Wochenrückblick 19. Januar

Post aus Mainz flatterte nunmehr ins Kirner Rathaus. Die Tatsache, dass die per Mail aufschlug, verrät alleine schon nichts Gutes. Denn frohe Botschaften bringen die Politiker immer persönlich vorbei. Sie wissen schon, wegen der schönen Bildchen bei den Scheckübergaben oder positiven Bescheiden sowie den Lobeshymnen in den Zeitungen danach. Nun, das Innenministerium hat dem erneuten Werben um das Parkhaus von SPD und FWG eine direkte Abfuhr erteilt, und zwar mit Pauken und Trompeten. Zwischen den Zeilen lässt sich herauslesen, dass der Sachbearbeiter „not amused“ war über die Argumente aus dem Mittelzentrum. Gähn, alles doch schon mal dagewesen, so seine kurze Antwort sinngemäß auf den Punkt gebracht. „Im Westen also nichts Neues“! In Kirn will man einfach den Schuss nicht hören, wird man sich insgeheim in Mainz denken, während sich die Mitarbeiter hinter geschlossenen Türen vermutlich die Bäuche halten vor Lachen. Kirn braucht ebenso wenig ein Parkhaus wie der Sommer den Schnee. So direkt schreiben werden die hochbezahlten Beamte das sicherlich nicht. Auf keinen Fall! Lieber nett verpacken und ja nicht verbal für Missstimmung sorgen. Man will ja schließlich die SPD-Basis nicht vergraulen. Auf warme Worte versteht man sich in den Amtsstuben. Man darf gespannt sein, ob der Brief- beziehungsweise Mailverkehr, angesichts dieser neuerlichen Abfuhr, noch aufrecht erhalten wird oder ob die Kirner den einseitig aufkündigen. Ja, wenn Mainz auch immer wieder zickt und einfach nicht verstehen will, macht es ja auch auf Dauer keinen Spaß, geschweige denn Sinn, mehr.

Kaum zu glauben, aber der Wochenspiegel hat die Situation in seinem Kommentar zur Vereidigung des Verbandsgemeindebürgermeisters Kirner Land, Thomas Jung, auf den Punkt gebracht: „Bisweilen beschleicht einen der Eindruck, dass Verwaltungen, in denen seit Jahren, ja Jahrzehnten immer dieselben Köpfe das sagen haben zur Verstaubtheit und Selbstgefälligkeit neigen. Damit kann in der neuen VG Kirner-Land jetzt Schluss sein. Bürgermeister Thomas Jung ist jung, dynamisch und krempelt gerne die Ärmel hoch. „Recht hat er. „TJ“ muss kräftig durchlüften Also Fenster auf und frischen Wind hineinlassen. Nicht alle werden sicherlich die frische Brise vertragen. Doch die wird kommen und die muss kommen, um das Kirner Land zukunftsfähig aufstellen zu können. Erste Bewährungsprobe ist die Ernennung eines neuen Wirtschaftsförderers. Ein eminent wichtiger Posten. Hierfür braucht es einen Typ der Marke „Kreativer Macher“. Melanie Jung hat ja vorzeitig das Handtuch geworfen. Sie will partout nicht. Zeichnet sich für den Sommer eine Nachfolge-Lösung aus dem eigenen Stall ab? Bisher hat man diesbezüglich noch nichts vernommen. Eines steht fest, Schlange werden geeignete Kandidaten nicht stehen. Nicht, wenn man sich das Mitarbeiterverzeichnis vor Augen führt. Notfalls muss man die Stelle eben extern ausschreiben, oder der Chef himself übernimmt. Ein Kompromiss wäre jedenfalls die schlechteste Lösung.

