Facebook: Das Wort zum Sonntag

Eigentlich hat das Wort zum Sonntag ja VG-Beauftragter Werner Müller während seiner letzten Haushaltssitzung schon zum Besten gegeben. Darin bemängelt er den Umgang mit ehrenamtlich tätigen Kommunalpolitikern. Sie bezögen zu oft Prügel, sogar straftatverdächtig weit unter der Gürtellinie. Heckenschützen, die selber nichts leisten und sich nur in unflätigem Vokabular über Facebook aus der Deckung trauen, wären mitunter die Gründe dafür, warum sich zu wenige Bewerber für die Kommunalpolitik fänden. Wer will schon Prellbock sein? Moment, herrschte nicht schon immer ein rauer Wind auf dem politischen Parkett? Im Internetzeitalter bläst der sich mitunter halt zu einem mächtigen Sturm auf. Schippern nicht die meisten Politiker tagein tagaus recht gelassen über die Facebook-Weltmeere? Freiwillig, mit allen Vor- und Nachteilen, die diese Routen mitunter bereithalten.

Sieben Bürgermeister-Kandidaten fehlen alleine unter dem Dach der VG, rund 400 im ganzen Land. Geben ihm die Zahlen recht? Nicht ganz! Seine Kritik, sein Unverständnis und sein offensichtliches Fremdeln mit modernen Kommunikationsmitteln kann nämlich auch als eine Art persönliches Eingeständnis für abgelaufene politische Haltwertbarkeit verstanden werden. Nur mal so zur Info: Facebook ist eine der wichtigsten Arenen im Kampf um politische Deutungshoheit geworden. Wahlkampf und Tagesgeschäft finden hier rund um die Uhr statt und beschränken sich nicht auf angebotene öffentliche Sitzungen oder Ortstermine. Und die Betonung liegt auf “Kampf”. Wer Wahlen gewinnen will, wer Bürger erreichen will, wer für sich und seine Argumente, seine Vorhaben und Projekte werben will, muss nicht mehr nur an Ständen mit Gratis-Kugelschreibern, bei Gemeindestammtischen oder in Ratssitzungen überzeugen.

Merke, Politik findet kaum mehr in persönlichen Begegnungen, sondern gezielt im Internet statt. Man muss nicht jeden blöden Beitrag kommentieren, aber sich der neuen Welt gleich ganz zu verschließen und sie obendrein noch zu verteufeln oder gar für einen Politikerschwund verantwortlich zu machen, ist sicherlich der falsche Weg und bei weitem nicht mehr zeitgemäß. Dass es geht und man sich arrangieren und öffnen kann, beweisen schon einige wenige, zumeist jüngere Kommunalpolitiker, auch aus Kirn und Kirn-Land. Vorreiter hier sind da sicher die Liberalen. Altgediente, die sich noch in der Vergangenheit wähnen und sich bisweilen verwundert die Augen über die Offenheit und Härte im Netz reiben, sollten ihre aktive politische Karriere besser beenden. Ehrenvorsitz auf dem heimischen Schaukelstuhl hat doch auch was, oder nicht?

Hey, lasst die endlich ran, die sich nicht verschließen und niveauvoll im Netz politisch mitmischen. Das muss man als Chance, nicht als Feind verstehen. Grundsätzlich gilt: Wer sich nicht stellt, wer noch immer Politik im Hinterzimmer favorisiert und noch immer an die guten alten Zeiten appelliert, wird zum Spielball, ja auch mal Opfer in Kommentaren und hat daher schon verloren. „Man dürfe das Feld nicht den Unzufriedenen überlassen“, sagt Müller. Dann macht es nicht in Gottes Namen! Facebook bietet Chancen. Chancen sich denjenigen zu zeigen, die man sonst nicht erreicht., Themen vorzustellen – kurzum Politik zu erklären. Man muss sie nur zu nutzen wissen. Und mit dummen Kommentaren muss man halt leben lernen. Und wenns ins strafbare geht, hat man die Möglichkeit zu klagen. So funktioniert die Welt heutzutage nun einmal. Übrigens, die fielen auch schon, als Internet noch Zukunftsvision war.

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