Arztpraxis-Glosse

So schaut’s aus

Kommunalpolitik als Peinlichkeit und Posse

Ja, verreck, die Arztpraxis-Posse. Was fällt mir dazu noch ein? Eigentlich nix mehr. Vielleicht doch eine Lehre für die Obrigkeit? Denn man sieht wieder ganz deutlich, welche Folgen es haben kann, wenn Kommunale in Hinterzimmern still und heimlich was aushecken, und dies, obwohl sie doch immer Transparenz geradezu predigen. Wie immer hätten aus den politischen „Schallschutzräumen“ ja nur zensierte Informationen an das gemeine Volk dringen dürfen. Also nur: „Die Ortsgemeinde kümmert sich, es kommt ein Arzt in eine neue Praxis.“ Kleine Info-Knochen hatten bisher doch noch immer gereicht, um pure Dankbarkeit – so war es jedenfalls geplant – zu erzeugen.

Niemand sollte Details zum Prozedere erfahren, schon gar nicht über die Frage, wer profitiert oder wer am Ende die Zeche zahlen muss. Muss ja auch nicht sein. Einzelheiten stiften ja nur Unruhe. Nun, sind die Schallschutzwände unter der Turnhalle auch nicht mehr das, was sie ursprünglich mal waren. Über die Jahre hin vielleicht bissel porös geworden. Vielleicht graben ja auch ganz freche Maulwürfe Löcher hinein. Egal, der Schuss ging jedenfalls gewaltig nach hinten los. Aber sowas von. Die Geheimhaltungsstufe ist in die Binsen gegangen. Die Schlagzeile „Ungewöhnliche Praxis“ brachte nicht nur einen Stein, vielmehr einen gewaltigen Brocken ins Rollen. Und der bewegt sich noch immer. Trotz allen Rechtfertigungsversuchen, attestierte der Steuerzahlerbund dem Treiben „gelebte Vetternwirtschaft auf kommunaler Ebene“.

Ohne Worte! Dem Autor, also mir, wurde hingegen unterstellt Unwahrheiten verbreitet zu haben. Wirklich? Wenig glaubhaft, die eher peinlichen Rechtfertigungs-Inszenierungen danach. Die Redensart „Getroffene Hunde bellen“, greift hier voll umfänglich. Auf den Punkt gebracht, hat sich eine besonders bissige Rasse angegriffen gefühlt. Merke, wenn sich jemand ungewöhnlich heftig und bisweilen stillos gegen Kritik zur Wehr setzt, dann war diese oft berechtigt. Wenn Unredliches und Sittenverfall im Zusammenhang mit Rang und Politik im Volksmund verspottet werden, so trifft der Stachel der Satire vorzüglich den, der sich nicht nur angesprochen, sondern zur Verteidigung genötigt fühlt. 

Und verteidigt wurde. Nur eben mit immer der gleichen falschen Leier. Aber wir wollen ja jetzt nicht mehr Nachkarten. Der Arzt iss unter, der Bürgermeister-Nachwuchs materiell gut versorgt. Alles perfekt. Nein, Zweifel bleiben. Immer! Vorerst gilt, Schwamm drüber. Mund abputzen und weiter Augen und Ohren offen halten. Die nächste Posse klopft bereits an. Und die Moral von der Geschichte? Blöd, Moral ist gerade aus. Muss aber auch mal ohne gehen. Hauptsache wir haben einen lieben Onkel Doktor.