Geldautomat sollte gesprengt werden!

Ein an die Wand gemaltes Szenario wie aus einem martialischen Hollywood-Streifen: „Ein Polizei-Großeinsatz schreckte am frühen Sonntagmorgen Bürger in Hochstetten-Dhaun aus dem Schlaf. Gegen 3.30 Uhr gab es Sirenenalarm, weil die Feuerwehr offenbar wegen drohender Explosionsgefahr hinzugezogen wurde.“ Oh Gott, was geht ab im ansonsten so beschaulichen Dorf? War man der Apokalypse nah? Bei einer solchen Schlagzeile gefriert den Lesern ja das Blut in den Adern. Explosionsgefahr in Hochstetten-Dhaun und das mitten in der Nacht, wenn alles schläft? Was war passiert: Die Polizei konnte in der besagten Nacht gerade noch rechtzeitig die Sprengung des Geldautomaten am „Lädchen“ vereiteln. Der war offensichtlich ins Visier regionaler Täter gerückt. Durch schnelles Einschreiten, blieb jedoch die Handlung im Vorbereitungs – beziehungsweise Versuchsstadium stecken. Die auf der Flucht augenscheinlich am Tatort zurückgelassenen Gas- und Sauerstoffflaschen sowie weiteres Tatwerkzeug stellte die Polizei für einen späteren Weitertransport durch Spezialisten sicher. Alles Routine, alles Polizeiarbeit – unter dem Strich reines Fahndungs-, Ermittlungs- und Dokumentations-Puzzles, welches jetzt Stück für Stück zusammengesetzt werden muss.  

Dazu gehörte wohl auch, dass diese beiden Flaschen sicherheitshalber überprüft werden sollten, um final ausschließen zu können, dass keine konkrete Gefahr durch Entweichung eines womöglich Gasgemischs ausgehen könnte. Und wer kann das in den frühen Morgenstunden zügig gewährleisten? Die Feuerwehr! Deswegen das Sirenengeheul, deswegen der Aufruhr, deswegen die Schaulustigen und deswegen das Ausrücken zweier Wehren in Mannschaftsstärke. Warum die Leitstelle gleich Großalarm auslöste und damit den halben Ort weckte und letztlich in Angst und Schrecken versetzte, wird sicherlich Gegenstand einer internen Nachbereitung sein. Ein stiller Alarm und eine Expertenmeinung hätten sicherlich ausgereicht, um Entwarnung geben zu können. Sei`s drum, die Spezialisten kamen mit Sondersignal gleich zu Hauf, sahen, gaben sogleich Entwarnung und fuhren sofort wieder. Nachvollziehbar, denn Die Nacht ist kurz, das entstandene Schlafdefizit groß. Akute Gefahr, Fehlanzeige!!!

In der Berichterstattung danach liest sich das Geschehene viel dramatischer, als es in Wirklichkeit war. Logisch, spektakuläre Schlagzeilen erregen mehr Aufmerksamkeit. Aber mal ehrlich, geht es nicht eine Spur weniger theatralisch? Wenn man es nicht besser wüsste, hätte beim Einsaugen der Schlagworte fast der Eindruck entstehen können, der ganze Ort wäre kurz davor gewesen dem Erdboden gleichgemacht zu werden. Lasst doch bitte die Kirche im Dorf. Leider werden durch solche reißerischen Überschriften immer wieder dieselben simplen Denkmuster bedient sowie das Geschehene unnötig emotionalisiert, und was noch beklagenswerter ist, über Gebühr aufgebauscht. Wie immer halt.  An der Realität vorbei, bedient man so nur die Sensationslust einer gewissen Leserschaft. Der Zweck heiligt wohl die Mittel. Hört sich auch wesentlich spektakulärer an, wenn man Explosionsgefahr hinausposaunt, die, ordnet man die Vorkommnisse ein, zu keiner Zeit wirklich latent war. Der Boulevard lässt grüßen. Dass es auch bodenständig informativ geht, bewies der Wochenspiegel in seiner Online-Ausgabe. Der orientierte sich rein sachlich am Pressebericht der Polizei. Von Explosionsgefahr steht dort keine Silbe.

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