Bürgermeister und Freibier, Kleinstadt unter Corona , Café Schläger und die Folgen, Zeitung ohne Themen,

Ein Grußwort des neuen Bürgermeisters für die Homepage, das muss sein. VG-Bürgermeister Thomas Jung hat Frank Ensminger diesen „Auftrag“ bei dessen Vereidigung mehr oder weniger augenzwinkernd erteilt. Klar, ein Grußwort zu schreiben ist üblicherweise Chefsache. Nun, wann und wie richtet der gelbe FDP-Jung die passenden Worte – vielleicht sogar in Reim-Form – an seine Bürger? Fesselnd sollte es sein, aber nicht langatmig. Besonders wäre wünschenswert, eben dem Typ Bürgermeister entsprechend. Der Blog hätte da einen kurzen und knappen Vorschlag von Worten, die gewiss einschlagen werden wie ein Bombe und Ensminger schon in der Frühphase zum beliebtesten Stadtchef aller Zeiten werden lassen – und zwar in Nullkommanix.

Grußwort von Bürgermeister Frank Ensminger:

Liebe Leute lasst Euch sagen,
Ihr werdet zum Freibier eingeladen.
Ist die Corona-Zeit endlich vorbei,
steht der Brauereihof für die Feier bereit.
Spendieren werde ich Bier vom Fass,
und auf mich ist auch zukünftig verlass.
Weil ich auf immer Bürgermeister bleiben will,
gibt es zum Bier stets reichlich Leckers vom Grill.
Wer stets einen ausgibt der ist beliebt,
garantierte mir die Wiederwahl mit Erdrutschsieg.

Eine Film-Szene mit Aussagekraft! Unser aller Eismeister Gianni war im urigen Eiswagen unterwegs im Kirner Land, um Bestellungen auszuliefern. So sahen wir den Italiener im Beitrag des SWR „Kirn – eine Kleinstadt in Zeiten von Corona“. Romantik pur! An sich kam der gut rüber, allerdings war es ein FAKE. Fake deshalb, weil zum täglichen Ausfahren nicht das Eis-Mobil, sondern ein gewöhnliches Auto benutzt wird. Für schmucke Fernseh-Bilder sattelte der Chef offenbar kurzfristig um. Show halt! Die Redakteure haben halt immer Sonderwünsche. So ist das, wenn man vor der Mattscheibe sitzt. Man bekommt oftmals völlig falsche Eindrücke ins Wohnzimmer geliefert. Gleiches gilt für den Mundschutz. Der wurde von den Eisdielen-Mitarbeitern auch nur für die Kamera konsequent aufgesetzt. Kaum war der Dreh vorbei, waren die Masken wieder verschwunden. Zumindest hat der Blog keine gesehen, als er zufällig mal einen Blick in die Eisdiele erhaschen konnte. Alles gestellt? Vielleicht nicht alles, aber viel. So läuft das halt beim Fernsehen.

Der Blog ist noch immer fassungslos über das Ende von Café Schläger. Dem „Abgesang“ unter der Woche, folgten etliche Reaktionen. Viele konnte es nicht glauben, dass alleine die Corona-Krise, noch dazu in der Frühphase, zur gefühlt schnellen und konsequenten Aufgabe führte. Spekulationen schossen ins Kraut, wonach das Virus, wenn überhaupt, nur der Tropfen war, der das Fass zum Überlaufen brachte. An den Diskussionen will sich der Blog gar nicht erst beteiligen, aber anknüpfen schon. Wahr ist, dass die Betreiber als Grund für das wirtschaftliche Aus Corona verantwortlich zeichnen, und dies, obwohl die wirtschaftlichen Folgen in der momentanen Frühphase noch gar nicht vorhersehbar sind. Wahr ist aber auch, dass, wenn ein Virus einen alteingesessenen Familienbetrieb derart mit Wucht umhaut und folglich in die Knie zwingt, dann lässt das für die nahe Zukunft nur Schlimmes vermuten. Viele Kleinunternehmen, die von den Rahmenbedingungen her beurteilt weitaus schlechter gestellt sind, werden dann wohl erstrecht zusperren müssen. Bleibt zu hoffen, dass die Betroffenen härter für den Erhalt ihrer Lebensgrundlage kämpfen und sich mit aller Kraft einem Niedergang entgegenstemmen. Egal wie, das städtische Leerstandsregister wird wohl oder übel Zuwachs bekommen.

Corona und die Folgen? War die tägliche Berichterstattung in der Zeitung mit Beginn der Krise irgendwie ja noch spannend und aufschlussreich, kehrt jetzt so allmählich Übersättigung ein. Wen wundert es, außer Virus-Geschichten, wird so gut wie gar nichts mehr abgebildet – weder in den übergeordneten Mänteln, noch in den untergeordneten Lokalredaktionen. Nur logisch, denn es passiert ja derzeit so gar nichts nebenher. Das öffentliche Leben ist zum Erliegen gekommen. Da brechen den Redakteuren sämtliche anderen Themen weg. Keine Frage, die Krise trifft auch die schreibende Zunft mit Wucht. Blöd, sämtliche Infos rund um das Virus bekommen wir nahezu rund um die Uhr über sämtliche Radio- und TV-Sender um die Ohren gehauen, sodass man stets auf dem Laufenden gehalten wird. Die Zeitung ist da nur noch ein Zubrot. Man merkt das Virus-Loch ganz deutlich am Umfang. Ganz dünn und ausgemergelt ist sie geworden. Vom Empfinden her, sind die Ausgaben auf ein Minimum zusammengeschrumpft worden. Als ob diese auf Notbetrieb heruntergedrosselt worden wären. Ist sie wohl auch. Bleibt zu hoffen, dass die Krise bald vorbei ist und man am Frühstückstisch wieder auf das gewohnte Format zurückgreifen kann.