Rückblick 8. Dezember

Ein filmreifes Szenario bahnt sich an. Titel: „High Noon im Morgengrauen“. Zum Duell treten an die beiden Hauptdarsteller Michael Schmidt und Hans Helmut Döbell. Beide SPD-Platzhirsche haben den Ersten Beigeordneten-Posten unter dem Dach der Verbandsgemeinde Kirner Land fest im Visier. Aber es kann nur einen geben. Wer wird es sein? Der Chef mit den meisten Stimmen oder der bisherige Stellvertreter mit der meisten Erfahrung. Es wird wohl auf einen Showdown hinauslaufen. Werden beide mit fairen Mitteln aufeinandertreffen? Diesbezüglich werden die persönlichen Sekundanten ein wachsames Auge haben müssen. Ist das spannend! Fehlt eigentlich nur die Wahl der Waffen, um die Dramaturgie abzuschließen. Was ist, wenn beide nicht heil aus der Sache herauskommen. Kommt dann ein „Unbekannter Dritter“ zum Zuge? Bisher taugen Filmidee und Drehbuch nur für einen fiktiven Science-Fiction-Streifen. Ob der sich im Falle eines Falles auch als reales Drama wird inszenieren lassen, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Wie es auch kommen mag, Hochspannung ist garantiert.

Boah, was war das für ein Andreasmarkt am letzten Samstag. Gut, die Stadt war jetzt nicht so voll und die Standbetreiber nicht durchweg so zufrieden, aber es war irgendwie was gebacken. Vor allem im Brauereihof ging die Post so richtig ab. Wie immer halt, wenn die Mitglieder des Bierclubs wie die Vandalen einfallen. Regelrechter Belagerungsstand herrschte von der ersten bis zur letzten Minute an den Zapfhähnen. Andreasmarkt und Spezialbiertag – eine Kooperation die passte. Gepasst hat auch das Wetter. Petrus bescherte den Besuchern trockene Kälte. Kein Wunder also, dass Zufriedenheit bei den Organisatoren herrschte. Und auch bei den Standbetreibern des kleinen weihnachtlichen Vierecks vor dem Wilhelm-Dröscher-Haus überwog die Zufriedenheit. Ein kleiner Makel hat das Gesamtpaket dann doch noch. Das Bühnenprogramm am Freitagabend hätte wesentlich mehr Besucher verdient gehabt. Mehr als 8000 Einwohner zählt die Stadt und um 20 Uhr versammelten sich gezählte 120 auf dem Platz. Viel zu wenig, um für Atmosphäre vor den Ständen und Kassenklingeln hinter den Ständen zu sorgen! Hey, da geht nächstes Jahr mehr!

Schee war’s! Die Verleihung des Harald-Flick-Ehrenpreises war eine durchweg runde Angelegenheit. Zahlreiche Besucher applaudierten frenetisch, als das Ehepaar Ellen und Michael Müller die Medaille schließlich in Empfang nahm. Es sind die besonderen Charaktere, die einen an sich gewöhnlichen Bewegung das I-Tüpfelchen aufsetzen. „Typen“ eben, wie die Müllers. Wenn es in Kirn müllert, dann hat das mit einem Torabschluss so gar nichts zu tun. Nein, dann werden Plakate geschrieben, Flyer gedruckt, Mails verschickt, Telefonate geführt – kurzum Proteste und Demonstrationen zum Erhalt des Krankenhauses organisiert. Für beide eine Herzensangelegenheit. Bescheidenheit zeichnet sie aus. Beide sind Macher und keine Glänzer. Ihre eher bescheidene Dankesrede passt zu ihren Charakteren. Danke sagen und danach sofort den Fokus wieder nach vorne auf weiteren Kampf lenken – das passt. Und so kann es auch was werden, mit dem Krankenhaus für immer.

Was fiel sonst noch auf bei der Preisverleihung? Nun, Bürgermeister Martin Kilian werden wir vermissen. Seine Fußstapfen sind groß, gerade wenn es um öffentliche Auftritte geht. Vertreter aus der Politik waren rar. Auffällig, nicht ein aktiver SPD-Vertreter aus Kirn fand den Weg ins Gesellschaftshaus. Ohne Worte! Landrätin Bettina Dickes hielt die einfühlsamste Rede, bevor sie später einen aus Blog-Sicht völlig unpassenden Post absetzte: „Ellen und Michael Müller wurden heute für ihr außergewöhnliches Engagement für das Kirner Krankenhaus mit dem Harald-Flick-Ehrenpreis ausgezeichnet. Statt nur zu reden und zu jammern haben sie einfach angepackt und Widerstand gegen die Schließung des Krankenhauses organisiert. Das ist einfach toll – Toll wäre es gewesen, liebe Frau Dickes, wenn die Politik – Ihr Spielplatz – und nicht die Müllers die Initiative ergriffen hätte. Besser noch, die hätte es gar nicht so weit kommen lassen. Warum braucht es denn Menschen wie die Müllers? Weil unsere Volksvertreter gerade in Gesundheitsangelegenheiten regelmäßig versagen mit ihren geißelnden Vorgaben, Vorschriften und Rahmenbedingungen! Punkt! Auf den fahrenden Privat-Zug aufspringen, der so niemals hätte losfahren dürfen, hat was Unaufrichtiges. Sorry für die harte Ausdrucksweise, aber was ist das ist. Vielleicht bekommen Politik und Träger noch die Kurve und der im ersten Schritt ausgesprochenen Bestandsgarantie folgt nunmehr eine Neuausrichtung. Da kann es noch so sehr „müllern“, ohne die wird es auf Dauer nicht funktionieren.

Funktionieren wird es auch nicht, wenn nicht alle an einem Strang ziehen. Da wundert es schon sehr, dass Ellen Müller in ihrer Dankesrede die Krankenhausmitarbeiter zu mehr Engagement und Teilnahme am Widerstand aufforderte. Da wird so mancher gedacht haben, er hätte sich verhört. In welcher Welt leben wir eigentlich, wo diejenigen, die mit am meisten unter einer Schließung zu leiden hätten, sich mehr oder weniger verweigern. Finde den Fehler? Was ist da los? Sind die etwa eingeschüchtert? Anstatt sich der Bewegung -zumindest unterstützend – anzuschließen, bleiben die wohl gleich ganz fern. Anders lässt sich ein nicht für möglich gehaltener Weckruf nicht interpretieren. Liebe Mitarbeiter, die Müllers und viele andere gehen auch für Euch auf die Straße. Also werdet mal aktiver!

Einen kleine Denkanstoß eines aufmerksamen Zuhörers an den Hauptredner des Abends kann sich der Blog zu guter Letzt nicht verkneifen. Vorab, wer Fritz Rudolf Körper als Laudator verpflichtet, der muss wissen, dass ein Politiker ans Rednerpult tritt. Bevor der das erste Mal auf die Müllers zu sprechen kam, hatte er auf die Sekunde genau exakt acht Minuten über das Deutsche Grundgesetz referiert. Thema verfehlt? Nicht ganz, denn nach dem gefühlten Sozialkundeunterricht bekam er dann doch noch die Kurve, um fünf Minuten lang andächtige Worte der Würdigung zu finden. Dass er danach wieder das Grundgesetz in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellte – geschenkt! Nach 18 Minuten endete eine Rede, die nur das Mittelteil gebraucht hätte. Nur in dieser kleinen Zeitspanne rückte er die Empfänger des Harald-Flick-Ehrenpreises in den Mittelpunkt. Und um die ging es ja schließlich.