Kleine Medienschelte: Der Öffentliche (Bau)Anzeiger!!!

Aus gegebenen Anlass bekommt die Tageszeitung einen zutreffenderen Namen verpasst! Aus dem Öffentlichem Anzeiger wird fortan der Öffentliche (Bau)Anzeiger! HOWGH, der Blog hat gesprochen. Warum? Nun, es vergeht kein Erscheinungstag, an dem beim Aufschlagen der Lokalseite nicht großflächig ein Baustellen-Bild aufpoppt. Meist sind es welche von der Großbaustelle B 41 Hochstetten-Dhaun oder dem Rutschhang in unmittelbarer Nähe. Man, man, man, gibt es wirklich keine anderen Themen? Immer nur Brücken, Kräne, Bagger und Schotterpisten – ermüdender geht nicht. Haben die Leser, die ihre Zeitung für gutes Geld abonnieren, nicht ein Recht darauf, ordentlich und in einer gesamten Bandbreite umfassend informiert zu werden? Baustellen gehören zwar auch zum Spektrum, aber doch bitteschön nicht jeden Tag. Zumal die ja eh kaum was Neues offenbaren.

Und immer das Gleiche: Kran hebt Eisen auf Widerlager – und? Welche Philosophie verfolgen die Redakteure? Wollen die ihre Tageszeitung hin zu einem Fachblatt für Hoch- und Tiefbau entwickeln? Kaum vorstellbar, aber den Eindruck muss man als täglicher Leser fast schon gewinnen. Doch der Blog will nicht nur meckern, sondern auch Vorschläge unterbreiten. Alternative Baustellenberichte, etwa über Anlieger, die von dem vielen Lärm schon krank geworden sind. Ja, die gibt es. Artikel über Hausbesitzer, die durch die vielen Bohr-Vibrationen massive Risse in den Wänden beklagen. Ja, auch die gibt es. Oder Menschen, die mit dem LBM um die im Vorfeld zugesagten neuen Fenster regelrecht ringen müssen. Und auch die gibt es. Man müsste nur mal in andere Richtungen Recherche betreiben. Dafür braucht es Zeit und vor allem Willen. Paar Bilder von Kränen, gehen da eben viel schneller von der Hand. Keinem wird so wirklich auf die Füße getreten und die formatfüllenden Eindrücke kommen ja scheinbar auch bei so manchen Lesern an.

Und dem Blog schwant Böses. In Kürze sind Vollsperrungen an zwei aufeinanderfolgenden Sonntagen geplant. Wahrscheinlich werden in den Druckhäusern schon die Schichten hochgefahren und Sonderseiten vorbereitet. Bilder aus jedem Blickwinkel, dazu reichlich fesselnder Text – passt! Obendrein gespickt mit Homestorys der Bauarbeiter, abgerundet durch Interviews der beobachtenden Menschenmassen – lebendiger geht nicht. Selbstredend wird auch die Drohne zum Einsatz kommen. Als Leser ist man da machtlos dem Baustellen-Treiben ausgeliefert

Kurzum, es deutet sich schon jetzt Bahnbrechendes an. Pulitzer-Preis verdächtig das ganze Paket! Und wenn es für den begehrten Journalisten- und Medienpreis doch nicht reichen sollte, können sich die Macher immerhin noch mit dem Blog-Pfosten trösten. Den hat der Öffentliche (Bau)Anzeiger für seine ausführlichen Baustellenreportagen sicher. Aber sowas von! Weihnachten ist es soweit! Leser, ihr müsst jetzt tapfer sein. Schon jetzt werden wir mit täglichen Appetithappen auf das große Spektakel vorbereitet. Wohl dem, der in den kommenden Wochen im Urlaub weilt.  

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