„Hoch auf dem Hochzeitswagen, sitz ich beim Brautpaar vorn…“

Der Comic aus der Ideenschmiede von Michael Müller bringt das Motto des Motivwagens auf den Punkt.

Mehr Romantik geht nicht! Braut und Bräutigam winken freudestrahlend hoch oben vom Hochzeits-Wagen herab. Daneben ehrfurchtsvoll der Standesbeamte, zwei Trauzeugen, etliche Brautjungfern und auf der gesamten Zugstrecke, links und rechts, tausende Hochzeitsgäste, die Spalier stehend dem Jubelpaar zujubeln: „Lang lebe das Brautpaar, lang lebe die Fusion!“ – hallt es im Chor! So oder so ähnlich muss man sich wohl den Trubel auf und um den Motivwagen der Karnevalsgesellschaft KFK Kirn e.V. beim Rosemontagsumzug vorstellen. Angekündigt haben die Fastnachter eine närrische Nachstellung der Fusion von Kirn und Kirn Land. Beim Heiraten kommt das zusammen was zusammen gehört. Der Phantasie sind zwar keine Grenzen gesetzt, aber dem Blog wurde ein kurzer Blick in das (noch) geheime Hochzeitsdrehbuch gewährt. So viel sei schon verraten, wir werden dahinschmelzen! Aber sowas von! Das Brautpaar hält auf dem Triumphwagen wie feudale Herrscher Einzug in die Stadt und verteilt als Teil des höfischen Hochzeits-Zeremoniells Geschenke in Form von Kamelle und Strüßjer an seine treuen Untertanen.

Wir erinnern uns: Der Bräutigam, also die Stadt, zeigte sich ja zunächst bockig und wollte den Bund der Ehe partout nicht eingehen. Erst auf Geheiß von ganz oben, konnte die dann doch noch in bemerkenswerter Harmonie vollzogen werden. Anfangs weiß Gott keine Liebesheirat, eher ein aufgezwungene Vernunftsehe. Möge sie recht lange halten. Mittlerweile ist der Funke jedoch übergesprungen, was die Fastnachter schließlich veranlasste, ganz tief in die Romantik-Kiste abtauchen zu wollen, um der symbolischen Hochzeitszeremonie auf dem Motivwagen nicht nur nachzustellen, sondern ganz besonderen Glanz zu verleihen. Dem Vernehmen nach werden echte Politiker mit von der Partie sein.

Wer traut sich die Hauptrollen zu? Der Blog hat da so eine vage Ahnung. Hans Helmut Döbell wird es sich sicherlich nicht nehmen lassen, himself ins XXL-Hochzeitskleid zu schlüpfen. Frauenherzen werden gewiss höherschlagen bei diesem Anblick. Sein weißes Gewand steht für aufrichtige und ehrenvolle Absichten in Verbindung mit einer heiligen Aufgabe. Der Typus eher klein, etwas pummelig mit Damen(voll)Bart – passt für die Fastnacht! Hut ab für eine Braut, die sich traut. Gänzlich fehlende erotische Ausstrahlung, spielt da nur eine untergeordnete Rolle. Für Hochzeiten in der fünften Jahreszeit, gelten halt andere Regeln.

Nur, wer könnte den Bräutigam geben? Am authentischsten wäre Martin Kilian. Der EX-Bürgermeister und seinerzeit Stadt-Verhandler gilt als der vollkommene Mann, ist zudem ja jetzt Rentner und hat demzufolge Zeit und wohl auch Muße sich mit seiner neuen Rolle auf dem Motivwagen anzufreunden. Zylinder auf dem Kopf, feierlicher taillierter Frack, schicke Hose und dazu noch die Ringe in der Tasche – alleine die Vorstellung wie sich beide diese gegenseitig an die Finger stecken, das Jawort geben und sich dabei in die Augen schauen, sorgt beim Schreiben schon für einen kurzen Gänsehaut-Moment. Die Sissi und der Franz aus dem Kirner Land – märchenhaft. Wenn „Sie“ dann noch den Schleier hebt und die frisch Verliebten sich auf der Zugstrecke mehrfach anhimmeln – vielleicht mehr – spätestens dann wird man in Kirn von der Hochzeit des Jahrhunderts sprechen.

Der Boulevard wird sich im Nachgang regelrecht überschlagen und tagelang Bilder vom jungen Glück ins Blatt heben. Hollywood lässt grüßen. Nicht fehlen darf die Hochzeitstorte und natürlich der traditionelle Walzer. Hoffentlich haben die Musiker einen einstudiert und hoffentlich haben Braut und Bräutigam vorher geübt. Nicht dass der Franz (Martin) der Sissi (Hans Helmut) ständig auf die Füße tritt. Apropos Geschenke, die Millionen-Mitgift müssen die Kolping-Fastnachter ebenso abbilden wie Altar, Stammbuch, Wappen und Bibelspruch. Wie schaut es mit einem Pfarrer aus? FC-Kölle-Fan Volker Dressel scheint der absolut richtige Geistliche zu sein. Der kennt sich alleine von Vereins wegen aus mit Narretei und Klüngelei. Und der Mann kann singen. Und so wird es vom Wagen herab anstimmen:

„Hoch auf dem Hochzeitswagen, steh ich beim Brautpaar vorn,
vorwärts die Zug-Traktoren fahren, nehm ich das Jawort aufs Korn,
Straßen, Wege und Plätze, die Liebenden winken fröhlich ins Volk,
Ich möchte so gerne aussteigen, aber der Wagen der rollt…