Immer wieder Berichte von der Baustelle

Das Bau-Tagebuch des Öffentlichen Anzeigers dürfte mittlerweile in kein Regal mehr passen. Was mussten wir nicht schon alles an Hintergrundinformationen über die Ortsumfahrung von Hochstetten lesen, ganz zu schweigen von den Homestorys einzelner Bauarbeiter. Keine Frage, die Maßnahme hat gewisse Dimensionen vorzuweisen, aber muss der nahezu wöchentlich mit Bildern und Texten Aufmerksamkeit geschenkt werden. Anstatt den Platz für anspruchsvollere und gut recherchierte Themen zu reservieren, werden in schöner Regelmäßigkeit Baukräne, Betonpfeiler, Straßenbeläge oder Erdbewegungen in den Mittelpunkt gestellt. Immer, wenn Eisenträger auf Stützen gehoben, der Kreisel verschoben, Verkehrswege geändert, Kräne aufgestellt oder Teerarbeiten durchgeführt werden – die Zeitungsleser sind gefühlt live mit von der Partie. Fehlt nur noch, dass die Ausgabe von neuen Schippen und Besen an die Mitarbeiter eines Tages als Schlagzeile ins Blatt gehoben wird. Wenn sich die Berichterstattung in dieser Häufigkeit bis zum Ende fortsetzt, dürfte irgendwann der 1000 Bericht und das 5000 Foto erreicht sein. Dabei handelt es sich hier in Anführungszeichen nur um eine Baustelle. Über den Fortgang zu informieren ist ja richtig und wichtig, aber man sollte es nicht derart übertreiben. Was das angeht, sind die Leser aber sowas von am Limit.

Und wenn Baustelle, dann bitte mal mehr Tiefe und einem anderen Ansatz. Landesbetrieb- und Baufirmen transportieren von Haus aus immer nur heile Welt. Wie wäre es zur Abwechslung mal einen anderen Blickwinkel einzufangen. Etwa den von Anwohnern, die sich über Lärm beklagen. Ein Thema wäre sicherlich auch die Rissbildungen in den Wänden der Häuser im Hang, verursacht durch Bohrungen. Die damit verbundenen Vibrationen erreichten bisweilen Erdbeben-Ausmaße. Auch ein Aspekt wäre der Fenster-Kampf von Betroffenen mit den zuständigen Behörden. Bereits zugesagte Dreifach-Verglasung werden nunmehr verweigert. Baustelle mal aus einem anderen Blickwinkel beurteilen, mit dieser Herangehensweise weckt Leser-Interesse. Nur Mut!

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