Rückblick 20. Dezember

„Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?“ Rechtzeitig vor dem Fest der Feste hat die Landesregierung das Füllhorn über das Kirner Land ausgeschüttet. Und wie! In der Rolle des Christkindes schlüpfte die Innenstaatssekretärin Nicole Steingaß (SPD). Gleich zwei Schecks hatte sie an die Bürgermeister Martin Kilian (Kirn) und Michael Schmidt (Hennweiler) für städtebauliche Zwecke zu übergeben. Nun hätte man die symbolischen Schecks, genauer formuliert die Zusagen für die jeweiligen Beträge, mündlich am Telefon bestätigen oder mit der Post schicken können, aber dann wäre der öffentliche Show-Auftritt mit Tamtam, Pressefoto, Händeschütteln und roter Mappe futsch gewesen. Politiker, insbesondere die in Verantwortung im fernen Mainz, sonnen sich halt gerne bei solchen Anlässen und fahren dafür auch mal durchs Ländle. Wen juckt schon der ökologische Fußabdruck. „Schaut her, was wir für Euch alles Gutes tun,“ schallte die Botschaft ins Kirner Land hinaus. Weiter: „Jeder soll wissen, dass die Landesregierung an der Seite der Menschen steht.“ Stets im Hinterkopf der Überbringer ist ein nicht zu unterschätzender Werbe-Faktor für kommende Wahlen. Fällt der mündige Bürger darauf wirklich herein? Wohl kaum! Eher die kommunalen Politiker-Größen, die gute Miene zum bösen Spiel machen und sich in Demut artig bedanken. Müssen sie auch, denn sie wollen ja auch, dass man ihnen bei zukünftigen Anträgen ebenso wohlgesonnen ist. Ohne Zuschüsse läuft halt nichts. Die Abhängigkeit lassen sich die Mainzer Entscheider halt mit inszenierten Show-Auftritten bei Scheckübergaben inklusive bunten Pressebildchen bezahlen.  Eine schier Endlos-Spirale.

Was die Zusammensetzung des neuen VG-Rates angeht, ist Kirn der wahre Verlierer der Fusion. Aus der Stadt sitzen insgesamt nur zehn Vertreter mit am Tisch, wenn es um die Gesamtpolitik des Kirner Landes geht. Das ist gerade mal ein Drittel. Das größte Pfund auf mehr Einfluss- und Mitspracherecht hat sich in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet. Für Kirn ein Desaster, weil Bürgermeister Martin Kilian doch gefühlt als Erster Beigeordneter gesetzt war. Aufgrund der Mehrheiten, fällt für Kirn nur der Dritte Beigeordneten-Posten ab. CDU-Frau Cornelia Dhonau-Wehner gilt als Favoritin. Zu wenig, um gestalterisch mitwirken zu können. Fakt ist, Kirn wird bei zukünftigen Entscheidungen eher wenig Einfluss nehmen können. Merke, Kirn ist zwar „Mittelzentrum“, aber dennoch nur eine Ortsgemeinde im großen Gesamtgefüge. Dennoch, die Position der Schwäche, dürfte denen im VG-Rat sitzenden Vertretern aus der Stadt die kommenden Jahre bitter aufstoßen.

Muss man da Mitleid haben? Wie verzweifelt muss eine breite politische Landschaft sein, wenn sie einen in der breiten Öffentlichkeit umstrittenen Kandidaten auf das Schild des Ersten Beigeordneten der Verbandsgemeinde Kirner Land hieven möchten? Mehr noch: Einem, dem der Steuerzahlerbund vor nicht allzu langer Zeit in einer öffentlichen Stellungnahme in einem konkreten Fall noch, Zitat: „gelebte Vetternwirtschaft“ bei der Amtsausübung attestierte, wird sogar gehuldigt und als Experte angepriesen. Und das nicht nur von den eigenen Genossen. Können oder wollen Sozialdemokraten, CDU und Freie Wähler keine Alternative zu Hans Helmut Döbell ins Rennen schicken? Oder, was noch schlimmer wäre, trauen die sich nicht? Die personelle Bankrotterklärung hat zur Folge, dass der alte dann auch der neue Erste Beigeordnete werden wird. Interpretationsweise wohl auch unter dem Aspekt, dass der alte Hase den Neuling Thomas Jung an die Hand nehmen und anlernen soll. Will man dem frischgebackenen Bürgermeister auf diese Art und Weise einen Aufpasser durch die Hintertür verpassen? Ein Schelm der Böses dabei denkt! Nur braucht „Lucky-TJ“ keinen, der ihm sagt wo es langgeht. Einer, der schneller schießt und wählt wie sein Schatten, hat keinen Aufpasser nötig, schon gar nicht so ein Kaliber. Der findet seinen ganz eigenen Weg in die Erfolgsspur.

