Der Nikolaus blickt auf das Kirner Land

„Ho, Ho, Ho“! Heute ist ein Festtag. Traditionell ist am 6. Dezember der Heilige Nikolaus unterwegs von Haus zu Haus. Doch der gute alte Mann mit dem Rauschebart hat es schwer in diesen schrägen Zeiten. Die Welt steht Kopf! Zu viele Verrückte haben auf unserem Planeten das Sagen! Es gibt Probleme noch und nöcher. Der Nikolaus hat aber nicht nur das globale große Ganze im Blick. Nein, er schlägt auch deutliche Töne an, und dies obwohl, seine Nordpol-Heimat wegen der Klimaerwärmung wegzuschmelzen droht. Kritisch verfolgt er vor allem die Geschehnisse im Kirner Land. Der Blog hat daher für Euch ein Interview mit dem Nikolaus geführt. Der ist ja eine regelrechte „Schwätz-Maschine“. Ohne Luft zu holen, plauderte der exklusiv aus dem Nähkästchen und bietet echte Expertentipps und Seitenhiebe. Im Ergebnis, ein nicht ganz ernst gemeintes Weihnachtsinterview mit viel Humor.

Blog: Vorab, Heiliger Mann, sind Sie es wirklich?

Nikolaus: Leibhaftig! Ich bin das Original. Darauf können Sie wetten! Wer mehr als 1700 Jahre auf dem Buckel hat, der ist so leicht nicht unterzukriegen. Gut, man sieht mir das Alter nicht an. Mich haut auch so schnell nichts aus den Stiefeln. So lange mich die Menschen nicht vergessen, gibt es auch den Nikolaus. Außerdem bin ich höchst up to date. Anpassen und mit der Zeit gehen gehört zu meinen absoluten Stärken.

Blog: Steigen wir mal mit einer einfachen Frage ein. Wie geht es dem Kirner-Land so?

Nikolaus: Nicht wirklich gut, aber auch nicht wirklich schlecht. Jammern müssen die Menschen in diesem schönen Landstrich jedenfalls nicht. Hier lässt es sich gut leben. Trotz schlechter Straßenanbindung stimmt bei Euch die Lebensqualität. Sichere Verhältnisse, immer frische Luft, keine Windräder und zu guter Letzt Zusammenhalt in den Dörfern – was will man mehr. Hier wird das Ehrenamt noch richtig gelebt. Kirn hat als Mittelzentrum – wer kam nur auf die blöde Bezeichnung – infrastrukturell alles zu bieten, was das Herz begehrt. Industrie, Geschäfte, Wohnraum, Kultur, Ärzte und sogar (noch) ein Krankenhaus. Nur mit den Parkplätzen scheint es ja ein Problem zu geben, gell?

Blog: Sie meinen das Parkhaus, welches ganz weit oben auf dem Wunschzettel von SPD und FWG steht?

Nikolaus: Exakt! Wo soll ich denn meinen Schlitten parken, wenn nicht in einem Parkhaus? (Grinst) Im Ernst, über die Befürworter lachen wir uns schon seit Monaten beim Geschenke verpacken schlapp. Man, man, man, die sind aber auch schwer von Begriff. Ich stopfe die mal alle in meinen Sack und schüttele die so lange durch, bis wieder Vernunft einkehrt. Kann lange dauern, aber ich nehme mir die Zeit. Nicht auszudenken, wenn sich so ein Klotz am Ende durchsetzt. Da muss der Nikolaus mal einschreiten. Und wenn das nicht reicht, schicke ich den Knecht Ruprecht. Der ist auf neudeutsch mein Personal-Assistent, mein Bodyguard, aber auch bester Kumpel. Manchen mag das unheimlich sein, aber wer brav war, hat ja auch nichts zu befürchten, richtig? Leider sind SPD und FWG nicht brav, in diesem Thema nicht die hellsten Kerzen am Weihnachtsbaum.… naja, die dürfen Ruprechts Rute kennen lernen. Ein, zwei Hiebe und dann ist allemal Schluss mit Lustig und der ewigen Träumerei.

Blog: Prima, die Züchtigung wird die auf den rechten Pfad zurückführen! Wie beurteilst Du ansonsten die politische Lage im Ländle?

Nikolaus: (Runzelt die Stirn) Ich formuliere es mal so. Politiker der Güteklasse A sind überall selten. Da bildet das Kirner Land keine Ausnahme. Thomas Jung ist ein Kerl ganz nach meinem Geschmack. Mit ihm wird es aufwärts gehen. Der Drückeberger Martin Kilian zieht den heimischen Schaukelstuhl am Ofen vor, anstatt sich mit dem Stadtrat weiter herumzuärgern. Wer soll es ihm verdenken? Auf seinem Sessel werden entweder Frank Ensminger oder Christa Hermes Platz nehmen. Wer von den beiden gewinnt, darauf lege ich mich nicht fest. Die SPD hat keinen geeigneten Kandidaten in ihren Reihen. Die sind raus, aber sowas von. Peter Wilhelm Dröscher dürfte aus einem Reflex heraus bestimmt kurz gezuckt haben, aber mehr auch nicht. Gut so, denn der Gute spielt schließlich in meiner „Alters-Liga“. Mal ehrlich, ergraute Greise auf dem Posten braucht es nicht. Die FWG kann aus Personalgründen auch nicht Bürgermeister. Bliebe nur ein externer als Alternative. Nur, ich sehe keinen. Und Sie wissen ja, ich sehe alles!

Blog: Und wie beurteilen Sie die Beigeordneten-Angelegenheit auf Verbandsgemeinde-Ebene?

