Über Peinliche SPD-Wahl-Tour, Reise nach Mainz ins Gesundheitsministerium, Tristes im Kirner Land, eine Blog-Wahlprognose Verbandsgemeinde, AFD Verzicht…

Juhu, das Kirner Schwimmbad bleibt. In Abstimmung mit dem SPD-Gemeindeverband hat Bürgermeister-Kandidat Oliver Kohl die Garantie vollmundig ausgesprochen. Häh? Was läuft da? Steht das denn auf der Kippe? Gibt es diesbezüglich Hinweise? Haben wir irgendwas verpasst? Die Mitteilung im Wortlaut: „Im Hinblick auf den Erhalt des Schwimmbades gab es von Bürgermeisterkandidat Oliver Kohl und dem SPD-Gemeindeverband ein klares Signal: Das Kirner Freibad ist eine für die Bevölkerung jeden Alters wichtige und notwendige Freizeit- und Sporteinrichtung, die erhalten bleiben muss.“ Gott sei Dank, das kühle Nass für heiße Tage ist weiterhin gesichert. Puh, nochmals Schwein gehabt. Jetzt mal ernsthaft, was sagt es uns, wenn Bleibe-Garantien ausgesprochen werden, die es absolut nicht braucht? Richtig, der Wahlkampf hat an Fahrt aufgenommen. Zum Fremdschämen zwar dieses Schwimmbad-Bekenntnis, aber in den nächsten Wochen gilt es eben zu klappern – wenn auch wie hier, völlig daneben. Geht es nicht eine Spur inhaltsvoller und bedarfsgerechter in den Aussagen? „Liebe SPD, lieber Oliver Kohl – die Botschaft ist völlig sinnfrei. Hier noch schnell weitere überflüssige Beispiele von Informationen, die auch unbedingt von Euch unters Volk gestreut werden wollen. Nur zu: „Die Sportanlage auf dem Loh ist für Fußballer wichtig, die erhalten bleiben muss!“ Oder wie wäre dieser: „Die Kirner Tafel ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit wenig Einkommen, die erhalten bleiben muss!“ Zum Schluss noch einer aus der untersten Schublade: „Der Hahnenbach ist ein kleines romantisches Flüsschen, der weiter durch Kirn fließen muss!“

„Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen“ – der Spruch aus dem Volksmund trifft eins zu ein auf die Kirner Delegation zu, die unter der Woche im Mainzer Gesundheitsministerium über den Verbleib des Krankenhauses verhandelte. Richtig, richtig gut verhandelte, wohlgemerkt. Ob nach der ausgesprochenen Standortgarantie auf der Rückfahrt die Sektkorken knallten, davon ist bisher keine Silbe nach außen gedrungen? Noch ist nichts durchgesickert, aber bestimmt war der erste Stopp nach der Stadtgrenze die Tanke, um entsprechende Vorräte für die illustre Runde zu bunkern? Feiern ja, aber bitte nicht zu ausgiebig. Denn, die Kuh ist noch nicht vom Eis, wie Ellen Müller mit kritischem Blick ins Mikrofon des SWR hauchte. Recht hat sie. Bestandsgarantien wurde zwar ausgesprochen, aber kann man den Verantwortlichen auch wirklich trauen? Politiker versprechen viel – halten aber wenig. Die Diakonie hat zwar jetzt klein bei gegeben, aber vielleicht kommen die irgendwann mit anderen Argumenten und Forderungen um die Ecke. Blog-Prognose: Trotz Weiterbetrieb, wird die Standortfrage auch in den nächsten Jahren heiß diskutiert werden. Vor allem das „Wie“. Man muss kein Prophet sein, um vorhersagen zu können, dass langfristig Ruhe im Klinikbetrieb niemals nicht einkehren wird. Von daher ist es nur ratsam die Protestbewegung nicht einschlafen zu lassen. Es muss weiter „müllern“. „Kirner Land, sei wachsam!“ Zähneknirschend mussten sich die Diakonie-Oberen jetzt zwar dem Druck der Gesundheitsministerin sowie dem der Straße beugen, aber wer die Brüder kennt, der weiß um deren pseudochristlichen, ja fast schon scheinheiligem Einfallsreichtum an Gemeinheiten. Daher, immer „uffpasse“!

