Über Fusions-Geschmäckle, Schwimmbad-Demokratie, Stadt-Stellenwert, Rechenbeispiele, Ärztliche Bereitschaftsdienstzentrale…

Es bleibt ein Fusions-Geschmäckle. Corona hin oder her, kaum hat die Verbandsgemeinde das Jahnbad übernommen, schon heißt es Saisonaus. Keine Frage, nicht nur eingefleischte Befürworter wittern eine Verschwörung gegenüber der neuen 21 Gemeinde. So manche Mahner werden sich im Nachhinein noch bestätigt fühlen: „Wir haben es immer gewusst und genauso prophezeit,“ liefert das große Bohei Wasser auf die Mühlen derer, die der Fusion schon immer kritisch gegenüberstanden.“ Ist das wirklich der Anfang vom Ende des Mittelzentrums? In den Augen der Bedenkenträger, nimmt das Drama nunmehr seinen vorhergesagten Lauf! Das Land wollte es so mit seinem „Kirn-Du-wirst-jetzt-21-Gemeinde-Gesetz“. Trotz 8000 Einwohnern, genießen die Kirner keinen Sonderstatus mehr. Der wurde durch die Fusion radikal einkassiert. Städter-Privilegien und Eigenständigkeit – das war einmal und kommt auch so schnell nicht wieder. Die Schwimmbadangelegenheit dürfte sich als eine erste schmerzhafte Erfahrung erweisen. Weitere werden gewiss folgen. Kirn ist auf Rosinen, oder plastischer vor Augen geführt, Heinzenberg-Größe zusammengeschrumpft worden.

Apropos zusammengeschrumpft. Es ist schon schmerzhaft, wenn ein einst so dominierendes Mittelzentrum politisch zunehmend in die Defensive gedrängt wird. Wenn dann aber auch noch ein nicht völlig unumtsrittener 60-Prozent-Bürgermeister aus Hochstetten-Dhaun mit einer augenscheinlich unmissverständlichen Drohgebärde der Tragweite „Wenn Ihr-nicht-spurt-lassen-wir-Euch-am-langen-Arm-verhungern“ um die Ecke kommt, dann wird so ein typischer Spruch aus der Hüfte geschossen nicht nur als Ansage, sondern als eine Demütigung sondergleichen wahrgenommen. Der Schütze, Hans Helmut Döbell, hat mit seinem Muskelspiel die Kräfteverhältnisse nachhaltig geradegerückt. Tiefer kann man als Stadt nicht mehr sinken. Gerade er, der noch vor kurzem unter Tränen den „Stimmen-Königsmörder“ in den eigenen Reihen gab, um sich mit gewieftem Kalkül auf den Posten des Ersten Beigeordneten hieven zu lassen, rügt öffentlich seine Kirner Kollegen und lässt so seinem Ärger freien Lauf. Boah, der traut sich was! Die sonst so „coole“ Socke, wie ihn der Öffentliche Anzeiger so nett umschmeichelt, hat eine scheinbar breit um sich greifende generelle politische Haltung gegenüber der Stadt rausgehauen, die sich so schnell nicht mehr einfangen wird lassen. Sein Spruch wird sich tief in die Köpfe der Adressaten einfräsen und daher auf einem zukünftigen konstruktiven Miteinander lasten. Da braucht es gleich eimerweise Kitt, um die Risse im Gesamtgefüge in Ordnung zu bringen. Sehen wir es positiv, jetzt wissen die Kirner wenigstens woran sie sind.

„Pack die Badehose ein nimm dein kleines Schwesterlein und dann nüscht wie raus nach Bad Sobernheim, Meisenheim, Rhaunen, Gemünden…“ Die Kirner müssen für ihre Abkühlung zukünftig reisen. Das ist die schlechte Nachricht. Die Gute, brandneue, folgt jedoch sogleich: Reisekosten-Anträge können bei der Verbandsgemeindeverwaltung gestellt werden. Wie kommt es dazu? Nun, der VG-Rat hat sich im Zuge eines eiligen Eilbeschlusses zu einer finanziellen Unterstützung durchgerungen, nachdem das Jahnbad ja geschlossen bleibt und Proteste einfach nicht abreißen wollen. Eine kleine Geste der Versöhnung und des Trostes, so der Wortlaut einer Mitteilung, die am Montag in der Tagespresse nachzulesen sein wird. Die VG hat extra hierfür eine Kostenstelle im ersten Stockwerk, Zimmer neundreiviertel, eingerichtet. Einfach die Kilometer für einfache Fahrt einreichen, Kontonummer dazugeben und schon wächst die Kohle rüber. Pro Kilometer werden 30 Cent genehmigt. Unbürokratische Unterstützung – passt! Die Anträge können online, schriftlich oder persönlich gestellt werden. Die jetzt frei gewordenen Bademeister übernehmen die Abwicklung in einem Zweischicht-Rhythmus. Und auch die Stadtwerke haben sich wohl etwas einfallen lassen. Denen schwebt vor, jedem Antragsteller zusätzlich noch Badetücher, Badekappen und Schwimmflügel – je nach Bedarf – zu schenken. Nette Geste! Alles billiger als eine eigene Saison, heißt es hierzu kurz und knapp. Es sei eine kurzfristig ins Leben gerufene Aktion, um verloren gegangene Sympathien zurückzugewinnen. Manko: Das Büro ist zwar ab dem 1. Juli geöffnet, aber in dem VG-Labyrinth schwer zu finden!

