Künstler Helmut Reit

Die Brunnengasse gleicht fast schon einem Freilichtmuseum. Hier wohnt und arbeitet Helmut Reit, umgeben von seinen Kunstwerken aus Metall. Ein Anblick, den man gerne sieht. Hier ein paar Impressionen sowie zwei Berichte aus der Presse anlässlich seines 80-jährigen Geburtstages sowie der Verleihung des Goldenen Meisterbriefes:

Der Heckespatz aus Kupferblech. gestiftet anlässlich Einweihung des Freizeitplatzes in Hochstädten

Ehre wem Ehre gebührt. Die Handwerkskammer Koblenz kürt alljährlich ihre Altmeisterinnen und Altmeister, die vor 50 Jahren ihre Meisterprüfung abgelegt haben, mit dem Goldenen Meisterbrief. 2017 stand auch Schlosser Helmut Reit aus Hochstetten-Dhaun ganz oben auf der Ehrungsliste. In fünf Jahrzehnten war der ausgewiesene Experte für die Lösungen kniffliger Metallbauarbeiten sowohl in der eigenen Branche, als auch bei den Kunden hochgeschätzt. Es gab nichts, woran sich der Altmeister nicht heranwagte. Seine Handschrift war unverwechselbar, sein Stil, insbesondere bei der Verarbeitung von Kupfer, richtungsweisend für andere, seine beeindruckende Lebensleistung Werbung für das gesamte Metall-Handwerk.

Und das hält bekanntlich fit und gesund, wie man an ihm unschwer erkennen kann. Ein paar Wehwehchen vielleicht, doch insgesamt hat er noch Kraft und Power genug, um nahezu täglich den Hammer auf dem Amboss tanzen zu lassen. Noch heute ist er unermüdlich künstlerisch für sich zu Hause oder als Ratgeber für andere in seiner alten Firma aktiv. „Ohne Arbeit kann ich nicht, ohne Arbeit will ich nicht“, diesem eigenen Vorsatz ist er immer treu geblieben. Und an seinem Lebensmotto hat sich bis heute nichts geändert. Im Gegenteil: Reit hat trotz seines fortgeschrittenen Alters noch viele Pläne zur Verschönerung seines Anwesens mit Hinguckern der Ideenschmiede Reit aus Edelmetall in der Pipeline.

Einige Ehrungen für berufliches und freiwilliges Engagement zieren schon die Wände seines alten Büros. Jetzt kommt eine weitere dazu. Stolz hält er die Urkunde in die Kamera. „Die wird jetzt gerahmt und bekommt einen Ehrenplatz“, sagt einer, der schon frühzeitig durch Kunst, Kreativität und Können namhafte Architekten überzeugte und dadurch eine Reihe von Sonderaufträgen abseits des Tagesgeschäftes an Land ziehen konnte. Der Name Reit stand und steht noch immer für Qualität.Dem Altmeister setzt der Goldene Meisterbrief die Krone auf. Eine Art Hommage für seine Lebensleistung, auch im Hinblick auf die Ausbildung des Nachwuchses. Als langjähriger Obermeister hat er die Förderung im Landkreis Bad Kreuznach entscheidend mitgeprägt. „Die Feier fand in einem sehr feierlichen Rahmen statt“, klingen dem mittlerweile 81-jährigen die lobenden Worte von Kammerpräsident Kurt Krautscheid wie Musik in seinen Ohren. Als Reit 1954 seine Schlosserlehre in einem kleinen Betrieb in Delmenhorst machte, hätte er sich wohl nicht träumen lassen, dass er einmal einen eigenen Betrieb in Hochstetten-Dhaun führen würde.

Klein aber fein fing er im Hof des Wohnhauses in der Brunnengasse an. „Ich hatte nur eine Kantbank, eine Schere, eine Presse – und viel Ehrgeiz und Zuversicht“, erinnert sich Reit. Seine Mitarbeiter bildete er selbst aus. Erst Jahre später erfolgte der Wechsel in die eigene Halle im Industriegebiet. Vor allem aus Platzgründen. Die Zahl der Mitarbeiter wuchs ständig. Ein Novum: Reit bildete sie nahezu alle selbst aus. „An neuer Wirkungsstätte trieben wir Stahlbau, Blechverarbeitung, Gitter, Geländer, Treppen – eigentlich jede Art von Schlosserarbeit, weiter voran“, sagt der Firmengründer nicht ohne Stolz. Aus dem Tagesgeschäft hat er sich vor Jahren schon zurückgezogen. Bei seinem Sohn Sascha weiß der Senior in guten Händen, was er aufgebaut hat. „Ab und zu helfe ich auch noch mal, wenn Not am Mann ist oder Rat gefragt ist“, meint Reit.

Großer Bahnhof für Helmut Reit: Der Metallbauer aus Leidenschaft wird heute 80 Jahre alt. Man merkt ihm das gesegnete Alter nicht an. Im Gegenteil: Während andere die Füße hochlegen, vielleicht ihre Wunden lecken oder nur ihr Rentendasein ausgiebig genießen wollen, steht er noch nahezu täglich am Amboss und schmiedet, brütet über komplizierten Werkstücken, gibt Ratschläge oder fertigt nicht alltägliche Kunststücke für sich selbst oder andere. Nicht zu vergessen, die ständigen Verbesserungen in Haus und Garten. Kurzum, Reit ist der klassische Un-Ruheständler schlechthin. Die Hände in den Schoß legen, das kennt er nicht. Ungebrochen ist seine Schaffenskraft. Dabei hätte der „Alt-Meister“ allen Grund nach einem mehr als erfüllten Arbeitsleben seinen Ruhestand nur noch mit Nichtstun oder Müßiggang auszufüllen.

