Realsatire: Die Sache mit der Wachküsserei

Was für eine märchenhafte Titelzeile: „Dornröschen soll bald erwachen auf Schloss Dhaun!“ Auserkoren als Prinz wurde unter anderem auch der Visionär Rüdiger Lanz. Der Licht-Experte aus Simmertal will das Schloss in einen „LED-Leuchtturm“ verwandeln, heißt es im unlängst erschienenen Artikel weiter. Soso! Neben der markanten Beleuchtung des Parks, plant der Tüftler den Umbau von Zimmern auf Fünf-Sterne-Niveau für eigene repräsentative Zwecke. Wenn das mal keine guten Nachrichten für die (noch) schlummernden Gemäuer sind. Die Erwartungshaltung ist jedenfalls massiv geweckt. Die Botschaft hör ich wohl, allein mir fehlt der Glaube. Dass der Blog massiv auf die Euphorie-Bremse tritt und stattdessen lieber den zurückhaltenden Warner und Mahner mimt, hat jedoch einen triftigen Grund.

Vielleicht sollten diejenigen, die sich jetzt vor Freude über den Coup mit einem weltweit agierenden ambitionierten regionalen Unternehmen auf die Schenkel klopfen, den Blick mal nach Meisenheim richten. Wie Insider dort berichten, hatten die Diakonie-Werkstätten auch eine riesige Erwartungshaltung an das Simmertaler Unternehmen. Zur Erinnerung: In einem im April erschienenen Zeitungsbericht wurde eine Lampen-Fertigung im großen Stil in Zusammenarbeit mit den Werkstätten angekündigt. Zum Leidwesen aller Mitarbeiter stockt die jedoch, beziehungsweise ist noch gar nicht auf Touren gekommen. In Erwartung überquellender Auftragsbücher, wurden seitens der Diakonie vorab schon zehntausende Euro in Fertigungstische investiert und anderen potenziellen Auftraggebern abgesagt. Dumm gelaufen! Die Arbeitsplatzauslastung gestaltet sich seither schwierig, weil explizit Kapazitäten für die Lampen freigehalten wurden.

Mit neuen Energie-Leuchten in die Erfolgsspur? Eher ist das Gegenteil der Fall. Die teuren Tische stehen nutzlos herum, weil sich die erhoffte Ära nicht einstellte. Nichts ist es geworden mit der angepriesenen Auslastung. Stattdessen herrscht purer Frust in den Werkstätten. So etwas nennt man dann unternehmerisch wohl den berühmten Griff ins Klo. Vielleicht ändert sich die Lage ja auch irgendwann zum Guten. Man weiß ja nie. Bis dahin kocht man in den Werkstätten halt auf „Sparlampe“, um im Fachjargon zu bleiben. Fürwahr eine bittere Pille, die, so pfeifen es die Spatzen zumindest von den Dächern, schon so manchem Verantwortlichen auch schon unangenehm aufgestoßen sein soll. Eine Medizin die das Dhauner Schloss – um wieder den Bogen nach dort oben zu spannen – nicht braucht.