Kandidat Ortsbürgermeister

Ortsbürgermeister Hans Helmut Döbell will es also wieder wissen. Die alternativlose Universalwaffe der SPD genießt nach wie vor die volle Rückendeckung aller örtlichen Sozialdemokraten. Das muss auch so sein. Keine Frage, ein solcher Vertrauensbeweis trägt. Doch, wie denkt die breite Masse? Ist er auch für die Wähler der richtige Mann am richtigen Platz? Der 26. Mai wird gewiss spannend werden und diesbezüglich Klarheit schaffen. Seine schriftliche Bewerbung scheint zumindest einer reinen Seele zu entspringen.

Es liest sich wie der übliche Politiker-Mix aus den Abteilungen Attacke, Selbstzufriedenheit und Selbstlob, jedoch, und das überrascht, gewürzt mit einer Spur Selbstmitleid. Letzteres wahrscheinlich deshalb, weil er sich in seiner langjährigen kommunalpolitischen Karriere, so sein O-Ton, bei persönlichen Angriffen nicht selten unter der Gürtellinie getroffen fühlte. Nur mal so nebenbei bemerkt, ist das Kämpfen mit harten Bandagen nicht gängige Praxis im Politiker-Alltag? Ohne diese Vorwürfe im Einzelnen zu präzisieren, dürfte er beim Verfassen dieser Zeilen die Praxis-Affäre vor Augen gehabt haben.

Doch handelt es sich bei der noch immer andauernden öffentlichen Kritik wirklich um einen unfair gesetzten Tiefschlag? War es nicht eher ein sauberer Wirkungstreffer – und zwar mitten auf die „Zwölf“. Für den moralischen Knockout zeichnet sich letztlich der Steuerzahler-Bund verantwortlich – einer fraglos neutralen Instanz. Der attestierte Döbell vor allem die Verfolgung eigener Interessen auf der Basis familiärere Vetternwirtschaft. Nicht gerade ein Empfehlungsschreiben für eine weitere Amtszeit an der Spitze der Ortsgemeinde. Der Wähler wird letztlich darüber zu befinden haben.

Gesucht: Mobilität

Und die sollte sich nicht ausschließlich auf den Fuhrpark beziehen. Im Gegenteil: Gute Ortsbürgermeister erlaufen sich im wahrsten Sinne des Wortes ihre Informationen. Anderswo zumindest. Alternativ wäre auch ein Fahrrad, wegen der hügeligen Landschaft gerne auch in der E-Bike-Version, ideal. Gerade kleine Schwächen und Mängel lassen sich so am ehesten erkennen. Weiterer Vorteil: Wer regelmäßig an frischer Luft ansprechbar unterwegs ist, sieht viel, erfährt viel und kommt mitunter sogar ins Gespräch. Soweit die blanke Theorie. Die Praxis in Hochstetten-Dhaun ist eine andere. Hans Helmut Döbell geht nicht, er sitzt, und zwar ausschließlich hinter dem Lenkrad. Ihm gehen daher eigene Erkenntnisse verloren. Von dieser Warte aus beurteilt, vergibt der Blog ein dickes Minus für die erste zu testende Eigenschaft Mobilität. Unter diesem Aspekt ist „nur“ Auto fahren im Alltagsgeschäft einfach zu wenig und schon lange nicht mehr zeitgemäß. Da hilft es auch nicht, dass die Ortsbürgermeister-Karosse stattlich daherkommt. Nächste zu testende Schlüsselkompetenz ist der Faktor Zeit.

Gesucht: Zeit

Bürgermeister nur so nebenher geht gar nicht, zumindest nicht in einer Ortschaft in der Größenordnung von Hochstetten-Dhaun. Mit seinen fünf Ortsteilen und knapp 1800 Einwohnern stünde ein Bürgermeister nach Feierabend vor einer nahezu unlösbaren Aufgabe. Das gilt allerdings nicht für vitale und geistig rege Rentner oder Frühpensionäre. Von daher scheint Hans Helmut Döbell zur richtigen Zeit am richtigen Platz zu sein. Nach dem dicken Minus in Sachen Mobilität vergibt der Blog jetzt ein ebenso dickes Plus. Warum? Der Mann hat Zeit und nimmt sich Zeit, um die Geschicke der Ortsgemeinde zu lenken. Ganz nebenbei bemerkt, dürfte dabei auch etwas Zeit für die Verfolgung eigener Ziele und Interessen überbleiben. Inwieweit die Ortsgemeinde von einem nicht auf die Uhr schauen müssenden Bürgermeister vollumfänglich profitiert, das steht auf einem ganz anderen Blatt. Dieser Aspekt wird im Rahmen der Serie noch gesondert beurteilt.

