Das Kohl-Debakel und die Fehler der SPD

„Ratschläge sind auch Schläge“ – so lautet das Sprichwort. Besonders die ungebetenen braucht kein Mensch. Sie werden oft als Grenzverletzung, als ein Eindringen in die Privatsphäre empfunden. Grundsätzlich gilt, auch wenn sie noch so gut gemeint sind, scheint in ihnen immer auch ein leiser Vorwurf, ein Tadel mitzuschwingen. Was die arg gebeutelte SPD jetzt als letztes benötigt sind eben diese guten Ratschläge, schon gar nicht welche vom Blog. Wie immer, hält der so gar nichts von gebotener Zurückhaltung und legt mal ganz zart die Finger in die offene Wunde. Das Wichtigste vorneweg: Eine ganze Reihe von schweren Versäumnissen und Nachlässigkeiten gipfelte in einem fast schon historischen Bürgermeister-Wahl-Debakel. Und weil es sich schon weit vor der Kandidatenkür um ganze Fehlerketten handelte, sind die Auswirkungen hinterher umso ernüchternder.

Keine Frage, derweil herrscht bei der SPD Katzenjammer. Man, man, man, 1400 Stimmen weniger für den SPD-Kandidaten Oliver Kohl, viel deutlicher kann eine Wählerschelte, fast schon apokalyptischen Ausmaßes, nicht sein. Autsch, die Watsch‘n hat gesessen! Die SPD hat ihren Kandidaten auf ein Himmelskommando geschickt. Kohl musste sich während der Auszählung mitunter im falschen Film gewähnt haben. Dabei trifft ihn keine Schuld. Mehr als guten Wahlkampf konnte der nicht bieten. Die Altlast der SPD auf seinen Schultern konnte auch seine Taktik einer eher reinen Personen-Wahl – daher die neutral gehaltenen Plakate -nicht wett machen. Er ist die tragischste Figur. Auch wenn er sich davon nichts kaufen kann, für seinen fairen Wahlkampf gebührt ihm Respekt und Anerkennung.

Rückblick: Eine professionelle Wahlkampfgestaltung geht anders. Mutmaßlich fehlte ein schlüssiges Konzept. Schlechte Vorbereitung, schlechte Beratung, zu wenig Initiative der Hintermänner – was war da los? War die SPD mit den Gegebenheiten überfordert? Der Eindruck drängt sich zumindest auf. Warum hat man es versäumt einen geeigneten Kandidaten/in langfristig aufzubauen? Zeit war im Überfluss vorhanden. Gerade im Hinblick auf die ersten Bürgermeister-Wahlen nach der Fusion wäre das langsame Heranführen eines Anwärters/in sinnvoll und notwendig gewesen. Alleine schon deshalb, um für ihn wesentlich mehr Bekanntheitsgrad erlangen zu können. Kohl hat genau der gefehlt. Ein paar Wochen Schaufenster-Stehen, reichen eben nicht aus.

Hinzu kommen unverständliche Personalentscheidungen im Frühjahr. Hätte der Bürgermeister-Kandidat Kohl nicht an die Spitze der zusammengeschlossenen SPD Kirner Land, alleine der Außendarstellung wegen, gehört? Eigentlich ein Muss, um von einer Position der Stärke heraus agieren zu können! Andere Baustelle, gleicher Lapsus. Bei den Kreistags-Wahlen setzte man Kohl auf den 15. Platz, gleichbedeutend mit dem Aus für einen unbekannten Kandidaten vom Westen. Weitsicht, Fehlanzeige? Ein Kirner-Land-Bürgermeister-Kandidat hätte Minimum unter die ersten fünf gehört.

Ohne Amt und Mandat fehlten ihm letztlich dringend benötigte Pfunde, vor allem bei einer wichtigen Selbstdarstellung im Schlussspurt. Sogar in Hennweiler fiel Kohl durch. Paradox, während die SPD als Partei ein gutes Ergebnis einfuhr, verwehrten dieselben Wähler ihrem Mitbürger und Nachbarn die Gefolgschaft. Das soll einer mal verstehen. Stellt sich die Frage nach dem Warum? Warum sind der Partei solche gravierenden Böcke unterlaufen? Nein, der Wahlkampf war bestimmt keine Sternstunde, vor allem nicht für die erfahrenen Hasen im Hintergrund. Das eine oder andere Verfallsdatum scheint deutlich überschritten zu sein. Der mit großen Hoffnungen gestartete Kohl hat sich an den Umständen zerrieben. Es lag letztlich nicht an seiner Person, vielmehr an seiner Partei. Ob beim Bäcker, in der Kneipe oder uff de Gass – dier anfangs nur leise geäußerten Klüngel-Vowürfe hat mit den Jahren an Lautstärke zugenommen und in der Folge zu Stimmenverlusten geführt.

Selbst alteingesessene SPD-Angehörige sprechen unverblümt von einer „Abstrafung“ ihrer Partei. Keine Frage, diese SPD ist gerade dabei sich zu erschöpfen. Die Partei kränkelt. Als Medikation sei ihr eine personelle Frischzellenkur ans tief getroffene Herz gelegt. Strategisch erscheint das derbe Kirner SPD-Landrecht heutzutage eben nicht mehr zeitgemäß. Noch ist man stärkste Fraktion. Aber wie lange noch? 15 Prozent Verlust ist ein herber Schlag in die Magengrube. Vom Ziel, wieder einen Bürgermeister zu stellen, ist die SPD jedenfalls meilenweit entfernt. Eher wird der FCK wieder Deutscher Meister, als dass ein Sozialdemokrat wieder dieses wichtige Amt begleitet.