Über die Klatsche der SPD und Dröscher, Schwimmbad-Öffnungszeiten, 24-Stunden-Wanderung, Aufzug für Kirn-Sulzbach, Zulassungsstelle

Boah, war das nicht eine faustdicke Überraschung? Das fast schon historische Protokoll der ersten Stadtratssitzung dürfte im Stadt-Archiv von Paul Hornemann gewiss einen Ehrenplatz einnehmen. Warum? Die SPD wurde bei den Beigeordneten-Wahlen von den anderen Parteien im Nasenring durch die Manege gezogen. Das kommt davon, wenn man sich als stärkste Fraktion irgendwie unantastbar wähnt und anders gelagerte Strömungen auf dem politischen Parkett nicht wahrnimmt. Autsch, die Ohrfeige tat richtig, richtig weh. Wie man hört, sollen sich die Sozialdemokraten hinterher als mehr oder weniger schlechte Verlierer präsentiert haben. Nun zeigt sich in der Niederlage erst wahre Größe. Apropos Größe. Der 73-jährig Dauer-Abonnent auf den wichtigen Ersten Beigeordneten-Posten ist gleich im ersten Wahlgang auf Normalgröße zusammengeschrumpft. Wie hätte seine Wiederwahl auch gelingen sollen, wenn nicht einmal seine eigenen Parteifreunde geschlossen hinter dem Grand-Senior stehen? Hätte die SPD sein krachendes Scheitern nicht vorhersehen können, ja sogar müssen? Dröscher, er ist wohl die tragischste Figur beim in dieser Form wohl noch nie dagewesenen Postengescharrere, nicht zuletzt deshalb, weil er dadurch einen würdigen Abgang eingebüßt hat. Schicksalhaft, weil trotz langjähriger Verdienste sein Name für immer und ewig mit der abgeschmetterten Bewerbung in Zusammenhang gebracht werden wird. Das kommt davon, wenn man die Zeichen der Zeit ignoriert und offenen Visiers in sein persönliches Waterloo rennt. Dennoch, den Sturz vom Sockel muss auch eine erfolgsverwöhnte Kirner Instanz erst einmal sacken lassen. Seiner Partei hingegen bleibt keine Zeit zum Wunden lecken. Sie muss sich mit den Gegebenheiten abfinden und sich nach einer internen Analyse neu erfinden. Und die braucht es dringend! Hinterfragt muss vor allem das Verhandlungsgeschick der handelnden Personen werden. Wie kann es sein, dass man derart naiv ins offene Messer läuft? Hat man zu sehr auf die Komponente Wählerwille und stärkste Fraktion gesetzt? Gab es so gar keine Indizien für eine Wechselstimmung, keine Absprachen im Vorfeld? Hätte man nicht erkennen müssen, dass unter den gegebenen Konstellationen der Kandidat Dröscher keine Mehrheiten im neuen Stadtrat mehr finden wird? Hat da eine Fraktion etwa ihre Hausaufgaben nicht erledigt. Schaut ganz danach aus.  Grundsätzlich gilt, wer nicht mehr geliebt wird, hat es schwer und neigt zu schlechter Laune. Das ist im wirklichen Leben so und auch in der Politik. Doch manchmal führt der Liebesverlust ja auch zu Erkenntnissen. Mögen sie der SPD in den Sinn kommen. Und möge der Bürgermeister mit den neuen Machtverhältnissen gut zurechtkommen.

„Sommer, Sonne, Schwimmbad“ – wohl kaum andere Orte eignen sich bei den momentanen Hitzerekorden mehr als die Spaß-Becken des Kirner Jahnbades. Klar, dass das kühle Nass hier Tag für Tag Menschen aus der gesamten Region magisch anzieht. Nur logisch, dass hier und dort die Zu- und Abfahrten verstopft sind und obendrein Parkchaos ausbricht. Viele Verkehrsteilnehmer gehören halt der Spezies „Autofahrer-bis-vor-die Haustür“ an. Und in einer engen Sackgasse führt das naturgemäß zu Verwicklungen, die sich dann aber auch im Handumdrehen wieder auflösen. Gibt Schlimmeres. Verkehr ist eine, Öffnungszeiten eine andere Service-Komponente. Die FDP hat jetzt angeregt, die gerade an heißen Tagen deutlich nach vorne zu erweitern. Gute Idee, wenn Frühschwimmer in die Lage versetzt werden, schon ab 9 Uhr in Ruhe ihre Bahnen ziehen zu können. Sollte doch machbar sein, oder? Wäre da nicht der Knackpunkt Personalaufwand. Die Bademeister stehen eh schon stundenlang an den Becken. Inwieweit der Stellenkegel eine weitere Ausdehnung der Öffnungszeiten überhaupt hergibt, ohne einen geregelten Schichtbetrieb einführen zu müssen, bleibt abzuwarten. Obendrein setzen erweiterte Öffnungszeiten mehr Flexibilität von allen Beteiligten voraus. Ein Knackpunkt, an dem schon manch guter Vorschlag krachend gescheitert ist. Auch der?

