Kann man unter diesen Auflagen das Kirner Schwimmbad öffnen?

Sommerferien, Freibad! Bald ist es soweit! Am 27. Mai dürfen die Schwimmbäder in Rheinland-Pfalz wieder öffnen. Heute hat die Landesregierung ihr Hygienekonzept herausposaunt. Viel zu spät! Und nicht nur das: Wie bereits erwartet, ist die fünfseitige Depesche mit äußerst strengen Auflagen und Regeln äußerst penibel und umfangreich – so in der Praxis kaum umsetzbar. Eine Öffnung unter diesen Bedingungen erscheint wenig sinnvoll. Oder doch? Die Verantwortlichen unter dem Dach der VG-Werke haben jetzt zumindest eine Handlungsanordnung schwarz auf weiß auf dem Tisch liegen. Nun gilt es diese grob auszuwerten und eins zu eins auf das Jahnbad zu übertragen. Mit allen Konsequenzen versteht sich. Sollte man sich zu einer Öffnung durchringen, dann wird es gewiss noch Wochen dauern, bis Hygienekonzept, Personalschulung und Umbauten umgesetzt sind. Wasserratten, ihr müsst jetzt tapfer sein. Vor Mitte, eher Ende Juni, wird es nix werden mit dem Sprung ins kühle Nass. Wenn der angesichts der Fülle von Auflagen überhaupt freigegeben wird. Werden wir mal konkret.

Was sind die Eckpunkte des Konzeptes? Das wichtigste vorneweg. Umgerechnet auf die Nutzfläche (Kirn etwa 6000 Quadratmeter) dürfen nicht mehr als 300 Besucher gleichzeitig auf das Gelände. Viel ist das nicht, gerade an heißen Tagen! Im großen Becken dürfen etwa zwischen 50 und 60 Schwimmer unter Einhaltung der Abstandsregeln gleichzeitig ihre Bahnen ziehen – alle Berechnungen anhand Geo-Daten und daher ohne Gewähr. Gemunkelt wird von überschaubaren 200 Besuchern gleichzeitig für zwei Stunden – danach wird gewechselt. Fakt ist, alle Schwimmbadbesucher müssen ihre Kontaktdaten angeben, um mögliche Infektionsketten nachzuverfolgen. Sie werden für einen Monat aufbewahrt. Auch im Becken muss ein Mindestabstand von anderthalb Metern eingehalten werden. Schwimmerbecken sind mit Bahnmarkierungen auszustatten und es muss ein Konzept zum geordneten Schwimmbetrieb vorliegen. Plantschen, Tollen, Springen, Schwatzen ist nicht! Eine Gruppenbildung der Badegäste soll vermieden werden. Alle Funktionsbereiche einschließlich Umkleiden, Sanitäranlagen und Kiosk müssen durch Markierungen und ein geeignetes Wegekonzept von den Liegebereichen abgegrenzt werden. Duschen und Umkleiden sind nur einzeln beziehungsweise mit Personen aus dem eigenen Haushalt betretbar und, und, und. Nicht zu vergessen weitere Markierungen im Zugang sowie Desinfektionsstellen. Das komplette Hygienekonzept ist unten verlinkt.

Dass es unter den zu erwartenden Umständen keine Saison der Marke Badespaß XXL geben kann war ohnehin schon klar. Fakt ist, die Unkosten werden im gleichen Maße steigen wie die Einnahmen sinken. Da werden sich Stadtwerke finanziell und personell enorm strecken müssen. Provozierend gefragt: Ist ein Öffnung überhaupt verhältnismäßig? NEIN! Dafür werde ich zwar Haue einstecken müssen, aber ich bleibe dabei. Ich empfehle die Saison auszusetzen. Ruhig bleiben, ist nur ein Standpunkt. Den kann man teilen, muss es aber nicht. Die Auflagen sind einfach zu umfangreich. Das Land hat mit den Auflagen den Schwarzen Peter an die Kommunen weitergegeben. Aber mal ehrlich, die Welt geht von einem Sommer ohne Badebetrieb nicht unter. Zugegeben, ich habe gut reden, weil ich nicht unbedingt zu den Stammgästen gehöre. Dennoch, scheint meine Frage berechtigt zu sein. Kosten- und Personalaufwand sind immens, der zu erwartende Badespaß eher bescheiden. Hinzu kommt, gerade an heißen Tagen ist Ärger vorprogrammiert. Will man sich dem aussetzen?

https://corona.rlp.de/fileadmin/rlp-stk/pdf-Dateien/Corona/8._Bekaempfungsverordnung/Freibaeder.pdf