Fusionsgedanken

Da wächst was zusammen?

Die Nachbargemeinden Hochstetten-Dhaun und Simmertal zusammenschmelzen zu lassen, die Vorstellung versprüht einen gewissen Charme. Warum eigentlich nicht? Schließlich sind die beiden Orte durch die Erschließung neuer Baugebiete ohnehin schon im Begriff baugebietsmäßig zusammenzuwachsen. Warum denn nicht gleich Nägel mit Köpfen machen, wie unlängst Becherbachs Ortsbürgermeister Frank Schätzel eine Fusion der beiden Global-Player ins Spiel brachte. Fusionen sind doch „In“. Wie müsste man sich die Geburtsstunde vorstellen?  Eine nicht ganz ernst gemeinte Analyse.

Der Stammtisch lacht sich schlapp. Die Gesichtszüge der beiden Ortsbürgermeister Werner Speh und Hans-Helmut Döbell sind bestimmt eingefroren, als Becherbachs Ortschef eine Fusion beider Großgemeinden locker flockig ins Spiel brachte. Sozusagen aus der Hüfte geschossen und vielleicht direkt ins Schwarze getroffen? Die Dementis folgten auf dem Fuße, hört man. Doch ist der Vorschlag so abwegig? Räumlich durchaus realistisch und nachvollziehbar wäre eine Fusion ja. Einziger Haken: Simmertaler und Hochstettener sind historisch belegt im Umgang eher wie Hund und Katze oder Feuer und Wasser anzusiedeln. Wie können so unterschiedliche „Kulturen“ geeint werden? Gibt es eine Lösung?

Dieser Beitrag zur Verständigung von Simmertaler und Hochstettener beginnt mit einem Zitat von Johann Wolfgang von Goethe. „Knurre nicht Pudel. Wir sind gewohnt, dass die Menschen verhöhnen, was sie nicht versteh’n“. Da Goethe immer recht hat, muss man folgende Schlussfolgerung ziehen: Im Falle eines Falles müssen die Bewohner einander verstehen lernen. Kennen sie erst einmal ihre Eigenarten und Gemeinsamkeiten, dann müssen sie sich nicht anknurren. Die Menschen hüben wie drüben sind umgänglich und festfreudig. Jeder könnte vom anderen profitieren.

Nachdem jetzt die wichtigsten Wesenszüge der Simmertaler und Hochstettener geklärt sind, geht es darum zu prüfen, wer was an Aussteuer in die gemeinsame Zukunft mitbringt. Und wie sähe das in der Praxis aus? Nun, politisch müsste man sich auf einen gemeinsamen Ortsbürgermeister einigen, Speh wirft das Handtuch, bliebe Stand jetzt nur Hochstettens Vorturner Döbell. Der kennt sich in der politischen Landschaft ja aus wie kein zweiter. Ob er jedoch in Simmertal auf Sympathie stößt? Schwer vorherzusagen. Tendenz, nein!

Was jedoch für ihn spräche wäre die Arztsituation. Mittelfristig wird ein Nachfolger von Dr. Becker gesucht werden müssen, eventuell sogar mit neuen Praxisräumen. Und wenn einer weiß wie es geht, dann doch er. Ansonsten ist die politische Großwetterlage in beiden Ortschaften nahezu deckungsgleich. Die Abgeordneten in Simmertal sind jedoch wesentlich streitbarer. Opposition ist hier kein Phantasieprodukt. Alles zusammengenommen, müsste das Bündnis politisch funktionieren.

Fusionieren könnten auch die Sportvereine. Längst Vergangenheit sind ohnehin die Zeiten, als in Lokalderbys noch regelrecht gefightet wurde sowohl innerhalb, als auch außerhalb des Spielfeldes. Eine Annäherung scheint möglich. In Zeiten schwindender Kicker, wäre eine Zusammenlegung vielleicht sogar visionär beziehungsweise existenziell. Allerdings müsste ein neuer Name her. Spielvereinigung Nahe/Kellenbach wäre eine denkbare Variante.

Schule ist eh gemeinsam, Kindergärten können sicher gut getrennt weiterlaufen. Beide Kirchengemeinden haben alleine nicht genügend Gemeindeglieder für jeweils einen eigenen Pfarrer. Zusammen schon. Von daher, Win-win-Situation. Simmertal hat viele Schulden, Hochstetten-Dhaun ist steinreich. Rein finanziell wird es schwierig mit einer Annäherung. Aber nichts ist unmöglich. Schwierig ist auch die Findung eines Ortsnamens. Vielleicht wäre ein Wettbewerb hilfreich.

Alles in allem spräche vieles für eine Fusion. Jedoch wollen die Bewohner nichts als eigenständig sein, vermute ich mal. Von daher, wird das wohl nix mit einer gemeinsamen Zukunft. Es reicht noch nicht einmal für eine Zweckgemeinschaft. Nicht heute, nicht morgen und auch nicht in Jahrzehnten. Zumindest nicht freiwillig. Da spielt es auch keine Rolle, dass die Ortsgrenzen zunehmend verschmelzen.