Das Jung-Zeitalter hat begonnen. Möge es ein gutes sein für das Kirner Land!

„TJ“ Jung ist offiziell Bürgermeister: Das Wesentliche von der ersten Kirner Land Ratssitzung zusammengefasst!

Ein Datum für das Geschichtsbuch! Thomas Jung ist jetzt auch offiziell erster Verbandsgemeindebürgermeister der fusionierten Verbandsgemeinde Kirner Land. Nach Einführung und Vereidigung ist „TJ“ jetzt der neue Chef. Möge er bei allen seinen zukünftigen Entscheidungen, ein glückliches Händchen beweisen. Seine Ernennung vor rund 200 Gästen war ebenso Formsache, wie die der Ratsmitglieder danach. Jetzt kann es also endlich losgehen mit dem Regieren – der Verbandsgemeinderat steht. Alles war bis ins kleinste Detail vorbereitet, alles ging in Harmonie Ruckzuck über die Bühne.

Nur die Beigeordneten-Wahl versprach im Vorfeld einen Hauch von Spannung. Wie aber schon im ausgearbeiteten Drehbuch notiert, wurde Hans Helmut Döbell (SPD) mit 26 Ja-Stimmen zum Ersten Beigeordneten gewählt. Sechs Ratsmitglieder stimmten gegen den Bürgermeister aus Hochstetten-Dhaun. Ungeachtet aller Anfeindungen, hat es der Politiker, mit dem wohl breitesten Rücken weit und breit, erneut an die Spitze der dreiköpfigen Vertreter-Gilde geschafft. Respekt! Zweiter Beigeordneter wird Helmut Hein (Freie Wähler). Er erhielt 27 Ja- und vier Nein-Stimmen. Cornelia Dhonau-Wehner (CDU) ist die Dritte im Bunde. Auf die „Quotenfrau“ fielen 23 Ja- und 9 Nein-Stimmen.

Nun ist es also raus, Döbell darf weiterhin Erster Beigeordneter bleiben. Nicht unbedingt, weil er seine eigene Partei bei dieser Personalie uneingeschränkt hinter sich weiß, vielmehr weil vor allem Freie Wähler und CDU ihn unbedingt auf dem Posten haben wollen. Interpretationsweise, will man dem Newcomer auf dem Chefsessel eine erfahrene Lichtgestalt an die Seite stellen. Eine Verfahrensweise, die nicht unbedingt auf uneingeschränktes Vertrauen zum parteilosen Bürgermeister basiert. Dass er es kann, hat Döbell während den Fusions-Verhandlungen bewiesen, als er über Monate hinweg den Chef geben musste. Ehrenamtlich, versteht sich!

Warum aber Döbell und nicht Stimmenkönig Michael Schmidt auf dem Posten? Die Frage bleibt unbeantwortet unter der Decke. Schmidt machte aus seinem Herzen jedenfalls keine Mördergrube, als er in Funktion als SPD-Chef ans Mikrofon schritt. Sein Gesichtsausdruck sprach zudem Bände: „Manchmal entscheidet eben nicht der Wählerwille“, ließ er mit hängenden Schultern wissen. Wie versteinert saß er in der Folge auf seinem Stuhl. Wahrscheinlich wähnte er sich im falschen Film.

Am alten und neuen Vertreter reiben sich die Gemüter in der breiten Öffentlichkeit. Während er im Kirner Land weiß Gott nicht als Politiker der Herzen gilt, genießt er auf dem politischen Parkett den Ruf als gewiefter Fuchs mit einem respektablen Netzwerk. Döbell ist ein Strippenzieher. Sehen wir es positiv, der Vollblut-Kommunale ist in der Lage, seine Erfahrungen gewinnbringend einzubringen und wertvolle Tipps zu liefern. Im günstigsten Fall, kann sich unter den beiden Männern an der Spitze, deren Charaktere unterschiedlicher nicht sein können, ein Verhältnis auf Win-win-Basis entfalten. 

Frei nach der „Olsen-Bande“ sieht Michael Müller in Döbell den Mann mit dem Plan. Augenzwinkernd, versteht sich. Abgewandelt von dem Film-Klassiker bezeichnet er das Trio insgesamt als „Assistent-Gang“. Passt! Das passende Comic-Bildchen lieferte er gleich mit. Im Original ist die Gang aus der Filmvorlage längst Kult. Die neue Beigeordneten-Riege muss sich diesen Status erst erarbeiten. Vieles wird davon abhängen, inwieweit der neu formierte Verbandsgemeinderat harmoniert und in der Sache zusammenarbeitet. Wächst da was zusammen, was zusammen gehört? Man darf gespannt sein!

Keine Frage, Jung muss den Ton angeben sowohl intern, als auch extern. Wer den früheren Fußball-Trainer näher kennt, der weiß, dass er mit schwierigen Kadern umzugehen weiß. Er hat das Gespür in seiner DNA, wie man aus Einzelspielern eine Mannschaft formt. 32 Freunde müsst ihr sein? Nein, das wäre des Guten dann doch zu viel. Reiben muss sein. Einigkeit in den wichtigen Fragen reicht schon. Wünschen wir Jung Glück dabei und wünschen wir ihm, dass Kapitän Döbell seine Erfahrung demütig in den Dienst der Mannschaft stellen wird. Das Kirner Land braucht eine gut funktionierende „Regierung“, die den äußersten Zipfel des Landkreises nicht nur gut vertritt, sondern auch nach vorne bringt.

Mehr Informationen über den denkwürdigen Abend im satirischen Wochenrückblick.