Über Bürgermeister-Wahl-Analyse, Anstand- und Moral, Wahl-Statements, Krankenhaus und Corona…

Es gibt keine Ausgangssperre für den satirischen Wochenrückblick. Selbst in Zeiten von Corona sind Spitzen erlaubt, vielleicht sogar erwünscht. Von daher, Feuer frei. Was war die Woche so alles gebacken? Politisch stehen da die Bürgermeister-Wahlen und die Folgen ganz vorne. Kirn wird zukünftig von einem Freien Demokraten gelenkt. Nicht schwarz, nicht rot, nein, gelb ist jetzt die kommandogebende Farbe. Gelb bedeutet Leuchten und Helligkeit und vermittelt Freude. Gelb steht für einen scharfen Verstand und Intellekt. Daher sind weitere Bedeutungen von Gelb die absolute Wahrheit, Rationalität und Weisheit. Im Gegensatz zu Rot, beflügelt Gelb den Geist. Möge die Farbe halten was sie verspricht. Übrigens, Kirn war seit je her tiefrot eingefärbt. Rot neigt aber dazu, schnell zu verblassen. Und blass sind sie geworden, die Kirner Sozialdemokraten. Und wie! Nach etlichen Schlappen und Enttäuschungen sogar bis zur Unkenntlichkeit verbleicht, möchte man bescheinigen. Wenn die Sozialdemokraten als schlagkräftige Partei wieder wahrgenommen werden wollen, wird man um einen personellen und konzeptionellen Neuanstrich nicht umhinkommen.

In der Niederlage zeigt sich die wahre Größe. Dass Claus Tressel die Bürgerinitiative „Rettet das Kirner Krankenhaus“ als unfaire Bürgermeister-Macher verantwortlich zeichnet, dafür braucht es schon die Lebenserfahrung eines 70-jährigen. Pardon, der zählt ja doch erst 69 Lenze. Vielleicht hätte der Öffentliche mal einen Blick in den Personalausweis des „Jubilars“ werfen sollen, bevor er das Geburtstagskind mit Sektlaune-Schnappschuss im 70er-Club willkommen hieß. Kleiner Lapsus in Zeiten von Corona! Kann ja mal passieren! Zurück zu seiner Wahlanalyse und dem Vorwurf von gelebter Instinktlosigkeit durch die Ensminger-Unterstützer. Allen voran war die Bürgerinitiative „Rettet das Kirner Krankenhaus“ gemeint. Moment, ist Tressel nicht selbst tragende Säule und Gründungsmitglied? Mit der Aussage hat er sich ja dann selbst belastet. Aber sowas von! Die Denke soll mal noch einer verstehen. Sei’s drum, die Wahlen sind eh gegessen. Mal so nebenbei bemerkt, hatte Christa Hermes nicht den Landesvorsitzenden Christian Baldauf an ihrer Seite. Nicht zu vergessen Landrätin Bettina Dickes, die noch unmittelbar vor der Wahl ein gemeinsames Frauen-Power-Bildchen postete. Übrigens, die Erbsenzählerei des CDU-Vorsitzenden mag ja noch verständlich sein bei einem engen Ergebnis. Bei fast 300 Stimmen Unterschied waren aber gewiss andere Faktoren als eine rein subjektiv empfundene BI-Unterstützung wahlentscheidend.

Keine Frage, Christa Hermes hat ihre Haut teuer verkauft. Dass sie knapp 300 Stimmen weniger bekam als ihr Konkurrent, daran wird sie noch eine Weile zu knabbern haben. Ihr Vorteil, als vorübergehende Stadtchefin ins Rennen gehen zu dürfen, verpuffte. Dass es unter dem Strich nicht mehr als eine kurzfristige Witterungsaufnahme wurde, dafür machte sie öffentlich auch ihre Partei verantwortlich. Hört, hört! In ihrem Statement bezeichnete sie sich als Einzelkämpferin. Häh? Wo waren ihre CDU-Freunde? Haben die sie etwa im Stich gelassen? Zwischen den Zeilen, lässt sich da ein leiser Vorwurf an die eigenen Kollegen herauslesen. Der Seitenhieb sitzt. Hatte sie sich insgeheim mehr Rückenwind erhofft? Wahr ist, ihr Wahlkampf war anders und nicht so sehr von Straßenkontakten geprägt. Wahr ist aber auch, sie konnte von der Position einer vorübergehenden Bürgermeisterin, gefühlt von oben herab, für sich werben. An sich ein gewaltiger Bonus, der sich aber ebenso nicht zielführend auswirkte, wie die aufgehübschten Plakate und Banner.

