Hurra, die Kirner Badesaison geht los – nur eben für Wellness-Lachse!

Werbeplakat Michael Müller (MM)

Ausgeschwommen! Kaum hat der Verbandsgemeinderat das Aus für das Kirner Schwimmbad verkündet, schon haben die Werke die Edelstahl-Becken gewinnbringend umgewidmet. Eine Alternative wurde gesucht und prompt gefunden. „Findet Nemo“ – heißt das interne Verbandsgemeinde-Start-Up, das mit einer innovativen Zuchtidee von bernsteinfarbenen Lachsen in die Erfolgsspur von großen „Meeres-Aqua-Kulturen“ finden möchte. Und auch der Naturschutzbund jubelt, vor allem über die luxuriösen Rahmenbedingungen auf 5-Sterne-Niveau. Einzigartig in der Branche, bescheinigen die Fischereiverbände den Kirnern schon in der Frühphase der Entwicklung Modellcharakter!

Es hagelt Vorschusslorbeeren. Schließlich stehen den Lachsen rund um die Uhr Verwöhnprogramme mit Strömungskanal, Schwallduschen, Gegenstromanlagen, Bodensprudlern, Spaß-Rutsche und als Krönung Massagedüsen zur Verfügung. Von den Schwanzflossen über den Rücken bis nach vorne zu den Kiemen – kann ein Lachs-Leben angesichts dieses Wohlfühl-Paketes angenehmer verlaufen? Was Menschen Entspannung verschafft, kann Fischen doch nicht schaden! Die durchweg idealen Bedingungen für eine Aufzucht genügen daher allerhöchsten Qualitätsansprüchen. Nicht zu vergessen, die spezielle Lachs-Entspannungs-Musik vom Band, die weit unter der Wasseroberfläche schallt. Glückliche Lachse, regional vermarktet und frisch auf den Tisch – passt!

Die zwangsweise verordnete Kirner-Corona-Schwimm-Pause für Menschen haben die pfiffigen Macher vom Kreisel für ihre gewinnbringendere Geschäftsidee genutzt. Vorbei ist es nunmehr mit dem ständigen Defizit, die ein Schwimmbadbetrieb mit Zweibeinern Jahr für Jahr verursacht. War der Coup von langer Hand geplant? Eine spezielle Lachsfarm, in speziellem Wasser, mit speziellen Nahrungszusätzen – mehr Tierwohl geht nicht. Die Einzigartigkeit des Kirner Wellness-Lachses ist sein zartes Fleisch sowie sein unverwechselbares Schimmern nach Bernstein später auf den Tellern. Erreicht wird diese durch den Futterzusatz aus den Silos der Kirner Privatbrauerei. Bei einer betriebsinternen Bierprobe sei man zufällig darauf gestoßen, dass regemäßige Zufuhr von Landbierextrakt die edle Färbung begünstige.

Beim offiziellen Pressetermin im „Kirner Lachsschwimmbad“ sah man daher nur in strahlende Gesichter: Die nächsten Monate werden zeigen, inwieweit das mittlerweile patentierte „Wellness-Zucht-Modell“ die Erwartungen erfüllen kann. Spannend zu sehen, wie die Lachsernte ausfallen wird. Wird die besondere Aufzucht-Form den Markt, wie beabsichtigt, revolutionieren? Wenn dies der Fall sein sollte, müssen die menschlichen Schwimmbadgänger womöglich auch um ihre nächste Saison bangen?„Profit gepaart mit Tierwohl gehen dann wohl vor Menschenwohl,“ heißt es lapidar dazu. Wer will da schon widersprechen.

In der Ideenschmiede der Verbandsgemeinde reifen jetzt schon Überlegungen für eine Leuchtforelle, deren Wachstum gemäß Laborversuchen wohl temperiertes und leicht gechlortes Wasser beschleunigen soll. Wahnsinn! Während die „Dummies“ der anderen Badeanstalten das Los eines eingeschränkten defizitären Badebetriebes auf sich nehmen, um schlicht und ergreifend ihren ursprünglichen Service-Pflichten nachzukommen, schwimmt Kirn mit seiner Lachsfarm in die Gewinnzone. Aber sowas von! Da fällt es auch nicht ins Gewicht, dass man dem Terrassen-Wirt Sonderrechte bei der Fangquote einräumen musste. Ein Zugeständnis, als kleine Entschädigung dafür, dass man seine Existenzgrundlage einkassierte.