Nachgehakt! In der letzten Woche hat der Blog Stadtwerke-Chef Jochen Stumm an die Tafel gebeten. Er möge doch bitte mal seine von ihm errechneten Mehrkosen erläutern. Im Detail versteht sich. Nun, der Blog will sich jetzt korrigieren. Herr Stumm, Sie dürfen sitzen bleiben. Warum? Einem Schwimmbad-Chef, der augenscheinlich nur mit gefährlichem Schwimmbad-Halbwissen ausgestattet ist, dem täte der Blog keinen Gefallen damit, Lösungsvorschläge für „komplizierte“ Kostenrechnungen ins Hausaufgabenheft zu schreiben. Als der im Zuge der Debatte nach der Schwimmbadgesamtfläche gefragt worden ist, hatte der Ober-Boss der Becken diese nicht parat. Finde den Fehler? Schlimmer noch: Ein Landwirt und VG-Ratsmitglied musste diese flugs ausrechnen und ihm vorsagen. Peinlich! Für die schnelle Hilfe aus dem einfachen „Einmaleins-Lehrplan“ viertes Schuljahr, soll der pfiffige Junge aus Oberhausen wohl mit einer Dauerkarte des Jahnbades für die Saison 2020 belohnt werden. Dem Vernehmen nach, hat der sich riesig über das großzügige Geschenk gefreut. Bei einsamen Trockenschwimmen hat man seine Ruhe und kann zudem nicht so leicht Ertrinken – mehr Sicherheit geht nicht! Nächstes Jahr möchte er wieder Nachhilfe geben. Kein Wunder, bei der Entlohnung!

Die Ärztliche Bereitschaftsdienstzentrale sagt leise Servus! Wörtlich heißt es dazu in der Pressemitteilung: „Im Zuge der Reform des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes (ÄBD) wird die Ärztliche Bereitschaftspraxis (ÄBP) in Kirn zum 1. Juli 2020 geschlossen. Für die medizinisch notwendige Behandlung immobiler Menschen vor Ort wird langfristig ein mobiler Hausbesuchsdienst aufgebaut. Die Auslastung der BDZ in Kirn sei nur sehr gering gewesen, weshalb sich die KV zu diesem Schritt entschlossen habe. Mal ehrlich, was sind wir Kirner-Land-Bewohner doch so doof! Das muss man sich mal reinziehen, wir sind also selbst schuld, weil wir den Notdienst viel zu wenig in Anspruch genommen haben. Hätten wir mal öfters den Doc am Wochenende aufgesucht. Kopfweh, Halsweh, Bauchschmerzen – irgendwo zwickt es doch immer. Es hätte gereicht, einfach mal vorbeizuschauen, um Hallo zu sagen – alleine der Statistik wegen. Das System ist einfach nur krank. Profit geht vor Daseinsvorsorge! Pfui!!!

Zu guter Letzt noch Lach- und Sachgeschichten mit der Maus: Was haben das Tote Meer und das Kirner Schwimmbad gemeinsam? In beiden kann man nicht untergehen! Der Comic aus der Ideenschmiede vom MM ist selbsterklärend. „Lucky TJ“ hat mit seinem Lasso den Stöpsel aus den Becken gezogen. Blöd für den Kirner Ober-Boss Emsix, der sich beim Sprung ins nicht vorhandene kühle Nass eine blutige Nase holt. Autsch, das tut weh! Der Bürgermeister hat um sein Bad gekämpft wie ein Löwe. Schade, dass sein eigenes Kirner Rudel ihm in dieser Frage die Gefolgschaft verweigerte. Ob die sich einen Gefallen damit getan haben? Bilder sagen mehr als Worte. Merke, Demokratie kann mitunter schmerzhaft sein. Was lernen wir daraus: In einer Demokratie ist es nun einmal so, dass die Mehrheit entscheidet, wo es lang geht – auch wenn es in diesem konkreten Fall den Schwimmbad-Befürwortern nicht in den Kram passt.