Gesucht: Ehrlichkeit

Ganz schwieriger Oberbegriff! Dünnes Eis, die Ehrlichkeit von Bürgermeistern beurteilen zu wollen. Wo fängt die an und wo hört die auf? Ist man alleine bei ein wenig Schummeln oder einem an der Wahrheit vorbeimogeln schon nicht mehr rechtschaffend und aufrichtig? Ehrlichkeit auf alle Ebenen und allen politischen Lebenslagen, dazu gehört sowohl der Umgang mit allen überparteilichen Politikvertretern, als auch der offene Dialog mit Menschen. Bürgermeister sind gewählte Volksvertreter und sollten sich immer dieser ehrenvollen Aufgabe bewusst sein. Sie sind bisweilen selbstständig und verfügen über viele Freiheiten und Gestaltungsspielräume. Bei allen Entscheidungen gilt es allerdings alle mitzunehmen. Ausnahmslos alle, und nicht nur die treu ergebenen aus den eigenen Reihen. Gilt Hans Helmut Döbell als ehrliche politische Haut? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Ginge es alleine nach der Redewendung „Ehrlich währt am längsten“, dann wäre der erfahrene Politik-Methusalem und Orts-Chef über alle Zweifel erhaben. Man kann das Sprichwort aber auch frei nach Mark Twain interpretieren: „Ehrlich währt am längsten, aber mit dem Schein der Ehrlichkeit kommt man oft sechsmal so weit.

Gesucht: Transparenz

Kandidaten die Offenheit predigen, aber Hinterzimmer-Politik leben, haben die Steinzeit noch nicht hinter sich gelassen. Bei solchen Menschenschlägen will niemand sein Kreuzchen setzen. Wie war es in der Vergangenheit in Hochstetten-Dhaun? Keine Frage, in Sachen Transparenz herrscht gewaltig Luft nach oben. Hans Helmut Döbell ist nicht unbedingt bekannt dafür, über die Ortspolitik im vollen Umfang aufklären zu wollen. Ein Mann alter Schule eben, der sein politisches Handwerk von Alt-Patriarchen, wie etwa Günter Schwenk einer war, gelernt hat. Auch der war ein Anhänger von Hinterzimmer-Politik. Lediglich ein paar Happen eh schon bekannter Politik-Details werden stets unter das Volk gestreut. Spezielle Infos werden gerne unter der Decke gehalten. Bekanntestes Beispiel aus der letzten Legislaturperiode gefällig: Die Arztpraxis-Modalitäten sollten niemals in die Öffentlichkeit gelangen. Döbell versuchte mit allen Mitteln die Berichterstattung in seinem Sinne zu lenken beziehungsweise über Einflussnahme ganz zu verhindern. Wie mittlerweile jeder weiß, funktionierte das nicht so ganz. Der Schuss ging demzufolge nach hinten los. Fazit: Ausbaufähig! In Sachen Transparenz kann der Ortschef noch einiges von seinen Amtskollegen lernen.

Gesucht: Vertrauen

Bewerbern, die in ihrem Tun und Handeln parallel auch immer eigene Interessen im Blick haben, kann man schwerlich im vollen Umfang über den Weg trauen. Menschenschläge, die mitunter Wissensvorsprünge und Insiderwissen zu nutzen wissen, um eigene kleine Deals – meist Grundstücksangelegenheiten – im Schatten des Amtes voranzutreiben, genießen beim Wähler nicht unbedingt uneingeschränktes Vertrauen. Wie ist der amtierende Ortsbürgermeister Hans Helmut Döbell unter diesem Aspekt zu beurteilen? Ist er über jeden Zweifel erhaben? Ist das Vertrauen zwischen Bürgern und Bürgermeister uneingeschränkt vorhanden? Merke, nicht alles was in Hinterzimmern ausgeheckt wird, findet auch den Weg in die Öffentlichkeit. Salopp formuliert, hat er in der Vergangenheit seinen Job richtig gut gemacht oder Kredit verspielt? Und wenn ja, wie viel und bei wem? Wie sehr hat die Arztpraxis-Affäre an seinem Ruf genagt? Keine Frage, die Zahl der Zweifler ist gewachsen. Ist er noch der richtige Mann am richtigen Platz? Bei seiner Partei genießt er uneingeschränktes Vertrauen. Aber gilt das auch für den großen Rest? Für ihn spricht sein Status als einziger Kandidat. Gegen ihn spricht, dass er sich angesichts im Raum stehender Vorwürfe und einem damit einhergehenden Imageverlust – zumindest in großen Teilen der Bevölkerung – seiner Wiederwahl nicht uneingeschränkt sicher sein kann. 

