Stiftskirche St. Johannisberg

Die Kirchengemeinde St. Johannisberg ist eine ländlich geprägte Gemeinde an der oberen Nahe. Ihre Ausdehnung und Grenzen sind identisch mit der Kommunalgemeinde Hochstetten-Dhaun. Sie besteht wie diese aus den fünf Ortsteilen Hochstetten, Hochstädten, Dhaun, Karlshof und St. Johannisberg mit insgesamt ca. 1800 Einwohnern. Etwa 1160 Gemeindeglieder gehören zur Kirchengemeinde.

Es gibt vier Kirchen in unserer Gemeinde, deren älteste, die ehemalige Stiftskirche St. Johannisberg, von ihrem Standort und ihrer Geschichte den anderen deutlich vorgeordnet ist. Es gibt ein Gemeindehaus und ein Pfarrhaus im größten Ortsteil Hochstetten.

Die kleine Kirche auf dem Berg wurde erstmals 1283 als Besitz der Wild- und Rheingrafen zu Dhaun urkundlich erwähnt. Das Stammschloss steht drei Kilometer entfernt im Ortsteil Dhaun. Das Gotteshaus war wahrscheinlich von Anfang an als Grabkirche der Wildgrafen gedacht. Bis 1318 in Privatbesitz, wurde sie dann dem Mainzer Erzbischof unterstellt und zur Stiftskirche erhoben, an der zuerst vier, später sechs Geistliche (Stiftsherren) die Gottesdienste hielten.

Damals bestand diese Kirche nur aus einem rechteckigen Raum ohne Chorraum und Turm; sie war also eine kleine Hallenkirche. Seit dem 15.Jhr. entstanden Erweiterungen mit Geldern der Wild- und Rheingrafen wie der Turm (Glocke von 1458) und Ansätze eines gotischen Gewölbes, wovon noch einige Rippensockel zu sehen sind. Letztlich vollendete man 1465 die heutige Flachdecke. Der Chorraum entstand erst im 16. Jahrhundert. Darunter lag die Familiengruft mit nebeneinanderliegenden Zinnsärgen. Die Kanzel stammt aus dem 17. Jahrhundert.

Seit der Erhebung zur Stiftskirche wuchs im Laufe von 200 Jahren der Kirchenbesitz durch Stiftungen ständig an und schrumpfte erst um 1540 durch die reformatorische Bewegung. 1561 erfolgte die Umwandlung in eine lutherische Superintendentur, was zur Verwaltung großer Gebiete und Gemeinden bis hin nach Kaiserslautern führte. Man bemühte sich, fähige Theologen, die von weit herkamen, einzusetzen. Die Folge war, dass es starke Impulse nach außen gab. 1614 endete mit dem Tod Albrechts von Hellbach die Superintendentur auf St. Johannisberg. Sie ging in die erste Pfarrstelle in Kirn über.

Dennoch blieb die Kirche bis zum Aussterben der Dhauner Wild-und Rheingrafen Mitte des 18. Jh. Begräbnisstätte. Die Gräber wurden durch die Franzosen geplündert und geschändet. Bei der 1844 erfolgten Renovierung der Kirche fand man noch einen Zinnsarg und ein Kästchen aus Eisenblech mit einer herzförmigen Kapsel aus Blei mit folgender Inschrift:

Die Toten der Gemeinden Dhaun und Hochstetten wurden übrigens bis 1890 im Kirchgarten rund um das Gotteshaus begraben. Kunsthistorisch bedeutsam ist die Stiftskirche durch eine Fülle von Grabdenkmälern über vier Jahrhunderte hinweg – insgesamt 22. Einige davon haben eine hohe künstlerische Qualität und sind durchaus mit manchen Epitaphen des Mainzer Doms vergleichbar.

Zum Schluss noch eine Bemerkung zu einem weiteren Glanzstück unserer Kirche, nämlich der Stumm-Orgel. 1844 oder 1856 erwarb die Zivilgemeinde Hochstetten von der Gemeinde Laubach bei Simmern im Hunsrück eine Orgel, die 1782 von Friedrich Carl Stumm erbaut worden war. Der Kirner Orgelbauer Gustav Stumm baute 1902 eine neue Klaviatur ein. Nach einer Renovierung 1967 durch die Firma Oberlinger konnte die Kirchengemeinde im Frühjahr 1995 eine Generalüberholung durchführen lassen, wobei Orgelbauer Rainer Müller aus Odernheim/Glan sein meisterliches Können zeigte. Es entstand ein Instrument mit beachtlichem Klangvermögen, eine typische Stumm-Orgel. Inzwischen gab es schon eine Reihe von Konzerten, z.B. im Dezember 1999, als SWR 4 zu einem festlichen Weihnachtskonzert mit Trompete und Orgel eingeladen hatte.

Quelle Johannisblume