Freie Wähler sind die heimlichen Gewinner

Die Auszählung hat bis nach Mitternacht gedauert und brachte keine wesentlichen Überraschungen. Wahr ist, die SPD stellt mit 12 Sitzen die stärkste Fraktion im neue VG-Rat. Wahr ist aber auch, die Fraktion hat die absolute Mehrheit verloren. Von daher dürften die Sozialdemokraten diese Tatsache mit einem lachenden und zugleich weinenden Auge quittieren. Der freie Fall von einst 53,3 (2014) auf jetzt 38,3 Prozentpunkte, taugt wahrlich nicht zu völlig ausgelassenen Freudentänzchen. Dennoch, es wäre Jammern auf hohem Niveau, angesichts der noch immer breiten Zustimmung, zu hadern. Es reicht, den Warnschuss ernst zu nehmen. Fakt ist, die SPD war und ist der unangefochtene Platzhirsch im Kirner Land. Die CDU kann von einem solchen Ergebnis nur träumen. Die Christdemokraten erzielen „nur“ 19,7 Prozent. Demzufolge dürften sechs Sitze im neuen VG-Rat in den eigenen Reihen eher als eine herbe Enttäuschung empfunden werden. Richtig, richtig gut schneiden die Freien Wähler ab. Die gehen als zweitstärkste politische Kraft durch das Ziel. 23,7 Prozent und acht Sitze sind aller Ehren wert. Hut ab. Keine Frage, die Freien Wähler sind die heimlichen Gewinner der Wahl. Minimal hinter den eigenen Erwartungen zurück bleiben die Liberalen. Die FDP kommt auf 10,9 Prozent, was immerhin noch vier Sitzen entspricht. Damit dürfte man gut leben können. Der Wähler meinte es so gar nicht gut mit den Grünen. Die können von der Boom-Phase des Bundes nicht wirklich profitieren. Nur 7,3 Prozent und nur zwei Sitze sprechen da eine deutliche Sprache.

Fazit: Die Konstellation im VG-Rat lässt viel Raum für Bündnisse und Mehrheiten. Und auch die Besetzung der Beigeordneten-Posten verspricht Spannung pur. Klar, die SPD ist tonangebend. Aber die Partei hatte es schon unlängst im Stadtrat vermasselt, als sie eine sich andeutende Wechselstimmung unterschätzte. Hat man die richtigen Lehren aus dem Desaster gezogen? In den kommenden Wochen dürften die Drähte jedenfalls massiv glühen. Nicht ausgeschlossen ist auch auf VG-Ebene eine Dreier-Koalition von CDU, FWG und FDP. Dann ginge die SPD bei der Besetzung der Beigeordneten-Posten erneut leer aus. Hält das Kirner Modell auch in der VG Einzug? Der neue Bürgermeister Thomas Jung könnte mit einem Ersten Beigeordneten aus der FWG sowie in der Folge CDU und FDP sicherlich gut leben. Dann würde er nicht stets den Hauch der verlierenden Partei SPD im Genick spüren.  Egal wie es kommt, es wird spannend werden in den nächsten Monaten.