Wochenrückblick 11. Mai

Über einen VG-Beauftragten, der Facebook-Gemeinde beschimpft, die Katholische Kirche und ihren Spendenaufrufe, das Kirner Krankenhaus, den Hangrutsch und die Briefwahl.

Erst Bausparberater, jetzt Facebook-Kritiker – in welche Rolle schlüpft Werner Müller als nächstes? Ja, ja Facebook. Die Plattform ist Fluch und Segen zugleich. Fluch deshalb: „Der Unterschied zwischen einem Telefon und einem Bürgermeister sei, dass man das Telefon aufhängen könne“. Starker Tobak! Zugegeben, der Kommentar ist völlig daneben und offenbart die große Schwäche dieser Art von Kommunikation, nämlich Sprüche unter der Gürtellinie bequem von der Couch aus platzieren zu können. Ein NO-GO für VG-Beauftragten Werner Müller. Er sieht in einem solchen Verhalten die Ursache für Politikerschwund an der Basis. Exemplarisch prangerte er diesen unflätigen poste an, der sich einzig und allein gegen Hans Helmut Döbell richtete. Doch was war die Ursache für den unsäglichen „Hänger-Spruch“. Rückblick: Ein Familienvater aus Dhaun prangerte unlängst den katastrophalen Zustand des Spielplatzes an. Sein sachlicher Hilfeschrei, der gefühlt seit einer Ewigkeit beim Ortsbürgermeister abprallte, wurde sogleich auf Facebook heiß diskutiert und mehrfach geteilt. Ausnahmslos alle bestätigten den Zustand und reagierten mit Unverständnis auf den ins Auge stechenden Unterhaltungsstau. Sachlich wohlgemerkt! Die Schuldigen waren schnell gefunden. Der Argumentation nach zurecht! Die Ortsgemeinde musste viel einstecken, hat aber durch ihre langjährige Verweigerungshaltung selbst erst die Ursache dafür gesetzt, dass der Hilfeschrei überhaupt erst abgesetzt werden musste. Verrückt, hätte die Ortsgemeinde den Platz mal besser gepflegt, wäre das Thema im Netz gar nicht erst aufgekommen und der doofe Spruch niemals nicht gefallen. Darüber sollten die Gepeinigten mal nachdenken. Die Tatsache gehört auch zur Wahrheit dazu. Es ist nicht angenehm, über Facebook mit eigenen Versäumnissen und Versagen konfrontiert zu werden – aber legitim.

In welcher Welt leben wir eigentlich? Die katholische Kirche hat so viele Kohle, dass sie auf einen Schlag das Armutsproblem weltweit lösen könnte. Dagobert Duck wäre froh, hätte er einen solchen Geldspeicher. Und dennoch begibt sie sich immer wieder auf Betteltour. Und das Verrückte dabei ist, es funktioniert? Beispiel Katholische Kirche Kirn. Die ist marode und muss saniert werden. Ist halt so, wenn ein Gebäude in die Jahre kommt. Jeder Eigenheimbesitzer weiß ein Lied davon zu singen. Wer allerdings glaubt, die Kirche in Funktion als Eigentümer, übernimmt die vollen Unkosten alleine, der irrt sich gewaltig. Warum auch, wenn ein Aufruf um Spenden stets auf fruchtbaren Boden stößt. Die Hälfte, also 300.000 Euro gilt es seitens der Gemeinschaft Sankt Pankratius einzusammeln. Ein erstes Konzert brachte 1800 Euro. Peanuts! Aber jetzt brockt es! Der sonst so knauserige Bund zeigt sich spendierfreudig. Hoppla, steuert doch der jetzt satte 100 000 Euro bei. Geht‘ s noch? Steuergeld, dass woanders sicherlich sinnvoller angelegt wäre, schmeißt man der superreichen Kirche einfach so in den Rachen. CDU-Frontfrau Antje Lezius durfte die Glücksbotin spielen. Verkehrte Welt! Das soll noch einer verstehen.  

Rettet das Kirner Krankenhaus! Der Slogan wird gerade rauf und runter gebetet. Doch werden die Appelle helfen? Schwer vorherzusagen. Die Diakonie verfolgt gewiss andere Pläne, als das Kirner Land. Bei einem Ortstermin hat sich jetzt auch die CDU für den Erhalt starkgemacht. Öffentlichkeitswirksam, wie es sich im Wahlkampf gehört. Einige politische Schwergewichte trafen sich mit den Verantwortlichen der Diakonie. Und was kam dabei heraus? Außer guten Absichten nichts! „Hauptsache mal drüber geschwätzt“, würde ein Saarländer solche Treffen charakterisieren. Was die Diakonie einräumt, ist eine weitere Nutzung in Form eines Versorgungszentrums. Das sind vielleicht 20 Belegbetten. Mehr nicht. Aufwachen, so eine Alternative ist alles andere, nur kein Krankenhaus. Eine sichere Perspektive für das Kirner Land sieht fürwahr anders aus. Liebe CDU, liebe Politikvertreter insgesamt: „Lass Euch nicht mit einem Vorschlag abspeisen, der so gar nichts mit einer medizinischen Akutversorgung gemein hat.“

Soso, der Hang in Höhe der ehemaligen Mülldeponie ist also ein latenter Gefahrenherd. Bei Dauerregen droht Hangversagen!  Dann wollen wir alle mal hoffen, dass der Sommer ähnlich trocken wird, wie der 2018. Natürlich nur im Sinne des Hanges, dass der bleibt wo er ist, nämlich oben. Nicht auszudenken, wenn sich bergeweise Geröll auf Straße und Bahngleise türmen würden. Ein Nadelöhr entstünde, welches Pendler in den Wahnsinn treiben würde. Gottlob sind die Verantwortlichen dran, den Gefahrenherd zu entschärfen. Der verschlimmert sich zwar seit einigen Jahren für alle deutlich sichtbar, aber gehandelt wurde nicht wirklich. Jetzt, wo es fünf vor zwölf ist, kommt Bewegung in die Angelegenheit. Wie immer halt. Nun, spät ist bekanntlich besser als nie!

In zwei Wochen wird gewählt. Die Briefwahlunterlagen flattern nach und nach in die Haushalte. Auch der Blog hat seine Kreuzchen schon gemacht. Jede Menge, um es mal so zu formulieren. Man darf gespannt sein, wie die Wahlbeteiligung ausfallen wird. In den meisten Ortsgemeinden steht nur ein Bewerber für den Bürgermeisterposten auf dem blauen Zettel. Keine richtige Wahl also. Und was macht man, wenn man mit dem nicht einverstanden ist? Trotzdem wählen, nur damit es einer oder eine macht? „Ja“ oder „Nein“ – das Kreuzchen ist an sich schnell gemacht. Nur jetzt wo? Es sind nur zwei Buchstaben mehr, aber dennoch fällt es vielen eher schwer „Nein“ zu sagen. Nur Mut, es geht.