Realsatire: Das Märchen vom Ehrenamt

„Ehrenamtlicher Hauptamtlicher“ – Schlagzeilen sind bisweilen doch sehr irreführend. Zum Abschluss des alten Jahres verpasste der Öffentliche Anzeiger dem Ersten Beigeordneten Hans Helmut Döbell diesen sympathischen Ritterschlag. Eine Charme-Offensive par excellence. Aber sowas von! Als ehrenamtlicher Hauptamtlicher führe er die Verbandsgemeinde, und das schon seit Monaten. Aufopferungsvoll, versteht sich. Merke, mit Ehrenamt verknüpft Ottonormalverbraucher immer ein Engagement ohne oder mit geringer finanzieller Aufwandsentschädigung. Ein Irrglaube, der mal aufgeklärt gehört. Unterschlagen wird geflissentlich, dass der Posten des Ersten Beigeordneten bei Amtsausübung vergütet wird – und das nicht zu knapp. Speziell bei Döbell bezieht der also „Gehalt“ sowohl von diesem, als auch seiner ursprünglichen Bürgermeister-Engagement.

Relativiert sich da nicht das ins Schaufenster gestellte ehrenamtliche Engagement, zumal er intern noch lancierte, dass er sich für deutlich unterbezahlt hält. Richtig gelesen, “UNTERBEZAHLT“. Dem Vernehmen nach blieb der Vorstoß einer deutlichen Anpassung allerdings im Versuch stecken. Zurecht! Nur mal eben zur Relation, wenn einer Monat für Monat „ehrenamtlich“ deutlich mehr „nebenher“ zur der Rente einstreicht, als nahezu jeder „normalverdienende“ Familienvater an der Nahe durch Vollzeit in der Lohntüte vorfindet, dann erscheint das Wort Ehrenamt mehr als überstrapaziert. Für das üppige Salär darf es auch schon mal stressiger und tagfüllender zugehen. Übrigens, nachzulesen ist die finanzielle Vergütung in der Landesverordnung über die Aufwandsentschädigung für kommunale Ehrenämter (KomAEVO).

Von seiner Entlohnung steht in der Homestory nicht eine Zeile. Die gehört aber auch zur Wahrheit und sollte der Vollständigkeit halber abgebildet werden. Die klitzekleine Ergänzung übernimmt der Blog doch gerne. Auch ehrenamtlich, im Gegensatz zu Döbell, allerdings im wahrsten Sinne des Wortes! Kleiner, aber feiner Unterschied. Eigentlich habe Döbell für sich und seine Frau mehr Freiräume in der Rente gewünscht, heißt es weiter im Artikel. Was in Gottes Namen steht dem entgegen? Wünsche gehen in Erfüllung. Man muss es nur wollen. Wenn nicht jetzt, wann dann? Stattdessen strebt einer, der fehlende Freizeit durchblicken lässt, Posten-Geschacher aber dennoch nicht lassen kann, erneut das Amt des Ersten Beigeordneten an? Ehrenamtlich versteht sich.