Schulsport „Ja“, Abiball „Nein“

Brandschutz und fehlende Rettungswege verhindern Veranstaltungen in der Halle Berger Weg.

Die Gymnasium-Turnhalle am Berger Weg war über Jahrzehnte hinweg legendär für ihre Veranstaltungen: Showtanzwettstreite, Chorauftritte oder der Festkommers der TuS Kirn zu ihrem 150-jährigen Bestehen – alle nutzten die Turnhalle. Aber auch für das benachbarte Gymnasium hat die Halle nicht nur sportliche Bedeutung. So wurden dort seit Jahren Abi-Bälle veranstaltet oder andere Partys organisiert. Seit 2012 ist allerdings Schluss mit Lustig! Sowohl für die Feier nach der Schullaufbahn, als auch für Konzerte und sonstige Veranstaltungen bleiben die Türen zu. Der Grund: Brandschutz und fehlende Notausgänge.

Der Kreis hatte seinerzeit die notwendigen baulichen Maßnahmen auf 45.000 Euro veranschlagt. Der damalige Landrat Franz Josef Diel (CDU) hatte bereits seine Zustimmung für die Investitionen signalisiert, allerdings mit der Auflage verknüpft, dass sich die Stadt Kirn und die Verbandsgemeinde Kirn-Land an den Kosten beteiligen. Klingt in sich logisch und vernünftig, verfehlte aber 2012 dennoch ihr Ziel. Die damaligen Bürgermeister lehnten nämlich kategorisch ab. Kopfschütteln allenthalben über so viel Sturheit sowie einer folgenschweren Blockadehaltung noch heute. Dabei wären die Maßnahmen für relativ kleines Geld umzusetzen gewesen. Die Folge: Seither ist die Halle tabu für jegliche Art von Veranstaltungen. Finde den Fehler?  Die Haupt-Leidtragenden dieses Paradebeispiels provinziellem Schubladen-Denkens waren und sind vor allem die Abiturienten, die Jahr für Jahr ein Ausweichquartier für ihren Abi-Ball suchen müssen. Dabei liegt das Gute doch so nah, um nicht zu erwähnen, gleich nebenan!

In der Region sind große Hallen rar. Auch der kommende Jahrgang hat noch kein Quartier gefunden. Idealer Zeitpunkt, um das Thema nochmals in den Fokus zu rücken, oder nicht? Mittlerweile haben sich die politischen Voraussetzungen gottlob geändert. Mit den Bürgermeistern Martin Kilian und jetzt Thomas Jung ist ein neuer und offenerer Politikstil eingekehrt. Im Verbund mit Landrätin Bettina Dickes (CDU), ist dem Dreigestirn durchaus zuzutrauen, dass sie eine faire und tragfähige Lösung für die Hallenbenutzung außerhalb des Schulsportes finden könnten. Es müsste doch mit dem Teufel zugehen, wenn ein gemeinsam getragenes Projekt unter dem Motto „Halle für alle und für alle Gelegenheiten“ zum Wohle des Kirner Landes nicht zeitnah umgesetzt werden könnte. Vielleicht sollte man mal einen entsprechenden Vorstoß neu formulieren. Eventuell das Gymnasium`? Egal, der Blog übernimmt mal den ersten schriftlichen Anstoß.

Rein baulich handelt sich doch lediglich um eine Verbreiterung der Fluchtwege, neue Türen und eine bessere Beschilderung. Keine riesige Investition und kein großer Aufwand, möchte man annhemen. Kleines Geld, große Wirkung! Die Halle verfügt nicht nur über Größe und Akustik, sondern auch über geeignete Bestuhlung und über eine nagelneue Schutzhülle für den Hallenboden – finanziert durch den Förderverein des Gymnasiums. Angesichts der Gegebenheiten muss die Frage erlaubt sein ob Kirn sich den Luxus leisten kann, auf die Halle als größter zur Verfügung stehender städtischer Veranstaltungsort dauerhaft zu verzichten. Für den kommenden Abi-Ball ist die Zeit zwar zu knapp, aber mit ein wenig guten Willen, sollten Feiern zeitnah hier wieder Brauch sein können. Und auch wenn der Schulsport unter den gegebenen Umständen bedenkenlos möglich ist, dürften breitere und mehr Fluchtwege im Falle eines Falles durchaus hilfreich sein. Darüber sollte man auch mal nachdenken!