Zu den großen Verlieren der Wahl zählen die Sozialdemokraten. Die geben aber auch ein Bild ab. Ob die aus der politischen Quarantäne wieder herausfinden? Gerade für die hartgesottenen Sozis, dürfte sich die Zusammenarbeit im Stadtrat zur Charakterfrage entwickeln. Bleibt zu hoffen, dass die Zeit alle Wunden heilt und man den Reset-Knopf drückt. Alles auf null, auch im Umgang miteinander, so könnte es gehen. Jörg Schallmo haderte in seinem Statement mit dem Wahlausgang, der eigenen Wahlempfehlung, seiner eigenen Partei im fernen Mainz, dem Wähler – kurzum mit Gott und der ach so bösen Welt. Wie sagte doch schon ein berühmter Philosoph in Fußballschuhen: „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß!“ Und als ob das nicht schon genug Selbstkritik sowie auch Selbstmitleid gewesen wäre, packte er auch noch eine Wählerschelte in Sachen Parkhaus obendrauf. „Diese hätten sich in dieser Frage blenden lassen“, attestiert einer, der nunmehr dieses Projekt am Ende sieht. WOW, Schallmo hat bei seinem Rundumschlag aus seinem Herzen wahrlich keine Mördergrube gemacht. Hallo, nicht der Bürgermeister entscheidet über das für und wider, sondern die Mehrheit. Wenn die ein Parkhaus möchte, dann ist das (noch) nicht vom Tisch. Kopf hoch, da geht noch was. Wäre doch schade, wenn dem Blog das Dauer-Parkhaus-Reizthema wegbrechen würde.  Bitte nicht aufgeben!

Coronavirus und kein Ende in Sicht. Keine Frage, als Gewinner könnte das Kirner Krankenhaus aus der Krise hervorgehen. Plötzlich registriert jeder, wie wichtig Krankenhäuser sind. Auch die kleinen werden mehr denn je gebraucht. Es brauchte scheinbar erst ein solches Gesundheits-Dilemma, damit auch die letzten Politiker und Bürokraten die Bedeutung der Klinik am Rande der Stadt begreifen. „Die Corona-Krise führt uns eindrücklich vor Augen, dass Krankenhäuser deutlich mehr sind als ein Wirtschaftsunternehmen, das auf Gewinne zielt“, schreibt MdB Joe Weingarten. Recht hat er. Weiter schreibt er: „In Kirn haben wir als Politik zusammen mit der Bürgerinitiative „Rettet das Kirner Krankenhaus“ erlebt, was es heißt, wenn ein Krankenhaus in die Diskussion gerät, weil seine Finanzierung wackelt. Und das, obwohl das Krankenhaus eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung genießt und schlicht gebraucht wird, weil es ein wichtiger Teil der Grundversorgung ist. Der Erhalt der medizinischen Infrastruktur muss auf absehbare Zeit zu einem der obersten staatlichen Ziele erklärt werden. Mindestens bis die Corona-Krise überwunden ist, muss die Diskussion um die Schließung des Kirner Krankenhauses und anderer Krankenhäuser enden.“ Nicht ganz, Herr Weingarten. Streichen Sie das Wort mindestens, dann wird ein Schuh draus. Das Krankenhaus darf niemals nicht mehr in Frage gestellt werden. Nicht jetzt und nicht in Zukunft. BASTA!

Hat die Landkreis-Spitze früh und vernünftig oder spät und halbherzig auf das Corona-Virus reagiert? Letzteres trifft gewiss nicht zu. Im Gegenteil: In Bad Kreuznach machen die Verantwortlichen derzeit einen tollen Job. Ja, der Blog kann auch loben. Was ist, das ist! Umsichtiges und vorausschauendes handeln sind im Kreishaus Programm. Bettina Dickes und ihr Krisenteam haben die Lage fest im Griff. Zumindest kommt es so rüber. Zugegeben, die Krankheitsrate ist (noch) moderat und die Menschen hier spüren, aufgrund der niedrigen Fallzahlen, noch keine direkte Bedrohung, allerdings muss da ja nicht so bleiben. Umso erfreulicher ist die Tatsache, dass in schlimmen Szenarien gedacht und entsprechend vorausschauend Vorsorge getroffen wird. Gut vorbereitet zu sein, kann ja nicht schaden. Daher, weiter so. Weiter so auch mit den täglichen Lageberichten inklusive Statistik. Nicht jeder Kreis bekommt das auf die Reihe. Wie man hört, wird jetzt sogar an der Spalte der wieder genesenen Corona-Patienten gearbeitet. Top!!! Der Blog klatscht heute Abend Beifall auf dem Balkon!