Bürgermeistermangel

Immer weniger Menschen wollen Bürgermeister werden: Das lässt einen ratlos zurück. Keine oder nur einzelne Kandidaten im Angebot ist fürwahr keine richtige Wahl. Der Blog versucht einmal das Phänomen zu erklären, warum das so ist. Ganz allgemein sind die Bewerberzahlen rückläufig. In insgesamt sieben Ortsgemeinden im Kirner Land fand sich kein Bewerber auf den Chefposten. Da schrillen alle Alarmglocken! Die Gründe: Als Bürgermeister hat man keine Privatheit, auch um die Freizeit sieht es schlecht bestellt aus. Das war zwar schon immer so, aber vielleicht hat man das Amt früher ja mehr mit einer gewissen Bedeutung und Macht verknüpft und daher den Mangel an Privatsphäre damals besser ertragen.

Bürgermeister klagen zudem über eine – im Verhältnis zum Arbeitsaufwand – schlechte Bezahlung. Doch liegt es wirklich daran? Übertragen auf Hochstetten-Dhaun erhält der Amtsinhaber (Zahl aus dem Haushalt) rund 2000 Euro. Dafür muss eine Frau ganz schön lange stricken und so mancher Arbeiter wäre froh über so eine Entlohnung. Dafür kann der Bürger auch einiges an Arbeitsstunden und Einsatz erwarten. Was macht die Aufgabe noch unattraktiv?

In Zeiten von Internet und Aufklärung sind die Bürger kritischer und anspruchsvoller geworden; kleinere Gestaltungsspielräume, vor allem in finanziell schwierigen Zeiten, und Bürokratisierung machten den Job weniger attraktiv. Unterm Strich bekommt man mehr auf die Finger geschaut. So kleine Geschäftchen in eigener Sache nebenher lassen sich daher heutzutage kaum noch verbergen – auch Grundstücksgemauschel. Merke, nicht jeder Bürgermeister, der zur Wahl antritt, hat auch uneingeschränkt nur das Allgemeinwohl im Blick. Bis auf Einzelfälle bewirbt sich die Sorte „zwielichtige Gestalten“ mit Blick auf den eigenen Vorteil daher nicht mehr. Viel stärker als früher muss ein Bürgermeister auch Motivator und Moderator sein (Beispiel Oberhausen), der die Bürger ins Gemeindegeschehen einbindet.

Das Aufgabenfeld ist schwer zu beackern, gerade in Hochstetten-Dhaun mit seinen fünf Ortsteilen. Und: Menschliche Qualitäten sind mindestens genauso wichtig wie die fachlichen. Fazit: Das Ehrenamt ist zwar eine undankbare Aufgabe, versprüht gleichsam aber einen gewissen Reiz. Vor allem Parteien sollten dazu übergehen mögliche Kandidaten , vor allem Nachwuchs, frühzeitig mehr einzubinden versuchen.