Gesucht: Unabhängigkeit

Parteilose Bewerber sind gerade auf kommunaler Ebene mehr denn je gefragt. Auch Hochstetten-Dhaun stünde ein solches neue Zeitalter einer unabhängigen Regentschaft gut. Vielleicht irgendwann einmal. Vorteil, freie Bürgermeister sind stärker gewappnet gegen Klüngelei und Parteienreiterei. Diese müssen auch nicht mit den Wölfen heulen. Nachteil, sie sind nicht ausreichend genug im politischen System vernetzt. Doch, wann wird aus Netzwerk Klüngel, und wann wächst sich Klüngel zu Korruption aus. Schon die Römer kannten das Phänomen als manus manum lavat (eine Hand wäscht die andere). Diese Vorgehensweise ist in der Kommunalpolitik grauer Alltag. Nicht unbedingt die Korruption. Aber die Frage: Welchen mir gegebenen Wissensvorsprung darf ich für mich und meine Interessen nutzen? Von diesem Hintergrund her betrachtet ist auch die Amtszeit von Hans Helmut Döbell zu bewerten. Strafbar hat sich der in der Arztpraxis-Affäre nicht gemacht. Nur, wenn das Volk nicht erfährt, wenn im Dunkeln gemunkelt wird, dann fehlt eben jede außerpolitische Kontrolle – etwa auch in Grundstücksangelegenheiten. Bei diesem Thema würde man gerne mal Mäuschen spielen. Unabhängig ist der SPD-Kandidat jedenfalls nicht. Kann er auch nicht sein, mit seinem rotem Parteibuch. Die Wähler werden am 26. Mai über seine Zukunft als Ortschef zu entscheiden haben.

Gesucht: Visionär

Zunächst etwas Grundsätzliches: Denken und Handeln in die Zukunft hinein. Im hier und jetzt handeln und dabei das große Ganze nicht aus dem Auge verlieren – das passt. Ist Hans Helmut Döbell ein Ortsbürgermeister mit Visionen? Nun, beim Bürgertreff hat er es von sich und seinen Mitstreitern jedenfalls behauptet. Zumindest hat er dem legendären Zitat von Altkanzler Helmut Schmidt „wer Visionen hat muss zum Arzt gehen“ eine klare Absage erteilt. Was fällt unter Visionen? Sind Visionen in der Kommunalpolitik überhaupt bedeutsam? Was braucht man, um Visionen überhaupt zulassen zu können? Nun, es braucht Geld und Weitblick. Geld hat Hochstetten-Dhaun, weil die regelmäßigen Pachteinnahmen aus dem Steinbruch Jahr für Jahr eine solide Basis bilden. Mit Kapital, das Jahr für Jahr einen kräftigen Ausschlag auf der Haben-Seite verursacht, lässt es sich gut in die Zukunft denken. Entscheidend dabei ist immer der Denkansatz. Was nützen Visionen, wenn sie falsch gedacht sind. Ob Döbell gut oder schlecht in die Zukunft denkt, ist sicherlich Einzelfallabhängig zu bewerten. Nur mal so nebenbei bemerkt, man kann auch Visionär sein in kleinen Dingen. Die örtliche To-do-Liste wird zunehmend länger (Menü „wo es klemmt“). Übrigens, im Fahrwasser von kommunalen Visionen schwimmen nicht selten auch Politiker, Amtsträger oder privilegierte Privatpersonen mit, die eigene Interessen parallel mit vorantreiben. Dann wird das Ganze allerdings mehr als anrüchig. Ob das in Hochstetten-Dhaun der Fall ist, darüber hüllt der Blog den Deckmantel des Schweigens. Und das aus gutem Grund.