Bursian im Auftrag des Bürgers, Legende Ottsch, erste Kirner Stadtratssitzung, Wertschätzung von Feuerwehren, die Lehren des Radfahrtages…

Das Drehbuch ist rein gedanklich schon geschrieben: „Bursian Undercover unterwegs im Auftrag des Kunden“! – So oder so ähnlich könnte der Titel heißen. War die Zulassungsstelle erst der Anfang? Anderswo in Amtsstuben, Behörden oder Praxen läuft es in Sachen Service wahrscheinlich nicht unbedingt runder. Von daher, bleiben Sie als Hauptdarsteller an dem Thema Service-Wüste Deutschland dran! Vielleicht ließe sich sein in die Hose gegangener Schilder-Gang zu einer mehrteiligen Doku-Reihe ausweiten. Lieber Herr Bursian, es gäbe da noch das Finanzamt, die Bürgerbüros, Führerscheinstellen, Arbeitsagenturen, Krankenhäuser, Arztpraxen und, und, und. Ob alle Genannten einem Bursianchen-Stresstest Stand halten können? Diesbezüglich sind Zweifel durchaus angebracht.

Es sind die besonderen Charaktere die einem an sich gewöhnlichen Stadtbild ganz besonderen Glanz verleihen. Typen eben, wie Szene- Und Kult-Gastwirt Otto Ries (Ottsch) einer war. Das Urgestein hinter der Theke verabschiedete sich mit einem sensationellen Brückenfest in den Ruhestand. Schluss, aus, fertig – in ein paar Wochen ist der 65-jährige dann endgültig Kirner Stadtgeschichte. Und mit ihm auch die Location. In ein paar Jahren werden sich nur noch die älteren Kneipen-Gänger noch an den kauzigen Fast-Rentner erinnern können. Für ihn jedoch unvergessen dürfte sein Abschiedsfest verlaufen sein. Regelrecht leer gesoffen haben ihn seine Gäste. Viele davon, feierten zum ersten und zum letzten Mal vor seiner Haustür. Auch ein Novum, was er sich nicht erklären kann. Ein solcher Zulauf in seiner nunmehr vergangenen aktiven Phase, hätten ihm solidere Umsatzzahlen beschert und sein Dasein als Wirt erträglicher gestaltet.

Der ersten Sitzung eines neu gewählten Gremiums fiebert man immer mit Spannung entgegen. Wie wird die Atmosphäre sein, welche Personalentscheidungen werden getroffen? Haben sich alle lieb, verläuft alles ruhig oder fliegen die Fetzen? Zugegeben, in solchen Stadtratssitzungen geht es meist gesittet zu, weil im Vorfeld ja Absprachen getroffen werden. Wie wird es wohl am 27. Juni in Kirn zugehen? Da kommt erstmals der neu gewählte Stadtrat zusammen. Die Wahl der Beigeordneten dürfte ein erster Fingerzeig für zukünftige Koalitionen sein. Spannend die Frage, ob die SPD auf ihrem angekündigten Verjüngungskurs bleibt. Wenn die Sozialdemokraten es wirklich ernst meinen damit, dann hat der 72-jährige Peter-Wilhelm Dröscher als Erster Beigeordneter fertig. Alt genug für den „Ruhestand“ ist er ja ohnehin. Kommt Schallmo zum Zug oder zwingt ihn sein Angestelltenverhältnis wirklich zu einem Verzicht? Und wenn nicht „Polit-Methusalem“ Dröscher oder Wahl-Gewinner Schallmo in der Verlosung sind, wer dann? Was haben die roten noch so für schlummernde Riesen im Köcher? Ungeachtet dessen, reklamiert die CDU auch einen Beigeordneten-Posten? Bestimmt! Und die FDP? Ihr Wahlergebnis dürfte diesbezüglich ebenso Begehrlichkeiten wecken. Gelassen können die Freien Wähler dem Ganzen entgegenfiebern. Wenngleich, das Dreigestirn kann, je nach Tendenzen, jedoch Zünglein an der Waage werden. Fakt ist, die erste Stadtratssitzung verspricht so einiges an Unterhaltung. Gehen Sie hin.

Boah, da flimmerten ja wieder spektakuläre Aufnahmen von der Brandstelle in Bad Sobernheim durch das Internet, verbunden mit Kommentaren und Worten des Dankes an die eingesetzten Feuerwehrmänner. Die werden bei jeder monströsen Groß-Lage nahezu reflexartig von Politikern und Otto Normalverbrauchern laut. Doch wird deren unermüdlicher Einsatz damit wirklich genügend gewürdigt? Reicht es, sie immer wieder als Helden des Alltags zu betiteln und dann war’s das auch schon wieder? Wohl kaum! Ist der in der Wahrnehmung nicht allzu selbstverständlich geworden? Reichen ein paar nette Sätze und Bildchen für die Männer und Frauen an der Spitze heutzutage noch aus? NEIN!!! Menschen, die eine zeitintensive Ausbildung auf sich nehmen, die sich ständig Schulungen unterziehen, die ihren Piepser nie aus den Augen verlieren, rund um die Uhr Gewehr bei Fuß stehen, um dann im Ernstfall gefährliche Notlagen bewältigen, die sich seelischen und psychischen Belastungen aussetzen – die sollten eine angemessenere Anerkennung erfahren. Und die geht nur über den Geldbeutel. Die Belastung des Einzelnen ist enorm. Die Mitgliedschaft in der freiwilligen Feuerwehr ist nicht mit anderen Ehrenämtern zu vergleichen. Man weiß nie, wann der Einsatz kommt und was einen erwartet. Wie könnte eine finanzielle Vergütung angemessen geregelt werden? Ganz einfach, nämlich über die Steuer. Freibeträge wären eine Möglichkeit. Wenn die Politik es ernst meint, dann geht sie das Thema mal so richtig an. Nicht nur drüber schwätzen, sondern handeln! Macht das wichtige Ehrenamt auf diese Weise wieder lukrativer. Dann klappt es auch wieder mit dem Nachwuchs. Ganz sicher.

„Nahe Hit, rad’l (nit) mit!“ – so oder so ähnlich lässt sich der Zustand des Raderlebnistages wohl am ehesten beschreiben. Der Blog beobachtet den Niedergang schon seit Jahren. Und erstmals hat sich auch die Presse kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt. Nun, die diesjährige Resonanz hätte sich auch nicht mehr schönschreiben lassen. Längst vorbei sind die guten alten Zeiten, als man sich als sportlich ambitionierter Radler einen Weg durch die Menge bahnen musste. Heute geht da ohne Rücksicht nehmen zu müssen volle Pulle. Auch abseits der Strecke ist der Radfahrtag völlig unspektakulär geworden. Kaum Stände, kaum Erlebnis, kaum Abwechslung. Mein Vorschlag wäre, einen dicken Schlussstrich zu ziehen. „War schön mit Dir Radfahrtag, aber wir haben uns mit den Jahren auseinandergelebt. Ist halt einfach so passiert.“