Rückblick 24. August

Über den Schleudergang der Diakonie, es „müllert“ in Kirn, Gewinner der Woche, Wettbewerb um die schnellsten Schnappschüsse, den scharfsinnigen Analytiker Fritz Wagner, kein Akutkrankenhaus

Die Diakonie kommt gerade mächtig ins Schleudern. Der Druck scheint immens, weil sich der Vorstand zum zurückrudern veranlasst sieht. Und wie! Man wolle ja gar nicht schließen. Soso! Auf einmal. Finde den Fehler? Wird die Diakonie gerade von der Protest-Welle überrollt? Will man sich versöhnlich geben, bis sich die Wogen geglättet haben? Schaut ganz danach aus. Negative Außendarstellung schadet, gell? Jetzt kutschiert mal schnell das 80.000-Euro-Mikroskop wieder zurück nach Kirn. Aber mit Karacho! Da gehört es nämlich hin und dafür wurde es von der Bürkle-Stiftung finanziert. Es kann nur als ungeheuerliche Unverschämtheit bezeichnet werden, wenn eine örtliche zweckgebundene Spende, gemäß dem Motto „in Kirn ist eh bald Sense“, ins Mutterhaus abwandert. Viel tiefer kann das Ansehen der Diakonie in der Wahrnehmung der Menschen gerade nicht sinken. Gesunder Menschenverstand oder ein, nein, besser mehrere Imageberater könnten helfen aus dem Tief wieder herauszukommen. Besser, eine umgehend ausgesprochene Standortgarantie!!!

 „Alles Müller, oder was“? – der bekannte Werbe-Slogan lässt sich eins zu eins auf Ellen und Michael Müller übertragen. Ohne das Engagement und die Dynamik der beiden, wäre es niemals nicht zu dieser eindrucksvollen Kundgebung gekommen. Im Gegenteil: Die Politik würde noch immer im Stadium von beabsichtigten Gesprächen stecken. Beide sind die Gewinner der Woche. Der nächste Harald-Flick-Preis ist Euch sicher. Im Erfolgsfall wird Karl-Heinz Brust nicht umhinkommen, Euch beiden ein Denkmal vor den Eingang zu setzen. Denn, das Ausrufezeichen für die Ewigkeit ziert alleine ihre Handschrift. Ja, das sonst so überstrapazierte Superlativ darf in diesem Zusammenhang ruhig mal zitiert werden. Als Herzblut-Team trieben die gesamte Politik vor sich her. Sie nervten, sie telefonierten, sie setzten Unmengen von Posts ab, sodass die gesamte Créme dela Créme gar nicht umhinkam, dieser ersten Protestveranstaltung beizuwohnen. Chapeau!!! Mehr ziviler Einsatz für den Erhalt des Krankenhauses ist kaum vorstellbar. 500 Menschen, Presse, Funk und Fernsehen – was für ein machtvoller Auftritt. Wenn das mal nicht tiefen Eindruck bei den Verantwortlichen hinterlassen hat. Weiter so, ist man geneigt zuzurufen. Wer die beiden kennt, der weiß, dass diese Aufmunterung nicht notwendig ist. Die haben keinen Bock auf Stopp der Gesundheitsversorgung! Reimt sich sogar. Gewinner der Woche ist auch Bürgermeister Martin Kilian, der sich bei der Kundgebung als leidenschaftlicher Kämpfer und Streiter präsentiert hat. Bravo Herr Kilian, so wollen Sie Ihre Bürger erleben. Zeigen Sie weiterhin Beharrlichkeit und Entschlossenheit. Gewinner der Woche ist auch und vor allem das gesamte Kirner Land. Die Gemeinschaft hat bewiesen, dass man in Notlagen sowohl an einem Strang ziehen, als auch Schulter an Schulter zusammenstehen kann. Ausnahmslos alle! Ob Jung bis Alt, Groß und Klein – jeder ist eingeladen den Protest auf seine Weise weiterhin zu unterstützen. Nach dem sensationellen Start der Protest-Kampagne, gilt es sich jetzt gemeinsam personell aufzustellen und final zu organisieren. Der Widerstand muss wachsen und gehört daher auf breite Beine gestellt. Der braucht einen langen Atem und innovative Mitstreiter. Es kann ja nicht immer nur „müllern“, gell!