Traurig aber wahr! Kein externer Bewerber will Bürgermeister im Kirner Land werden! Ist unser Landstrich wirklich so unattraktiv? Hier gibt es doch alles, sogar (fast) flächendeckend schnelles Internet. Gemäß Job-Beschreibung hätte alleine die satte monatliche Vergütung reihenweise Kandidaten anlocken müssen. Doch weit gefehlt! Nicht einer hat reagiert. Wenn das mal nicht ein Beleg dafür ist, wie reizlos, trist und ländlich die mittlere Nahe deutschlandweit wahrgenommen wird. Dort, wo die Hunsrücker noch in Höhlen leben und sich tagtäglich die Keulen gegenseitig auf den Kopf schlagen. Sollen die Ignoranten doch denken was sie wollen. „Hey, ihr eingebildeten Papp-Nasen, wir hätten sowieso keinen von Euch Brüdern gewählt.“ Niemals! Es bleibt also bei zwei gestandenen Polizisten und einem durch und durch bürgerlichen Verwaltungsmensch. Reicht doch als Auswahl, oder nicht? Gut, es fehlt die weibliche Alternative. Sei`s drum! Tor eins, Tor zwei oder Tor drei? – wer übernimmt die „Zonk-Rolle“ und wer darf auf dem Chefsessel Platz nehmen? Gibt es eine Stichwahl? Spannende Fragen. Alle drei könnten von Typ und Charakter her analysiert unterschiedlicher nicht sein. Von daher ist der Gang zur Urne auch eine Art Richtungswahl. Weiter so im SPD-Trott mit Kohl oder was frisches Neues mit einer der beiden Sheriffs – die Wähler sind am Zug.  

Wir müssen jetzt alle stark sein: In den nächsten Wochen werden die Parteien wieder vermehrt auf Schmusekurs mit dem Wähler gepolt sein. Anbiedern nennt man das dann wohl. Schließlich gilt es den VG-Bürgermeister sowie den ersten gemeinsamen VG-Gemeinderat zu wählen. Dass Wahlkampf nicht immer niveauvoll daherkommt, dafür steht gerade die SPD mit überflüssigen Versprechen, Kommentaren und netten Bildchen Pate. Haben die denn keinen Berater? Fakt ist, die Konkurrenz ist groß, sodass jede Stimme zählt. Die Liste der Parteien sind allesamt geschnürt. 32 Sitze stehen insgesamt zur Verfügung. Der Blog lehnt sich mit seiner Prognose mal ganz weit aus dem Fenster. Die ist eine Mischung aus Bauchgefühl, gesundem Menschenverstand und Beobachtungsgabe. Die SPD kommt auf zehn Sitze. Nicht weil die Sozialdemokraten so überzeugend sind, sondern weil viele aus purer Gewohnheit noch immer ihr Kreuzchen bei der einstigen Volkspartei setzen werden. Die CDU zieht mit acht Vertretern in den VG-Rat ein. Freie Wähler und FDP kommen auf jeweils fünf Sitze. Bleiben noch vier Plätze am Ratstisch für die Grünen übrig. Ja, so ungefähr könnte das endgültige Wahlergebnis aussehen. Schauen wir mal, ob der Blog mit seiner Vorhersagung auf Kurs liegt. Am 20. Oktober wird ausgewertet.

Gott sei Dank – der Kelch ging am Kirner Land nochmals vorbei. Die AFD verzichtet auf eine Liste für die die Wahlen zum VG-Rat. Gut so. Gut so vor allem deshalb, weil es diesen politischen Akzent mit Potenzial zum Unruhe stiften, in unserer Landschaft so gar nicht braucht. Diesbezüglich herrscht hier (noch) heile Welt. Man mag sich gar nicht vorstellen wollen, wie eine Zusammenarbeit mit AFD-Vertretern in der täglichen Arbeit ausgesehen hätte. Schwamm drüber, alles ja nur blanke Theorie im Konjunktiv. Fakt ist, wäre die Partei mit einer Liste angetreten, dann hätten die auch Sitze bekommen. Die Spezies unzufriedener Nicht-nach-denk-Protest-Wähler leben auch hier im Kirner Land. Tendenz, steigend. Die nächsten Jahre bleiben wir also verschont. In ein paar Jahren kann sich die politische Landschaft wieder gewandelt haben. Vielleicht ist dann die AFD ein Relikt längst vergangener Zeiten. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.