Noch vor Wochen galt der SPD-Bundestagsabgeordnete Joe Weingarten als eine Art faules Ei innerhalb der eigenen Partei. Wegen seiner klaren Analysen und der damit verbundenen eigenen Wortwahl diese ohne Umschweife auf den Punkt zu bringen, wurde er von den eigenen Kollegen links liegen gelassen. Mehr noch: Weingarten durchlief sogar einen Spießrutenlauf. Von alledem ist nichts mehr übrig geblieben. „Piep, piep, piep, wir haben den Joe jetzt wieder lieb“, erfreut sich der jetzt wieder zunehmender Akzeptanz und Beliebtheit innerhalb der SPD-Familie. Der Querdenker ist wieder salonfähig, wie viele bunte Bildchen im Netz beweisen. Der verlorene Sohn wurde wieder mit offenen Armen aufgenommen, wird wieder überallhin eingeladen und hofiert. Warum? Nun, der Mann, dem der Blog unlängst „Eier“ attestierte, kommt beim Wahlvolk gut an. Die Menschen mögen halt lieber Vertreter mit Ecken und Kanten, anstatt weichgespülte Parteisoldaten. Und so darf der bereits aussortierte Bundestagskandidat bei der nächsten Wahl erneut mit einem Listenplatz ganz vorne rechnen. SPD-Motto: „Was interessiert unser Geschwätz von gestern.“ Politik ist bisweilen ein scheinheiliges Geschäft.      

Der Januar ist der Monat der Neujahrsempfänge. Nahezu täglich kann man entsprechende Bilder und Texte der Zeitung entnehmen. Boah, je nach Tradition versammelt sich der ganze Ort, um gemeinsam auf das neue Jahr anzustoßen. Vorreiter sind gewiss Simmertal und Hennweiler, aber auch kleinere Ortschaften unter dem Dach der Verbandsgemeinde Kirner Land verstehen sich darauf, die Sektkorken, dann eben in kleinerer Runde, knallen zu lassen. Überall Neujahrs-Gefühle? Nein, in Hochstetten-Dhaun kommen die nicht auf. In der jetzt „nur“ noch drittgrößten Ortsgemeinde haben Neujahrsempfänge keine Tradition. Leider! Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühl sind in dem durch Ortsteile zerklüfteten Dorf, mit seinen fünf Ortsteilen, halt nicht sonderlich ausgeprägt. Diesbezüglich ist da nix gewachsen. Es fehlt an Willen und dem Bedürfnis, in diese Richtung etwas auf die Beine zu stellen. Das Bürgerfrühstück im Frühjahr ist zwar ein netter Versuch, aber kein Ersatz. Irgendwie schade, aber wohl nicht zu ändern.

Wer bitteschön blickt bei dem ganzen Hickhack um die Daseinsberechtigung von kleineren Krankenhäusern noch durch? Jetzt grätscht auch noch der Bund mit einem Referentenentwurf von hinten dazwischen. Grobes Foul, weil dadurch die Gefahr besteht, dass insbesondere die kleinen Krankenhausstandorte in Rheinland-Pfalz, die für die gesundheitliche Versorgung notwendig sind, wieder und noch mehr unter Druck geraten. Das sagt zumindest die Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. Die BI Kirn dürfte angesichts solcher Nachrichten nur noch verständnislos mit dem Kopf schütteln. Das Land will, der Bund nicht. Die Diakonie vielleicht, aber die Krankenkassen absolut nicht. Der Kreis unterstützt, will aber auch nicht die Trägerschaft übernehmen. Alle gemeinsam rufen sie nach Ärzten, die aber auch nicht wirklich in die Provinz wollen. Die örtlichen Politiker unterstützen, haben aber wenig Einfluss. Kuddelmuddel in XXL-Format. Man muss schon studiert haben, um das einigermaßen einordnen zu können. Teufelskreislauf Krankenhaus, der nicht nur Unruhe stiftet, sondern kaum durchbrochen werden kann! Dabei könnte alles so einfach sein. Alle Beteiligten in einen Raum sperren und er dann wieder rauslassen, wenn eine akzeptable Lösung gefunden worden ist. Weißer Rauch aus dem Kamin, signalisiert das fertige Konzept. Die Papst-Wahl lässt grüßen. Es steht allerdings zu befürchten, dass Kirn schleichend von der Bildfläche verschwinden wird. Wäre es längst, wenn nicht die Protestbewegung gegründet worden wäre.