Blick über den Berg

Ein kurzer Blick in die große Nachbargemeinde. Dort stehen die Mitglieder der Freien Wählergemeinschaft (FWG) in den Startlöchern für den anstehenden Wahlkampf. Die Liste steht! Mehr noch: Bei der Mitgliederversammlung zog man sogar einen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 26. Mai aus dem Köcher. Jürgen Tatzke sprang buchstäblich wie „Kai aus der Kiste“ auf die kommunalpolitische Bühne.

Der 53-jährige ist bis dato politisch völlig unverbraucht, was einem ja heutzutage eher als Vorteil gereicht. Und der Mann verfügt über Power und Ideen. Zumindest liest es sich so in der Zeitung. Warum also nicht einmal einen völlig unbedarften auf den Bürgermeister-Stuhl hieven. Mit seiner Homosexualität geht er offen um. Seine an sich selbst gestellte Frage hat sogar was von Wahlkampf-Werbung. Zitat: „Ist Simmertal bereit für seinen ersten schwulen Bürgermeister?“

Als Berlins ehemaliger Oberbürgermeister seinerzeit von der Bühne herab schmetterte „ich bin schwul und das ist gut so“, hatte er die Wahlen quasi im Sack. Von daher, scheinen solche geflügelten Sätze nicht unbedingt hinderlich zu sein auf dem Weg in Rathäuser egal welcher Größenordnung. Über seine reellen Aussichten lässt sich zu diesem frühen Zeitpunkt allerdings nur spekulieren. Vieles wird davon abhängen, wen die SPD, nach der erfolgreichen Ära Speh, ins Rennen schicken wird.

Egal wie, ein Kopf an Kopf-Rennen ist wahrscheinlich. Alleine deshalb, weil SPD und FWG seit je her personell und sachlich auf Augenhöhe agieren. Beide Parteien sind vielfältig engagiert, vertreten ihre Positionen und sind in der Sache durchaus mal streitbar. So funktioniert gelebte Politik.