Rückblick 12. Oktober

„Boah ist das krass, ey!“ Für eine fundierte Wahl-Prognose hat der Blog einen speziellen Wahl-O-Maten schalten können. Es handelt sich hierbei um einen nigelnagelneuen Prototyp, der gemäß Beschreibung, Wahlergebnisse präzise genau vorhersagen kann. Verreck, was für eine innovative Erfindung Made in Germany. Beispiel gefällig? Bei der Eingabe 20. Oktober sowie den Eckdaten Bürgermeister und Kirner Land, spuckt der Kasten folgende Daten aus: Der Sieger Thomas Jung kann 51,8 Prozent auf sich verbuchen. Auf Oliver Kohl fallen 44,3 Prozent. Andreas Römer bekommt den Rest. Jung wird also als erster Bürgermeister des gesamten Kirner Landes in die Geschichte eingehen. Toll, diese Maschine rattert so präzise wie ein Uhrwerk. Glückwunsch nach Oberhausen. „Wir sind Bürgermeister“ – Banner werden schon bald die Ausfallstraßen des Dorfes überspannen. Menschen von Hennweiler, ihr müsst mutig drunter durch fahren und auch sonst in der Niederlage tapfer sein. Nehmt’s gelassen, ihr wart schon so oft „Bürgermeister“. M´r muss och jönne könne.

Laber Rhabarber – wird nicht selten Politikern entgegengebracht, die auf Knopfdruck stundenlang erzählen können, ohne was zu sagen. Die Kaste hat es von Haus aus drauf, wenn es darum geht, von jetzt auf gleich abendfüllend für sich zu werben. Insgesamt 12 Minuten Redezeit für sechs Fragen hatten die drei Bürgermeister-Kandidaten in Heimweiler zur Verfügung. Nicht gerade üppig. Dennoch hatten Kohl, Römer und Jung nach Abschluss der Runde noch jeweils fünf Minuten übrig. Häh? Was war da los? Sind die Kerle von Natur aus mundfaul oder hatten die beim Podium einfach nicht viel zu sagen? Waren die Fragen nicht geeignet, um die Zeitvorgabe auszureizen? Wie immer, dürfte die Wahrheit in der Mitte liegen. Egal wer es am Ende wuppt, eine quasselnde Plaudertasche wird auf dem Chefsessel nicht Platz nehmen.    

Jeder kann ein Lied davon singen – es sind oftmals die kleinen Randnotizen – Öffentlicher Anzeiger – die einem im Gedächtnis haften bleiben. Der Forsa-Chef Manfred Güllner prognostiziert die Auflösung der SPD. Seiner Vorahnung nach verschwindet die sogar aus der Parteienlandschaft. Klingt irgendwie gruselig. War es das nun für die alte Tante SPD? Heruntergebrochen, das Kirner Land ohne die Sozis? Geht das überhaupt? Nun, kleinste Anzeichen gibt es schon für vorsichtigen Liebesentzug. Wahrscheinlich nicht ohne tieferen Sinn verzichtet Oliver Kohl auf das typische rote SPD-Logo in seiner Wahlwerbung und lenkt stattdessen den Fokus lieber auf sich als Einzel-Bewerber. 100-Prozentige Identifikation und Hingabe geht anders. Steht die bundesweit desolat auftretende SPD auch im kleinen Kirner Land am Scheideweg? Sicherlich nicht. Dennoch, die Sozialdemokraten haben auch in ihrer einstigen Hochburg massiv Federn gelassen. Und es werden nach der kommenden Wahl gewiss noch mehr werden. Kein Wunder, dass zunehmend Dünnhäutigkeit das Tun und Handeln, gerade von Altsozialdemokraten, etwa bei direkten Angriffen im Netz, bestimmt. Wo führt das hin? In letzter Konsequenz schafft man sich wohl oder übel dann wirklich ab. Übrigens, die Bundes-SPD bietet Seminare für Basis-Mitstreiter an, die den angemessenen Umgang mit Kritik und Seitenhieben im Netz zum Inhalt haben. Ziel ist es, Gelassenheit und Souveränität zu vermitteln. Hopp, eine Gruppenbuchung scheint angezeigt.

