Der Anfang vom Ende der Rhein-Zeitung?

Was hat die Rhein-Zeitung nicht schon alles über die Schwächung ländlicher Regionen berichtet und kommentiert. Krankenkassen, Banken, Forstämter, Gerichte und, und, und, wurden ausführlich thematisiert und deren Rückzüge stets kritisiert. Auch der Öffentliche Anzeiger schlug immer wieder in die gleiche Kerbe, wenn in Kirn mal wieder Schicht im Schacht verkündet worden ist. Dabei ist der Verlag keinen Deut besser. Gemäß SWR-Mitteilung sollen alle Lokalredaktionen gebündelt und Geschäftsstellen sogar gleich ganz aufgegeben werden. Eine solche Meldung lässt einen kopfschüttelnd zurück. An nur noch drei Standorten, sollen zukünftig die täglichen Ausgaben zusammengebaut werden. Mehr noch: Alle Service-Points sollen wegfallen, auch der in Kirn. Dem Vernehmen nach haben die Angestellten dort schon ihre Kündigungen erhalten.

Erst die Allgemeine Zeitung und jetzt der Öffentliche Anzeiger – Anlaufstationen für Kunden und Leser in Kirn sind nunmehr Geschichte. Der Service-Point wurde vor allem gerne für Anzeigen-Aufgaben, etwa Trauermeldungen, genutzt. Aus und vorbei! Zukünftig wird das wohl nur noch online funktionieren. Welche Strategie fährt der Verlag? Jedenfalls eine auf Messers Schneide. Prognose: Der Schuss wird nach hinten losgehen. Aber sowas von! Die Bestands-Leser werden mit dieser Neuausrichtung nur vergrault und mögliche neue Interessenten abgeschreckt werden! Wer will schon eine Zeitung abonnieren, die scheinbar nur darauf aus ist, mit möglichst wenig Aufwand und vor allem für den Verlag kostengünstig eine Zeitung anzubieten? Gezwungenermaßen?

Die Redakteure können einem nur noch leidtun. Sie werden die Verlags-Politik an der „Front“ ausbaden müssen. Der Lokaljournalismus unterliegt den Gesetzen des Marktes und steckt irgendwo zwischen Glanz, Mittelmaß und Elend fest. Redaktion sind meist unterbesetzt. Die Folge: Qualitätsansprüche bleiben auf der Strecke. Jedem jungen Menschen sei geraten, nicht dem Reiz des Journalismus bei der Berufswahl zu unterliegen. Alltag sind Zeitverträge und schlechte Bezahlung. Der Charme früherer Tage ist längt verflogen.

Logisch, die Rhein-Zeitung hat seit dem Deal mit der Allgemeinen Zeitung in der Region das Monopol, aber auch das Pfund zieht irgendwann nicht mehr. Unlängst hat man noch die Preise erhöht. Knapp 40 Euro kostet nunmehr schon ein Abo im Monat. Im gleichen Maße wie die Gebühren in der Vergangenheit erhöht worden sind, hat die Qualität nachgelassen. Anstatt durchrecherchierte niveauvolle Artikel, bestimmen längst die schnellen seichten Beiträge die lokalen Seiten. Der Abwärts-Trend ist unübersehbar. Dazu immer viele und große Bildchen – muss reichen! Hinzu kommen permanente Werbeblöcke, die ruckzuck die Seiten vollklatschen. Nein, so wird das nix. So schafft man sich ab. Welche Auswirkungen wird die Neuausrichtung nunmehr auf der Naheschiene Bad Kreuznach, Bad Sobernheim, Kirn, Idar-Oberstein sowie bis hinauf in den Hunsrück nach Simmern konkret haben? Fallen auch dort die Lokal-Redaktionen weg? Bei nur noch drei anvisierten Standorten im Land, steht das natürlich zu befürchten.

Permanent kein Redakteur mehr vor Ort, bedeutet kein Ohr mehr an den Menschen zu haben. Die Auswirkungen werden fatal sein. Lediglich vom Schreibtisch aus in der Ferne agierend, werden viele Informationen, Details und vor allem Stimmungsbilder verloren gehen. Klar, wird man mit den typischen Argumenten von Synergieeffekten womöglich verloren gehendes Vertrauen sogleich zurückgewinnen wollen, aber die Menschen werden sich nicht blenden lassen. Nein, auf diese Art und Weise sägt man sich nur den Ast ab, auf dem man selbst sitzt. Die Abwärtsspirale wird kaum aufzuhalten sein. Die Katholische Kirche lässt grüßen. Auch hier ist man dem Konzept der Zusammenlegung und Bündelung verfallen. Und jeder kann sehen wohin sie das geführt hat, nämlich ins Chaos.