Wenn er spricht, huscht oft ein spitzbübisches Lächeln über sein Gesicht. Dem ehemaligen Unternehmer hat gerade diese schelmische Art im Umgang mit Kunden geholfen Barrieren abzubauen sowie Nähe und Vertrauen zu schaffen. „Ich bin sehr zufrieden mit meinem Leben, bin körperlich einigermaßen gesund und im Oberstübchen noch klar. Dafür bin ich dankbar“, sagt einer, der nicht nur in seinem Arbeits-, sondern auch Privatleben vieles richtig gemacht hat. Zusammengefasst, mehr Höhen als Tiefen pflasterten seinen Weg.

Unzähligen Menschen hat er mit seinem Geschick geholfen. Seine Schlosserei stand immer für Lösungen komplizierter Ausführungen. Das war so, das ist so und wird wohl auch immer so bleiben. 1967 legte Reit nach langer Vorbereitungszeit selbst seine Meisterprüfung ab. Damals spekulierte er schon auf eine eigene Schlosserei, ein Wunsch, der sich nur wenige Monate danach erfüllte. Die kleine Schlosserei in einer Garage am Haus expandierte in wenigen Jahren zu einer modernen Halle im Industriegebiet.

Wenn der gelernte Kunstschmied alter Schule über seine Arbeit in all den Jahren spricht, gerät er ins Schwärmen. „Wir haben stets qualitativ hochwertige Werkstücke im Auftrag von mehr oder weniger bekannten Architekten, Firmen oder Privatleuten produziert. Kamine, Markisen, Geländer, Treppen und Fenstergitter“. Die Produktpalette aus den verschiedensten Materialien ist nahezu unerschöpflich.

Individuelle Kundenwünsche zu erfüllen war und ist noch immer unser Markenzeichen“ sagt der Jubilar. Und diese Philosophie zog sich wie ein roter Faden durch die Firmengeschichte. Selbst in wirtschaftlichen Flauten waren die Auftragsbücher immer gut gefüllt. Neben dem Unternehmeralltag fand Reit noch Zeit für die Förderung des Nachwuchses. Ausbildung war ihm immer wichtig, auch in seinem Betrieb.

Von 1967 bis 2003 lernten 42 Metallbauschlosser bei ihm ihr solides Handwerk. „Und aus allen ist was geworden, wenngleich einige danach in anderen Berufen ihr Glück suchten und auch fanden“, weiß Reit. 25 Jahre lang war er Prüfungsvorsitzender in Bad Kreuznach. Nebenbei bemerkt, in diesem Jahr bekommt er noch den goldenen Meisterbrief (50 Jahre) ausgehändigt.

Bremer Stadtmusikanten aus Kupfer

Seit 2003 führt Sohn Sascha zusammen mit etlichen Angestellten den elterlichen Betrieb nach dem Vorbild des Altmeisters. Dort ist Rentner Reit gern gesehener Gast und noch immer so etwas wie Ansprechpartner und letzte Instanz. Sein Rat hat Gewicht. 25 Jahre lang war er ehrenamtlicher Prüfungsvorsitzender in der Kommission. Während dieser Zeit hat er unzählige Gesellenstücke beurteilt und benotet. Aus seinem Blickwinkel heraus beobachtet habe sich das Handwerk insgesamt verändert.  „Moderne Medien nehmen viel Einfluss auf die Persönlichkeiten der jungen Auszubildenden“, beobachtet er mit ein wenig Sorge. Durchgängig werde in den Betrieben nicht mehr so viel ausgebildet. Und auch die Zahl der Bewerber sei rückläufig. Was er mit etwas Abstand noch mitbekomme, mangele es den Azubis oftmals an Durchhaltevermögen und Zuverlässigkeit.

„Der Helmut ist vielseitig interessiert und kann vieles“, charakterisieren ihn die Menschen, die ihn näher kennen. Zum Geburtstag gratulierten neben der Ehefrau, zwei Töchter, ein Sohn und sechs Enkel. Sicherlich werden sich an diesem besonderen Tag die Gratulanten aus Wirtschaft und Politik (Reit war lange Jahre für die Freien Wähler im Gemeinderat) die Klinke in die Hand drücken. Erwartet werden allerdings auch viele Weggefährten und Freunde. Reit rechnet mit einer Art „Tag der offenen Tür“ in der Brunnengasse. Was den Jubilar handwerklich ausmacht, davon können sich dann alle im Hof des Anwesens überzeugen. Dort stehen nämlich sämtliche Kunstwerke fein säuberlich nebeneinander aufgereiht. Das „Freilichtmuseum“ aus Edelstahl und Kupfer ist jetzt schon imposant und ein Ende der Ideen und Schaffenskraft ist nicht abzusehen.