Nikolaus: Ich sag mal so: Als Heiliger will ich in dieser Frage über solchen Dingen stehen. Da habe ich keine Meinung zu. Ist mir schnurz, um ehrlich zu sein. Die Parteien machen ja eh was sie wollen. Nur ein Satz dazu. Sehr viele kommen nicht in Frage. Gute Vertreter sind rar. Hans-Helmut Döbell wird wohl wieder zum Zuge kommen. Der hat sich zwar einen dicken Tadel in meinem goldenen Buch wegen der Arztpraxis-Affäre eingefangen, aber wen jucken schon solche Verfehlungen. Wahr ist, der Bürgermeister aus Hochstetten-Dhaun kocht nicht selten sein eigenes Süppchen. Wahr ist aber auch, er ist der beste SPD-Koch. Mein Tipp: Döbell wird Erster, Helmut Hein Zweiter und irgendwer aus der CDU Dritter Beigeordneter. Wichtig war, dass „TJ“ Bürgermeister geworden ist. Alles andere ist nur Beiwerk von geringer Bedeutung.

Blog: Jetzt noch Butter bei die Fische. Mit Blick auf Kirn und Umgebung, was ist Ihnen noch alles aufgefallen?

Nikolaus: Der Wall!  Was hat sich die Stadt dabei nur gedacht, den Anwohnern eine solche Wand zuzumuten. Mich selbst hat es beinahe vom Schlitten gehauen, als ich über die Höhe kommend mit Karacho eingeschwebt bin. Ist ja wie eine Sprungschanze, direkt hinein ins Krankenhaus, die steile Rampe. Hat mich glatt ins Schleudern gebracht und fast aus der Bahn geworfen (schüttelt den Kopf). Was anderes, die Krankenhaus-Bewegung hat mir außerordentlich gut gefallen. Für den Erhalt ziehen die Menschen an einem Strang. Die Müllers werde ja stellvertretend für alle Kämpfer am Abend mit dem „Harald-Flick-Ehrenpreis“ ausgezeichnet. Wenn ich es schaffe, schaue ich mal rein ins Gesellschaftshaus. Da werden am Ende ja immer guter Wein und Schnittchen gereicht. Aber erst lenke ich meinen Schlitten auf den Brauereihof. Das neue Export muss ich unbedingt testen. Wenn ich schon einmal da bin. Prosit! Vielleicht werden es auch mehr Sorten werden (lacht).

Blog: Moment, Alkohol und dann auf den Schlitten durch den dichten Verkehr?

Nikolaus: Papperlapapp ! Die Kirner Polizei beschenke ich immer reichlich, wenn Sie verstehen was ich meine. Spaß beiseite, die Brauerei macht mir viel Freude. Die sind bodenständige Vertreter der Stadt. Sorge bereitet mir die Gastronomie. Immer die vielen Wechsel und kein richtiges Hotel – wo soll das noch hinführen. Gleiches gilt für die Geschäfte. Wenn ich meinen Schlitten durch die Kirner Gassen lenke, fallen mir zunehmend Leerstände ins Auge. Da hilft nur beten. Apropos beten. Die Katholische Kirche wird ja jetzt saniert. Das Geld haben die sich zusammengeschnorrt, anstatt an das eigene Ersparte zu gehen. Wie immer halt.

Blog: Haben Sie damit ein Problem?

Nikolaus: Ein bissel schäme ich mich schon für die Bettelei. Ändert aber nichts daran, dass die Katholische Kirche mit ihren Missbrauchsfällen und Reformen insgesamt ein schlechtes Bild in der Öffentlichkeit abgibt. Nicht viel besser sieht es mit der Ärzteversorgung aus. Da fehlt mir ein innovatives Konzept der Politik. Die Hausärzte stöhnen jetzt schon unter der Patientenlast. Da kommt noch einiges auf Euch zu. Bei den Feuerwehren sieht es auch nicht überall rosig aus. Auch da muss die Politik grundsätzliche Weichen stellen, will sie die Schlagkraft dauerhaft gewährleisten. Das wird aber Geld kosten. Die Internet-Auftritte von Stadt und Kirn-Land sind grottenschlecht. Ich wundere mich da jedes Mal, wenn ich reinklicke. Dass denen in den Rathäusern da nichts Ansprechenderes einfällt, ist mir ein Rätsel.

Blog: Wer oder was gibt denn ein gutes Bild ab?

Nikolaus: Heiliger Bimbam , die Wanderwege! Ja, die gefallen mir. Das Kirner Land hat einige vorzeigbare Routen mit Ausblicken und Abwechslungen zu bieten. Die bin ich flugs mal alle abgefahren. Positiv sehe ich auch die wirtschaftliche Entwicklung. Die Simona stärkt wohl den Standort Kirn, was richtig und wichtig ist. Auch für mich, denn meine Kufen will ich mir dort aus ganz speziellem Kunststoff fertigen lassen. Edelstahl ist out. Der Nikolaus geht halt mit dem Trend.

Blog: Wenn sie einen Wunsch frei hätten?

Nikolaus: (Überlegt) Oh Gott, was soll ich da sagen. Ich bin der Nikolaus, also wunschlos glücklich. Hmm, da gäbe es doch eine klitzekleine Kleinigkeit. Ich wünschte mir, die Kirner Eisdiele hätte auch den Winter über geöffnet. Der Gianni soll ja so leckeres Eis zaubern. Das würde ich gerne mal schlecken wollen. Leider ist die immer zu, wenn ich nach Kirn komme. So auch am 6. Dezember. Naja, der Nikolaus kann ja nicht alles haben.

Heiliger Nikolaus, danke für das himmlische Gespräch.