Live-Kochevent mit Bettina Dickes ist gut gemeint, aber nicht zu Ende gedacht!

Eine „Küchenschlacht“ aus der Rubrik gut gedacht schlecht gemacht: „Willkommen im Dickes-Kochstudio“! Unsere Landrätin lädt uns alle am Samstag zum medialen kochen ein. Unter dem Motto „zusammenkochen, zusammenhalten – gemeinsam gegen einsam“ will unsere „Kreis-Mutti“, stellvertretend für die Gemeinschaft, am Herd stehen. Nicht alleine, sondern mit einem echten Profi an ihrer Seite. WOW, angeleitet wird die ergiebig beworbene Koch-Livestream-Aktion zum Mitmachen – die in erster Linie als kleines Dankeschön für große Disziplin der Menschen im Umgang mit den Corona-Regeln verstanden werden soll – von dem Bad Sobernheimer Sternekoch Philipp Helzle. Keine Frage, angenehmer und sicher gerne mitgenommener Werbeeffekt für das Haus BollAnts Spa im Park, für das sie schon in den filmischen Einspielern das Logo werbewirksam in die Kamera hielt – geschenkt!

Zubereiten mit Dickes, um ein Gemeinschaftsgefühl in diesen doch teilweise eher einsamen Corona-Zeiten zu erzeugen ist gut gemeint, aber nicht ganz zu Ende gedacht. Schon ein erster Blick auf die Zutatenliste, inklusive dem passenden Weinen, suggeriert, dass die Mit-Köche am heimischen Herd bei einer eins zu eins Übertragung etwas tiefer in den Geldbeutel werden greifen müssen. Da werden sich sicherlich alle diejenigen freuen, die angesichts Kurzarbeit geradeso über die Runden kommen. Keine Frage, bei einem gewissen Personenkreis muss die Aktion ankommen wie eine zusätzlich Ohrfeige. Vom Mitgucken wird man aber nicht satt.

Merke, nicht jeder kann in diesen Krisen-Zeiten feudal kochen und speisen! Ein bewusst breit angelegtes GEMEINSAM gegen EINSAM geht anders! Ein Menü auf Sterne-Niveau in drei Gängen zum live mitkochen soll es sein. Warum nicht ein typischen regionales Menü für alle und jeden Geldbeutel? Eine Spur bürgerlicher eben! Überdies, zubereitet in einer systemrelevanten Küche, die eher symbolhaft für die Krise steht als die Show-Variante im Luxus-Ressort. So wird ein Schuh draus! Sei’s drum die Entscheidung ist gefallen. Dennoch, eine Region kann am Herd auch mit weniger Schnickschnack – im wahrsten Sinne des Wortes – zusammenstehen. Und auch wenn dem Blog angesichts Fisch, Spargel, Schweine-Filet, und, und, und direkt das Wasser im Mund zusammenläuft, wird der kneifen. Too much Selbstinszenierung sowie too much Werbe- und Wahlkampfzweck mit Freunden, und dies, trotz eingepflegter Spendenaktion. Um in der Koch-Sprache zu bleiben: „Es hat ein Geschmäckle“.