drei Bürgermeisterkandidaten? Während SPD-Kohl auf Linie sein muss, könnten die anderen das Thema für sich ausschlachten. Tun sie es auch? Zugegeben, viel Einfluss haben Bürgermeister nicht, aber doch wenigstens eine Haltung, die sie dann nach Mainz transportieren können. Merke, steter Basis-Tropfen höhlt den harten SPD-Stein! Kämpft mein Bürgermeister von seinem Schreibtisch aus für eine Abschaffung oder juckt es ihn nicht? Einer, der dieses Feld nicht im Sinne der Betroffenen beackert, stellt sich klar ins Abseits. Steht Kohl im Abseits? Von daher, fragen wir insbesondere bei ihm, aber auch bei den beiden Polizisten am Montag nach.

Noch ein Aufreger-Thema diese Woche: Die Erdaufschüttung hinter den Häusern Bürgermeister-Tschepke-Straße hat fast schon apokalyptische Ausmaße zu verzeichnen. Es steht zu befürchten, dass diese massive Geländeveränderung legal umgesetzt worden ist. Kaum vorstellbar, dass sich die Verantwortlichen über Vorschriften hinwegsetzten, nur um Bauplätze attraktiver und somit wirtschaftlicher zu gestalten. Doch welche Rolle spielen Bauämter und die Stadt in der „Affäre“ Steilhang? Hätten die nicht gegen den Monster-Wall ihr Veto einlegen müssen – etwa im Genehmigungsverfahren? Waren die überhaupt eingeweiht und wenn ja, hat man Ausmaße- und Auswirkungen richtig eingeschätzt? Warum wurden die Anwohner nicht im Vorfeld über den massiven Eingriff informiert? Private Investitionen hin oder her, schließlich trägt man im Rathaus Verantwortung für das Wohl aller Bürger. Und das wurde bei den Eigentümern der kompletten Häuserzeile massiv beschädigt. Die Betroffenen können einem nur noch leidtun. Sie werden sich wohl oder übel mit der vorgesetzten Wand aus Erde abfinden müssen. Legal, aber alles andere als anwohnerfeundlich, kann das ernüchternde Fazit nur lauten. Fair geht anders! Liegt wohl daran, dass diejenigen die planen, nicht in der Straße wohnen. Sonst gäbe es das so sicher nicht!