50 Jahre Großgemeinde

Eine Einschätzung

50 Jahre Hochstetten-Dhaun, wenn das kein Grund zum Feiern ist! Tatsächlich? Ist da wirklich zusammengewachsen, was zusammengehört? Nun, die Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Rückblick: Der überwiegende Teil aller einst selbständigen Gemeinden ist in den 70er-Jahren von der Landkarte verschwunden – angeblich der Wirtschaftlichkeit und Bürgernähe wegen. Es hat ja seinerzeit nicht sonderlich weh getan. Das Leben der Menschen hatte sich durch den damaligen Zusammenschluss der fünf, bis dato selbständigen unterschiedlich großen Ortsgemeinden, ja auch nicht wesentlich geändert.

Über Heimatgefühle und Verbundenheit hatten sich die Territorial-Reformer bei diesen und anderen Zusammenschlüssen, auch über gewachsenes Historisches, hinweggesetzt. So tickte die Politik damals. Man regelte es über die Freiwilligen-Schiene. So zogen die Jahre im Sauseschritt ins Land. Jetzt, 50 Jahre danach, wird der Zusammenschluss als eine Art „Meilenstein“ der Geschichte gewürdigt. Sicherlich mit viel Tamtam und großen Reden am 23. März im Bürgerhaus Haus „Horbach“.  

Aber mal ehrlich, fühlen sich alle Bewohner von Hochstetten-Dhaun als eine gelebte harmonische Einheit – so in jeder Beziehung – oder kocht jeder doch noch so sein eigenes Süppchen? Ist in den Köpfen aller das von offizieller Seite immer wieder gerne formulierte Gemeinschaftsgefühl, unter dem Dach der „Großkommune“, angekommen? Ertappen wir uns hin und wieder nicht noch immer in einem engstirnigen Konkurrenzdenken, etwa bei Veranstaltungen, die Einzelne nur deshalb nicht besuchen, weil sie in einem anderen Ortsteil stattfinden.

Ähnlich wie bei den „Ossis“ und „Wessis“ gibt es hier „Hübe“ oder „Drübe“. Die Kerb wird nicht gehalten, nur weil sie in Hochstädten aufschlägt und umgekehrt gilt das bei vergleichbaren Veranstaltungen, egal wo, ebenso. Das Phänomen des andauernden „Fremdelns“ schwächt sich vor allem bei der älteren Generation nur sehr mühsam ab. Zeitlupe, möchte man annehmen! Überwunden sind die kleinen „Animositäten“ noch nicht, und dies, obwohl seit der Fusion ganze Generationen heranwuchsen. Obacht, alles zwar nur Ausnahmefälle, aber es gibt sie noch immer. Zumindest kommen mir solche Reaktionen immer wieder zu Ohren.

Doch es gibt Hoffnung. In weiteren 50 Jahren dürfte das Kapitel Zusammenschluss dann nur noch eine Randerscheinung oder wie es andere formulieren würden „Mückenschiss“ in der Dorfchronik sein.