Nicht alle SIMONIANER verharren in Jubelstimmung und Feierlaune!

Heile SIMONA-Welt. Wenn man es nicht es nicht aus internen Quellen besser wüsste, könnte man meinen, der Deal mit dem türkischen Unternehmen hätte für die Mitarbeiter keine oder nur vernachlässigbare Konsequenzen. Zumindest in der Tageszeitung liest sich der Artikel wie ein Coup, von dem unter den Strich nahezu alle profitieren. Doch weit gefehlt. Der hat gravierende Auswirkungen auf den Mitarbeiterstamm in den Fertigungshallen. Um dies voraussagen zu können, braucht es kein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium. Dafür genügt einzig der gesunde Menschenverstand. In über einhundert Zeilen wird Simona für Weitsicht und unternehmerisches Geschick regelrecht gefeiert. Boah, mehr geht nicht! Die Zeitung transportiert alles, was Vorstände und Presseabteilung gerne lesen. Es liest sich wie eine Huldigung XXL. Zugegeben, der eine kleine Satz, wonach man den zwangsweise Jobabbau in der PVC-Schaumplatten-Produktion im Stammsitz größtenteils sozialverträglich durch Pensionierungen oder Fluktuation erreichen wolle, stört ein wenig die positive Außendarstellung. Aber selbst der liest sich recht nett. Ist er aber nicht. Während in den Teppichbodenabteilungen die Sektkorken knallen, dürfte zeitgleich in den Produktionshallen Frust und Unsicherheit herrschen. Feierlaune dort, Fehlanzeige! Es jubelt sich halt nur bedingt, wenn man um seine. Existenz bangen muss. Mutmaßlich werden 20 Prozent der Belegschaft nicht mehr benötigt. Und das Ziel lässt sich nur über zusätzliche Kündigungen erreichen.

Wie viele SIMONIANER betroffen sein werden, darüber stand offenbar nichts in der Pressemitteilung. Insider, die dem Blog namentlich bekannt sind, gehen von bis zu 50 Mitarbeitern aus, die kurzfristig nicht mehr benötigt werden. Boah, das wäre eine stattliche Zahl. Super, wenn es weniger wären. Hoffentlich dementiert das Unternehmen diese Behauptung! Dass freilich Arbeitsplätze wegfallen, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Sind detailierte Nachfragen zu diesem sensiblen Thema unerwünscht? Schaut ganz danach aus. Vielleicht zieht der Öffentliche ja noch was nach. Muss er irgendwie auch, um glaubwürdig zu bleiben. Der ist ja nicht der Führungsetage, sondern seinen Lesern verpflichtet. Und die erwarten nicht einseitige, vielmehr vollumfängliche Berichterstattung. Überhaupt, wie anders ist zu erklären, dass der gleiche Redakteur nicht an die von ihm selbst festgehaltenen Aussagen aus dem Frühjahr erinnerte, wo der Vorstand alleine schon Denkweisen in Richtung Türkei vehement dementierte. Da hatte man doch glatt den Schreiberling angeschmiert. Finde den Fehler? Wieso gerade jetzt die Kehrtwende, die, wenn man ehrlich ist, keine war? Wäre nicht eine andere, mehr mitarbeiterbezogene Herangehensweise, nicht die ehrlichere Option einer Darstellung gewesen?

Blöd, Konfrontation mit einem gebrochenen Versprechen ist bei Vorständen halt nicht unbedingt gewollt. Lieber den Ball flach halten und nicht so viel Staub aufwirbeln. Und wenn, dann nur seicht und häppchenweise. Da unterliegt die Zeitung gewissen Zwängen. Der Blog nicht. Der muss mit seiner Einschätzung nicht hinter dem Berg halten. Daher, Feuer frei! Die Leser hätten sich sicherlich auch mehr Aufklärung hinsichtlich eines Partners gerade aus der Türkei gewünscht. Warum muss das Unternehmen ausgerechnet in einem Land aktiv werden, dass nicht mehr weit davon entfernt ist, auf der Liste der Schurkenstaaten geführt zu werden? Nun, wen interessieren schon Moral und Werte, wenn es um Profitstreben geht. Die Aktionäre haben nur die Kurse im Blick. Logisch, SIMONA muss sich am Markt orientieren und sich auf dem auch behaupten. Die Konkurrenz ist groß. Das beinhaltet allerdings nicht, auf dem weiteren Weg zur Spitze, die Mitarbeiter nicht vollumfassend mitzunehmen. In punkto Türkei-Deal hat die Führung das jedenfalls nicht getan. Im Gegenteil: Man hat die besseren Wissens regelrecht belogen und in Sicherheit gewogen. Klingt hart, ist aber nichts anderes als die reine Wahrheit. Pfui, Vertrauensbasis geht anders. Welche Rolle spielte der Betriebsrat bei dem Kauf? War der im Vorfeld eingeweiht? Und wenn ja, warum hat der geschwiegen? Warum trägt der eine Unternehmensentscheidung mit, bei der es vielen Kollegen an den Kragen geht. Fragen über Fragen! Ganze Zeitungsseiten ließen sich mit dem Thema füllen. Werden sie es auch? Wohl kaum!

Deckel drauf, der Drops ist gelutscht? Schaut ganz danach aus. Der Aufschrei wird verstummen und die Lage sich entspannen. In ein paar Monaten fragt keiner mehr nach den Auswirkungen. Und irgendwann kommt man mit dem nächsten Coup um die Ecke, der dann vielleicht wieder Arbeitsplätze kosten wird? Zukunftsmusik! Man darf jetzt schon gespannt sein, inwieweit sich die Expansion intern auswirkt. Warten wir mal die weiteren Veröffentlichungen ab. Der Blog verfolgt die weiteren Schritte jedenfalls mit großem interesse und der wird darüber berichten.