„Die Wahrheit liegt ja bekanntlich auf dem Platz.“ Die drei Euro fürs Phrasen-Schwein zahlt der Blog gerne. Im Gegensatz zum Fußball, liegt die Wahrheit in der Politik an der Wahlurne. Vor allem geheime Wahlgänge versprechen stets Spannung. Im Schutze der Anonymität wurde schon so mancher Kandidat abgestraft – selbst aus den eigenen Reihen. So gesehen, kann sich keiner der drei im Lostopf befindlichen Bewerber am 9. Januar seiner Wahl hundertprozentig sicher sein. Man denke nur an das „faule Ei“ innerhalb der SPD bei der Beigeordneten-Wahl im Stadtrat. Bei der geheimen Abstimmung votierte die eigene Fraktion nicht geschlossen für Peter Wilhelm Dröscher, wodurch der letztlich scheiterte. Spannung ist vor allem im ersten Wahlgang garantiert.

Apropos Beigeordneten-Wahl, es ist insgesamt erstaunlich still um die SPD geworden. Zu still! Still ruht ja bekanntlich der See. Friede, Freude Eierkuchen? Eher ist das Gegenteil der Fall. Bekanntlich hat das Personal-Karussell hinsichtlich der Beigeordneten-Wahl zuletzt doch ganz schön an Fahrt im Stillen Kämmerlein aufgenommen. Nicht eine Zeile stand in der Zeitung darüber geschrieben, wen die Partei vorschlagen wird. Sind den Spekulationen somit Tür und Tor geöffnet? Nicht ganz! Die Spatzen pfeifen es ja schon von den Dächern, dass Michael Schmidt außen vor ist. Warum der SPD-Vorsitzende und zugleich Stimmenkönig bei seinen eigenen Genossen durchfiel, ist rätselhaft? Wollte der nicht? Konnte der nicht? Durfte der nicht? Offiziell wird es sicherlich heißen, dass der Bürgermeister aus Hennweiler freiwillig verzichtete. Aus Zeitgründen vielleicht oder wegen familiärer Aufgaben. Dahingehend wird sich sicherlich ein Statement finden lassen. Apropos Hennweiler, da fällt auf, oh Schreck, kein Mensch aus der Politiker-Talent-Schmiede wird zukünftig in politisch entscheidenden Funktionen im Kirner Land unterwegs sein. Nach so vielen Jahren der Macht von der Höhe herab, kommt das fast schon einer Zäsur gleich.

Zum Schluss noch eine kleine Zeitungsschelte! Ein Weihnachtsmarkt wird abgesagt, weil das Wetter nicht mitspielt. Und? So etwas kommt schon einmal vor und ist im konkreten Fall auch nicht weiter tragisch, weil er am vierten Adventswochenende nachgeholt werden kann. Eine kurze Meldung über die Absage und den neuen Termin verkünden – passt und reicht. Warum nur in Gottes Namen widmet die Tageszeitung einem nicht stattgefundenen Weihnachtsmarkt dennoch eine halbe Seite? Bestimmt nicht des Nachrichtenwertes wegen. Der tendiert gleichsam gegen Null. Wahr ist, die Veranstaltung war in der Montagsausgabe als Aufmacher fest eingeplant. Wahr ist aber auch, die Zeitung hatte keinen Alternativ-Bericht im Stehsatz, um die kurzfristig entstandene Lücke niveauvoll schließen zu können. So wurde aus dem anvisierten Weihnachtsmarkt-Bericht kurzerhand ein Weihnachtsmarkt-Ausfall-Bericht. Kann man so machen, muss man aber nicht.