Traum- oder Albtraum Skywalk!

Der Nahe-Balkon ist regionaltouristischer Traum- und leider mehr und mehr Endziel für Selbstmordwillige. In diesem Jahr waren es schon drei Menschen, die sich herabstürzten. Entwickelt sich der Skywalk nunmehr zum Hotspot? Es steht zu befürchten. Leider! Kann der entschärft werden, um Leben zu retten? Und wenn ja wie? „Will sich jemand umbringen, kann man ihn nicht davon abhalten“ – das weit verbreitete Argument widerspricht jeder Suizidprävention. Das darf weder von der Politik, noch von allen anderen Gruppen- oder Institutionen herangeführt werden, wenn es darum geht, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Müssen die ergriffen werden? Der Blog meint ja. Der wurde in den vergangenen Wochen mehrfach angeschrieben und gebeten – auch von Anliegern aus Johannisberg – dieses sensible Thema aufzugreifen. Das gilt an sich als absolut tabu. Der weiß von Berufs wegen, um die ethisch und moralische Sprengkraft, die mit einer öffentlichen Debatte einhergehen. Dennoch, trotz einem selbst auferlegtem Verhaltenskodex, ist Stillschweigen hier nicht wirklich eine Option. Einerseits gilt auch für den Blog das Gebot, über Suizide nicht oder nur zurückhaltend zu berichten, weil Auslassung bei gefährdeten Menschen zu Nachahmungen führen kann. Anderseits kann man die Augen nicht immer verschließen. Nicht, wenn es Möglichkeiten gibt, durch effektive Maßnahmen einer beängstigenden Entwicklung entgegenzuwirken.

Fakt ist, bestimmte Bauwerke ziehen Suizidwillige magisch an. Der Skywalk gehört nunmehr definitiv dazu. Die Tatsache lässt sich nicht mehr leugnen. Wird über Suizide in den Medien berichtet, lenkt dies zusätzliche Aufmerksamkeit auf den Ort des Geschehens. Zum einen ist eine Zurückhaltung der Medien bei der Berichterstattung hilfreich, zum anderen können bauliche Veränderungen entweder den Zugang zu den Hotspots verhindern oder einen Suizid einfach nur erschweren. Letzteres gilt es in den Fokus zu rücken. Lässt sich der Skywalk entschärfen? Definitiv ja! Will jemand vom hippen Nahebalkon springen, und der ist gesperrt, dann geht er nicht zu einer anderen Anhöhe, sondern nach Hause. Der plötzliche Impuls, sich töten zu wollen, ist möglicherweise vorüber, bevor er sich ein anderes Ziel gesucht hat. Daher sollte die Ortsgemeinde Maßnahmen ergreifen, um den Zugang – etwa zur Nachtzeit – zu erschweren. Einen vollständigen Schutz wird es nur bei einem kompletten Rückbau geben. Kein Skywalk, keine Sprünge in die Tiefe. So einfach ist das. Nur einfach wird mutmaßlich an den politisch Verantwortlichen scheitern.

Die wollten den unter allen Umständen, wohlwissend, dass es Suizide geben könnte. Zumindest im Hinterkopf hatte man die auf dem Schirm. Alles andere wäre Augenwischerei gewesen. Wenigstens kleine Hürden, die ließen sich im Nachhinein noch einbauen. Es ist einfach zu einfach. Etwa höhere Geländer, Fangzäune, Verschluss durch ein Tor zur Nachtzeit und, und, und. Diesbezüglich sollte man sich unbedingt Rat von Fachleuten einholen. Die gibt es. Man muss sie nur fragen. Und wenn solche Veränderungen nicht spürbar wirken, dann muss das Ding eben weg. Bevor der Aufschrei jetzt zu laut wird, reine Blog-Meinung, nicht mehr und nicht weniger. Es sei denn der Balkon will zukünftig mehr mit Suiziden in Verbindung gebracht werden, statt mit einem touristischen Highlight. Reißt die Serie nicht ab, dann ist es der Ausguck über das Nahetal einfach nicht mehr wert aufrecht erhalten zu werden. Punkt! Darüber hinaus, will man Einsatzkräften, Anliegern und nicht zuletzt den Angehörigen weiterhin einen Balkon zumuten, wenn der Trend sich nicht stoppen lässt? Mit dem ersten Sprung in die Tiefe hat der ohnehin seine Unschuld verloren.