In seiner Funktion als Bürgermeister und Boss des SPD-Gemeindeverbandes Kirner Land wies Michael Schmidt den parteilosen Kandidaten Andreas Römer wie einen Schul-Buben zurecht. Aber sowas von oberlehrerhaft! Hatte der politische „Pimpf“ doch während dem Wahl-Podium in Heimweiler sinngemäß zu behaupten gewagt, dass der Entwicklungsprozess hin zur Fusion über Jahrzehnte hinweg gerade von der SPD boykottiert und verschleppt worden ist. Muss zwar hart in den Ohren von SPDlern klingen, aber wie jeder weiß, liegt er mit seiner Analyse ja gar nicht so sehr daneben. Schließlich wurde man ja unter Druck verheiratet. Vielleicht war es die direkte Ausdrucksweise, die Schmidt veranlasste, Römer umgehend für diese Aussage abzukanzeln. Bevor sein Anschiss mit der abfälligen Geste „lächerlich“ endete, belehrte er Römer, wonach es doch die SPD gewesen sei, die den Fusionsprozess beim Land erfolgreich abwickelte. Bei allem Selbstlob, vergaß er jedoch die durchgeladene Mainzer Pistole vor der Brust zu erwähnen. Setzen sechs, Herr Schmidt! Thema verfehlt! Römer bemängelte lediglich die jahrelange Verschleppung, nicht aber die jüngste gewinnbringende Einigung mit den Moneten als Mitgift. Final lief die ja optimal, was der auch mit keiner Silbe anzweifelte. Kleiner, aber feiner Unterschied. Der Anschiss im Kasernenhof-Ton war daher unangemessen, und dem Raunen der Saalbesucher nach zu urteilen, völlig daneben. Warum nur gibt er sich eine solche Blöße? Sieht er der Partei die Felle wegschwimmen? Seine Triebfeder dürfte einzig und alleine der Schutz der Partei gewesen sein. Moment, ist Schmidt etwa der Uli Hoeneß der SPD. Der Bayern-Boss und Wurstfabrikant holt ja auch immer zum verbalen Rundumschlag aus, wenn er seinen Verein angegriffen und gefährdet sieht. Mia san mia SPD Kirner Land!

„Rettet das Kirner Krankenhaus!“ – Der Aufruf ist auch am Sonntag Programm, wenn die Bürgerinitiative ihren Y-Protestmarsch durch die Stadt startet. Eine Pflichtveranstaltung für alle Befürworter! Es wird ein riesiges Getümmel erwartet, denn schließlich findet zeitgleich ja auch der Bauernmarkt statt. Die Bühne ist bereitet, die Wetterprognose spricht von einem goldenen Oktobertag. Mehr geht nicht. Die Bürgerinitiative tut gut daran nicht nachzulassen mit dem öffentlichen Druck. Transparente, Trillerpfeifen und Schilder werden für eine entsprechende Atmosphäre sorgen. Alles für das Sorgenkind Krankenhaus. Ein zweites Kirner Sorgenkind ist ja der Monster-Wall in unmittelbarer Nachbarschaft des Krankenhauses. Was ist nur da oben los? Vielleicht sollten die betroffenen Anwohner sich dem Protest anschließen und ebenfalls Schilder in die Höhe halten. Mögliche Aufschrift: „Der Wall muss weg!“ Oder wie wäre es mit einem gemeinsamen Schild: „Für die Rettung des Krankenhauses opfern wir den Wall“! Oder der: „Das Krankenhaus bleibt hier, dafür bekommt ihr den Wall!“

„A Musi, a Maß un a Menge Gaudi“ – die Kirner stehen in den Startlöchern. A schierer Wahnsinn, wie Zeltwirt Frank Kiefer und sein Team den Kirnern das Oktoberfest-Gen verpassten. Wie man hört, sind beide Tage nahezu ausverkauft. Bravo. An sich verkehrte Welt, wenn ein Saarländer bayrische Feierkultur vom Allerfeinsten bei den Hunsrückern regelrecht perfektioniert. „Mia san mia! – Das südländische Lebensgefühl und die bayerische Selbstverständlichkeit und Ausgelassenheit werden das kommende Wochenende bestimmen. Hoffentlich haut das Bier nicht gleich so doll in die Birne. Die letzten Feste waren schon sehr gut. Was da auf den Tischen und Bänken so abging, ist an sich nicht mehr zu toppen. Oder doch? Man wird sehen. Da soll mal noch einer sagen, die Kirner sind steif und kommen niemals so richtig auf Touren. Im Gegenteil: „Oans, zwa, gsuffa“ – an allen Tagen geht es rund, von der ersten bis zur letzten Minute. Nur nicht für den Blog. Der hat keine Lederhose und außerdem Dienst.