Kandidat Oliver Kohl

„Isch kandidiere“! Der Verbandsgemeinde-Werkleiter, Bauamtsleiter, Ausbildungsleiter, stellvertretende Büroleiter und Genosse Oliver Kohl will nun auch Verbandsgemeine-Bürgermeister. Boah, was für eine Latte von Talenten! Schade nur, dass auf den Mann im besten Alter so gar keine Cartoon-Figur passen will. Am ehesten könnte noch Bob der Baumeister auf den soliden Verwaltungsmenschen zutreffen, aber der war ja für Martin Kilian reserviert. „Lucky TJ“ und „Emsix“ passen auf Thomas Jung und Frank Ensminger wie die Faust aufs Auge. Aber Kohl?  Wer hat eine Idee? Vielleicht eine Figur, die seine fast schon unmenschliche Vielseitigkeit in Beruf und Partei unterstreicht. Eine aus der Superhelden-Kiste. Gibt es vielleicht Vorschläge? Her damit!

Boah, die Bereitschaft zu kandidieren dürfte sich wie Balsam auf die geschundene SPD-Seele ausgewirkt haben. Unter Applaus warf Kohl bei der Nominierungskonferenz seinen Hut in den Ring. Gänsehauteffekt! Hut ab! Merke, wenn etwas total überraschend kommt, dann kommt es „wie Kai aus der Kiste“. Ein Paradebeispiel für die gängige Redewendung aus dem Volksmund ist dieser Sprung aus dem Pappkarton allemal. Aber sowas von. Wahrscheinlich hat sich der brave Parteisoldat auf den letzten Drücker doch noch zu einem Himmelfahrtskommando überreden lassen. Denn als nichts anderes ist diese Mission zu werten. Dass er diesen Schritt aus voller Überzeugung heraus freiwillig geht, daran darf getrost gezweifelt werden. Wie es ausschaut, wird sich der Chef der Verbandsgemeinde-Werke für seine Partei opfern. Denn eine so bedeutende Wahl ohne SPD-Kandidat, käme einem Armutszeugnis gleich. Und geeignete Bewerber stehen nun einmal nicht Schlange! Vielleicht fühlt er sich ja durch empfangenes Protege aus der Vergangenheit auch persönlich verpflichtet oder man hat ihm ein Angebot unterbreitet, das er nicht abschlagen konnte?

Egal, jedenfalls wirkt er schon jetzt wie ein Getriebener. Getrieben deshalb, weil seine Kandidatur nicht aus einem inneren Glauben heraus erfolgt. Ein Beleg für diese kühne Behauptung ist alleine schon die Tatsache, dass diese erst auf den letzten Drücker geschah. Sorry SPD, ein gut vorbereiteter langfristiger Aufbau eines Perspektiv-Kandidaten mit bestmöglichen Erfolgschancen ausgestattet geht anders. Eine solch zögerliche Vorgehensweise schadet der Partei, dem Kandidaten und nicht zuletzt dem Amt. Da hat man sich in den Reihen der Sozialdemokraten fürwahr nicht mit Ruhm bekleckert. Im Gegenteil: Die Kandidaten-Kür transportiert nur eines, nämlich Ohnmacht. Wäre er so etwas wie Kandidat der ersten Stunde gewesen und hätte er selbst seine Ambitionen frühzeitig in diese Richtung geäußert sowie in der Folge gelebt, dann wäre man an ihm schon bei der Vorsitzenden-Wahl des neu formierten Gemeindeverbandes im Frühjahr nicht vorbeigekommen. Der Vorsitzende soll auch Chef – Auszug aus dem kleinen Parteien-Einmaleins.

Mit dem Vertrauensbeweis im Rücken hätte er jetzt aus einer Position der Stärke heraus seinen Wahlkampf forcieren können. So hat die verschleppte Kandidatur eher etwas von panikartigem Aktionismus einer Partei, die sich ohnehin schon im steilen Sinkflug befindet. Nach dieser kurzfristig noch hinbekommenen Bürgermeister-Nominierungs-Inszenierung, bei dem er wohl nicht mehr weiter „Nein“ sagen konnte, werden sich bis zur Wahl am 20. Oktober die Geister scheiden. Wird man ihm den unbedingten Willen und die Leidenschaft aus freien Stücken auf dem Chef-Sessel Platz nehmen zu wollen abnehmen? Der wohlwollende Bewerbungs-Zeitungsbericht wird ihm sicher über den von vielen empfundenen „Fehlstart“ hinweghelfen.

Von der SPD-Spitze werden seine Verwaltungskompetenzen gepriesen, die gerade im Fusionsprozess unverzichtbar seien. Er kenne sich in der Verwaltung aus, sei aufrichtig, zudem bestens vernetzt und verfüge überdies über reichlich Stallgeruch. Alles wohl richtig. Veto, letzteres ist nur auf den ersten Blick ein Vorteil, einer, der sich aber im Handumdrehen als Nachteil erweisen kann. Das krasse Gegenteil verkörpert sein Gegner Thomas Jung. Parteilos, unabhängig, erfolgreich – gerade in der heutigen Zeit können sich mehr und mehr frische Kandidaten an der Wahlurne durchsetzen. „Lucky TJ“, der nicht nur schneller schießt, sondern auch schneller wählt als sein Schatten, ist alles andere als ein Verwaltungsmensch. Punkt für Kohl! Seine Stärken sind Dynamik, Leidenschaft, Verantwortungsgefühl, Augenmaß sowie die Kunst der Moderation und Kommunikation auf Augenhöhe mit allen und jedem. Auch alles vorzeigbare Pfunde, nur eben andere. Keine Frage, es wird ein Duell auf Augenhöhe werden. Interessante Frage zum Schluss: inwieweit hat der Verzicht von Baumeister Martin Kilian Kohl erst aus dem SPD-Hut zaubern lassen?