Sorry, liebe Parteienlandschaft. Den gezeigten Ehrgeiz im Wettstreit um die schnellsten und eindrucksvollsten Bildchen von der Kundgebung bei Facebook hätte man sich im Vorfeld gewünscht. Bei aller Freude jetzt, war das in der Entstehung ein ganz schwaches Bild! Rühmliche Ausnahme, die Liberalen. Erst als eine Privatinitiative aus dem Volk Euch richtig in den Allerwertesten trat, kamt Ihr aus den Puschen. Merke, umgekehrt wird ein Schuh draus. Jetzt sonnen sich alle im Erfolg der Veranstaltung. Allen voran die SPD, die als letztes auf den von Privat gestarteten Protest-Zug – mit dabei auch einige Trittbrettfahrer – aufgesprungen ist. Dafür lässt die sich jetzt umso mehr für das positive Signal aus dem fett gefütterten Phrasenschwein des eigenen Mainzer „Stalles“ feiern. Wer weiß, ob die Genossen die SPD-Fahne in den Wind gehalten hätten, wenn entsprechende verklausulierte Zusagen der Güte Absichtserklärung aus dem Mutterhaus ausgeblieben wären. Doch wenn’s dem geschundenen Image guttut, dann sollen sie ruhig mal ausgiebig die Korken knallen lassen. Gab ja sonst kaum Gründe in den letzten Wochen und Monaten mal so richtig die „rote“ Sau rauszulassen. Vielleicht lässt der „erfolgreiche“ Trip ins Sozialministerium die gespaltene SPD Kirner Land insgesamt wieder enger zusammenrücken, persönlich, Peter-Wilhelm Dröscher wieder aus der Schmollecke hervorkriechen. Der dürfte zuletzt ja wenig Freude an der Stadt-Politik verspürt haben, nachdem er nach Jahren der Dominanz im Stadtrat wieder auf Normalgröße zusammengeschrumpft worden ist. Balsam für die geschundene Seele? Nicht ganz! Der Patient ist dank der politischen Medikation jetzt zwar stabil, aber die Protest-Therapie muss weitergehen. Kurzum, das Krankenhaus ist gesundheitlich noch lange nicht über dem Berg. Bisher stecken hinter allen Durchhalteparolen nur gute Absichten und glaubhaftes Bemühen, es im Sinne der Bürger zu regeln. Nur, muss auch die Diakonie einlenken und langfristig mitspielen, gell? Dennoch, den Blick gilt es nunmehr wachsam nach vorn zu richten. Der Grundstein ist gelegt, aber der Deckel damit noch lange nicht drauf. Die Diakonie ist ein dickes Brett. Aber sowas von!

Hat die Gesundheitsministerin einen falschen Text verlesen? Kann ja mal passieren. Im Original-Manuskript stand nämlich „Das Kirner Krankenhaus bleibt erhalten“ und nicht „MUSS“ erhalten bleiben. Zwar nur ein klitzekleines Wort, aber in diesem Zusammenhang ein bedeutendes. Stellen Sie es richtig und erteilen Sie dem Mitarbeiter einen Verweis für das Versehen. Geht doch gar nicht, solche Pannen in einem Ministerium. Die BI hat Ihnen den richtigen Wortlaut in einer Eil-Depeche zukommen lassen. Sie brauchen es nur eins zu eins übernehmen und schon sind alle glücklich. Eine eigens dafür anberaumte Pressekonferenz, wäre der angemessene Rahmen für eine Botschaft dieser Tragweite. Dann ist der berühmte Deckel drauf in der Frage „ob“ das Krankenhaus mit allen seinen Mitarbeitern weiterarbeiten kann. Über das „wie“ lässt sich ja dann entspannt verhandeln.

Altbürgermeister Fritz Wagner ist ein gewiefter und erfahrener politischer Beobachter und zugleich messerscharfer Analytiker. Verrückte Zeiten müssen das sein, wenn gerade der alte Platzhirsch ein Lob vom Blog erfährt. Sein Kommentar zur momentanen Krankenhaus-Situation ist jedoch genau auf den Punkt gebracht: „Wachsam die Entwicklung beobachten – die Aussage der Ministerin ist keine Garantie für den Erhalt des Krankenhauses. Ähnliche Aussagen gab es immer in der Vergangenheit und trotzdem wurden Abteilungen geschlossen und Planbetten reduziert. Auch der Entwurf des neuesten Krankenhauszielplanes sieht eine weitere Reduzierung auf 88 Betten vor. Es ist bestimmt kein Zufall, das kurz vor der dem Demotermin noch schnell eine solche Erklärung der Ministerin verbreitet wurde. Es ist x-te Aufgabe der DIAKONIE organisatorisch das AKUT-Krankenhaus in Kirn sicherzustellen. Das ist ihr Auftrag. Gute Geschäftsführer reißen nicht ein, sondern bauen auf…“ Dem Kommentar ist nichts mehr hinzuzufügen.

Vorsicht! Vorsicht beim Begriff „Akutkrankenhaus“. Der wird immer wieder gerne ins Schaufenster gestellt, um die Bedeutung des Krankenhauses zu untermauern. Klingt ja auch gut und vor allem bedeutend, ist aber irgendwie im Krankenhausalltag dann doch eine Mogelpackung, wenn auch eine zu verzeihende. Denn, Krankenhaus ist und bleibt Krankenhaus. Rein statistisch wird die Diakonie sicherlich belegen können, dass Notfälle nach der Erstversorgung vor Ort eher in die größeren Kliniken verlegt werden. Da ist Kirn meistens außen vor. Es fehlt hier an entsprechendem Knowhow. Super wäre es, wenn der Status Akutkrankenhaus im Sinne der Definition im Zuge der Erhaltungs-Verhandlungen hergestellt werden könnte. Das sollte das Ziel sein. Mit entsprechender medizinischer Ausstattung und einem upgrade an Personal sollte das zu schaffen sein. „Wir schaffen das“. Komisch, der Slogan klingt irgendwie bekannt.