Eine Zahl lässt aufhorchen: 200 000 Euro Zuschuss vom Land für einen Aufzug an das Bürgerhaus in Kirn-Sulzbach sind fix. Stolze Summe, nur um für einen kleinen Raum im ersten Stock barrierefrei herstellen zu können. Nur mal so als Blog-Vorschlag: Wäre es nicht sinnvoller die Summe in den Ausbau des ehemaligen Saals „Collet“ zu investieren? Der ist ebenerdig, groß und steht seit dem Eigentümerwechsel der gleichnamigen Gaststätte leer. Was für eine Verschwendung. Wäre doch mehr als nur eine echte Alternative zum kleinen Gemeindesaal, oder? Im Zusammenspiel mit der Gaststätte, ließe sich das perfekte Konstrukt einer Begegnungs- und Veranstaltungsstätte schaffen, die weit und breit ihresgleichen sucht. Kerb, Fastnacht, Konzerte, Tanzveranstaltungen – alles wäre hier wieder möglich. Momentan dümpelt der alte Saal, infolge Unterhaltungsstau und fehlenden Sicherheitsstandards, vor sich hin. Kurzum, der ist dicht. Die traditionelle Feierstätte wieder wachzuküssen, das wäre es doch. Bevor man an eine kleine „Kammer“ mit wenig Ressourcen an einen teuren Aufzug anschließt, sollte man prüfen, ob man die Moneten nicht effektiver in einen großen, weit besser geeigneten Saal für alle, dazu noch mit Tradition, investiert. Der Saal könnte auch später „Saal für alle“ heißen. Schon mal darüber nachgedacht?

Tagelange Berichterstattung mit rund 30 Bildern und einer Fülle von Informationen – die „24 Stunden-Wanderung“ war auch in der Berichterstattung mehr als nur ein regionales Ereignis. Mehr Aufmerksamkeit geht nun wirklich nicht. Über den blattfüllenden Rahmen kann man sicherlich geteilter Meinung sein, allerdings nicht darüber, dass sowohl Helfer, als auch Teilnehmer immer wieder Großes leisten. Bei Letzteren sind allerdings nur die gemeint, die auch wirklich 24 Stunden am Stück über Felder, Wald- und Wiesen getappt sind. Und da liegt der Hund begraben. Konnten wirklich alle 418 Starter am Ende den wohlverdienten Applaus einheimsen? Haben wirklich alle Extrem-Wanderer die volle Distanz durchgehalten, wie es vereinzelten Berichten zu entnehmen war? Nein! Wenn überhaupt waren es einhundert. Erfahrungsgemäß ziehen die meisten schon nach der Tagesetappe ihre Wanderschuhe aus. Und auch nach der Dämmerungsschleife ist für viele Schluss mit lustig. Nur die absoluten Freaks haben letztlich die Körner den Strapazen der Nachtschleife zu trotzen. Doch, wie viele waren es nun wirklich? „Ein Drittel etwa“, heißt es aus offiziellen Kreisen. Soso, in der Allgemeinen Zeitung stand, dass alle das Ziel erreichten. Gelinde ausgedrückt, etwas unglücklich formuliert, weil der Eindruck erweckt wird, dass auch alle über die volle Distanz gingen. Mal ehrlich, es wird zwar immer mit dem Charakter einer 24-Stunden-Wanderung von Rheinland-Pfalz geworben, nur sei hinzugefügt, dass der überwiegende Teil sich gar nicht erst mit der Absicht anmeldet, rund um die Uhr unterwegs zu sein. Dem guten Zweck ist das egal, aber der Vollständigkeit halber sollte auch diese Wanderer-Bilanz in der Endabrechnung Erwähnung finden.

Thema Zulassungsstelle: Landrätin Bettina Dickes hat nunmehr auf die Anfrage der FDP reagiert. Im Service sei alles top, so ihre unmissverständliche Botschaft. Auch gäbe es keine Vorteile von Geschäftskunden gegenüber Privatkunden, wie von der FDP behauptet. Hätte es niemals nicht gegeben. Alle würden gleich behandelt bei der Abfertigung. Echt? Muss der Blog was verpasst haben! Der hat bei eigenen Aufenthalten zwar völlig andere Eindrücke wahrgenommen, aber lassen wir mal die Aussage der Behördenleitung so stehen. Die muss es ja schließlich wissen. Dickes hat jedenfalls die Debatte für beendet erklärt. Da werden sich die Autohändler aber freuen. Schließlich wird an ihren offiziell nie dagewesenen, aber dennoch vorhandenen Privilegien, nicht gerüttelt. Finde den Fehler! Wie sagte es doch der Blog am Anfang der Diskussion: „Hauptsache mal drüber geschwätzt“. Recht hatte er…